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Dr. Rosa Aspalter

Bitte mehr Obst!

Dr. Rosa Aspalter
Dr. Rosa Aspalter ist Bloggerin bei gesund.at. (Agnes Stadlmann)

5 am Tag, so lautet die Regel. Es sollten 5 Portionen Gemüse und Obst pro Tag gegessen werden, wobei drei Portionen Gemüse sein sollten.

Eine Studie im British Medical Journal sorgt gerade vielerorts für heftige Diskussion. Es ist eine Metanalyse, die sozusagen das Ergebnis unterm Strich zusammen fasst, das man aus vielen (in diesem Fall 16) großen Ernährungsstudien ziehen kann. Es sind dabei Studien aus Asien, Japan, Europa und der USA inkludiert, die den Zusammenhang zwischen der Menge an Obst und Gemüse, die pro Tag verzehrt wird, und den Todesraten für Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs untersuchten.

Mehr Obst keine weiteren Vorteile

Das Ergebnis bestätigt, dass das Risiko für tödlich verlaufende Herz-Kreislauferkrankungen mit jeder Portion pro Tag um zirka 5 % gesenkt wird. Dies funktionierte in dieser Metaanalyse bis zu 5 Portionen pro Tag, was ungefähr 400 Gramm Obst und Gemüse entspricht. Ein Mehr an Obst und Gemüse brauchte in dieser Studie keine weiteren Vorteile mehr.

Ja, aber!

Es gibt dabei etwas Rätselraten. Die Autoren räumen selbst ein, dass es durchaus qualifizierte Studien gibt, die sehr wohl einen weiteren Vorteil zeigen, wenn diese 5 Portionen überschritten werden. Ein Hinweis darauf, wie es zu diesen unterschiedlichen Aussagen kommt, wäre eine tolle Sache!

Bei Fructoseintoleranz statt Obst mehr Gemüse

Es gibt aber auch schon Jubelrufe, die sich auf Grund dieser Studie "endlich von der 5-am-Tag-Regel entlastet" sehen. Bitte Vorsicht! Diese Studie bestätigt eindrucksvoll, dass die 5-am-Tag-Regel eine sehr sinnvoll ist, und sie sagt nicht, dass noch mehr an Obst und Gemüse schädlich wäre. Es wurde nur keine weitere Steigerung des gesundheitlichen Benefits registriert. Kein Grund also, noch vor Erreichen des 5-am-Tag-Zieles kehrt zu machen! Und keinesfalls kann es dazu legitimieren, Menschen mit Fructoseintoleranz von dieser Regel abzuraten. Die 5-am-Tag-Regel ist für Patienten mit Fructoseintoleranz genauso von Vorteil, nur verschiebt sich der Anteil zu Gunsten des Gemüses.

Schritt für Schritt

Es verblüfft mich immer wieder zu sehen, wie schwer sich viele tun, diese einfache Regel einzuhalten. Und viele nehmen das als unveränderliches Faktum, um ihre Produkte zu vermarkten, mit denen das Ziel angeblich gewährleistet sein soll. Umso wichtiger wäre, zu zeigen, dass diese Regel nicht so schwer zu erreichen ist und keinesfalls "geschmacklos" ist. Wir sollten nicht Argumente gegen höheren Obst- und Gemüseverzehr suchen, sondern diese fördern und das Ziel 5-am-Tag erst einmal erreichen. Nicht nur wegen der Risikoreduktion von 25 %. Sondern weil sich dadurch vermutlich einiges weitere automatisch verbessert: die Verdauung, die Blutfette, und einiges mehr.

Was ist so schwer?

Warum fällt es uns so schwer, diese Regel einzuhalten bzw. sogar Gefallen an ihr zu finden? Liegt es in der Natur der vermarkteten Produkte? Liegt es daran, dass die offensichtlich "gesunden" Lebensmittel im Gegensatz zu den vielen Lebensmitteln, die uns überall dargeboten werden und eher als Suchtmittel bezeichnet werden müssten, "nur" nahrhaft, "nur" schmackhaft und nicht süchtig machend, sondern, im Gegenteil, gut sättigend sind?

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