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Dr. Christine Allen

Das ist unfair

Dr. Christine Allen ist Bloggerin bei gesund.at. (Elisabeth Mondl)
Seit acht Monaten mag ich Ihnen das erzählen, aber ich habe es nicht getan. Weil ich mich geniert habe. Seit acht Monaten wollte ich abnehmen, denn ich hatte alle Maße gesprengt. Monatelang habe ich gemampft, genau gespürt, dass ich mich nicht wohl fühle, aber weiter gemampft.

Ein lieber Bekannter - schlank, wie es sich gehört - sagt immer, es sei leicht abzunehmen, aber das Gewicht zu halten sei das Schwierige. Da kann ich nur lachen. Offenbar hat er keine Ahnung davon, wie schwer ist es, endlich den Schweinehund zu überwinden und den ersten Schritt zu tun! Ich kann davon ein Lied singen! Monatelang wollte ich abnehmen, einerseits. Andererseits reichte schon der Gedanke an das Verbot zu essen aus, um erst recht zu essen. Und es schien, als wäre der Verzicht auf etwas Süßes das Furchtbarste, das mir passieren könnte.

Den Anstoss gab dann der Sommerurlaub. Es gab Einiges zu essen, das mir nicht schmeckte, und das machte den Einstieg leichter. Es purzelte das erste Kilo und jetzt sind es schon fünf. Und? ich fühle mich besser, und es macht Vergnügen nicht zu mampfen und es macht Spass zu verzichten.

Unfair abgenommen?

Also, was habe ich Unfaires getan? Ich schreibe den Kampf mit meinem Gewicht erst jetzt auf, jetzt wo ich - ja genau - schon abgenommen habe. Das war nicht ganz fair Ihnen gegenüber. Es ist mir in den letzten Monaten nicht gelungen, Ihnen zu erzählen, dass ich gerne abnehmen wollte, es mir jedoch zu schwer fiel. Erst jetzt, endlich erfolgreich, kann ich darüber schreiben.

Nichts für ungut. Ich bin Ernährungsmedizinerin, und doch gibt es auch für mich Zeiten des sinnlosen Mampfens, des Nicht-Aufhören-Könnens und des Genau-Wissens: Das sollte nicht sein und ich tue es trotzdem.

Jetzt kommt übrigens bald mein lieber Bekannter ins Spiel. Denn prinzipiell hat er natürlich recht: Das Gewicht zu halten ist dann das Folgeproblem.

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Kommentare

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  1. bernhard

    Was wirklich paradox ist: Die Leute schränken sich lieber 24/7 ein um dann erfolglos festzustellen, dass nix passiert, als dass sie konsequent zwei Mal pro Woche für 1 ½ Stunden aktiv Sport betreiben. Der innere Schweinehund beherrscht die Gesellschaft.

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