Autor

Nicole Siller

Weihnachtsstress und ein heilsames Gipsbein

Nicole Siller bloggt auf gesund.at (Nicole Siller)

Weihnachtsrituale und Erwartungen, Jahres-Endspurt, Verpflichtungen und Wünsche, Kinder, Familie, Beruf und Kollegen. Hilfe - wo bleibt Besinnung in der "ruhigen" Weihnachtszeit?

Anna, eine jüngere Frau, erzählte kürzlich in einem Entspannungs-Seminar von Weihnachtsritualen, die sie lebt. Weihnachtstraditionen für ihre beiden kleinen Kinder, ihre Eltern, die Familie ihres Mannes, ihre Firma und ihre Freunde. Unterschiedliche kulturelle und familiäre Traditionen wollen ihren Platz finden.

Weihnachten findet für alle anderen statt

Es beginnt mit burgenländischen Weihnachtskeksen, die spätestens zum 1. Adventsonntag fertig sein sollen und endet mit dem italienischen Brauch "La Befana" am 6. Jänner und ihrer Familie im Friaul. Dazwischen gibt es mindestens 6 ganze Wochen voller "Verpflichtungen" wie Nikolausfeiern, Familienessen, Kindergartenfesten, Einkäufen, Adventsmärkten mit und ohne privaten bzw. "dienstlichen" Punschrunden, Basteleien, Weihnachtsessen aller Art, familiäre Reisen und Firmenfeiern, letzten Besorgungen, Besuchen, Wünschen und Bedürfnissen aller Beteiligten. Anna möchte es gerne allen recht machen und wirkt dabei ein wenig müde. Ich fragte mich instinktiv -  wer kümmert sich um Anna, wenn nicht sie selbst?

Ein Gipsbein beschert besinnliche Weihnachten

Helene, eine lebenslustige, ältere Frau hörte aufmerksam zu und meinte mit ruhiger Stimme: "So ähnlich habe ich auch einige Jahre lang gelebt. Allerdings "nur" mit österreichischen Bräuchen und Ritualen, aber auch das hat mir gereicht!" Sie lachte leise und meinte: "Ich hatte ein Schlüsselerlebnis für das ich sehr dankbar bin. Einmal, meine Töchter waren noch relativ klein und der jährliche Trubel groß, brach ich mir im Dezember bei Glatteis ein Bein und konnte bis in den Jänner hinein sehr wenig "mitspielen" beim alljährlichen "Weihnachts-Erwartungen-Erfüllen". Siehe da, es war trotz - oder wegen - des Gipsbeines das erste besinnliche Weihnachtsfest meines Lebens.

Wir machten nur das was uns wirklich Freude gemacht hat und möglich war. Ich verschenkte nur frisch gestrickte Mützen, jeder freute sich. Die Kinder waren glücklich über soviel "Mama-Zeit", wir lasen viel, spielten miteinander, sahen gemeinsam Filme, sortierten alte Fotos. Es gab nur, was ohne viel Bewegung möglich war. Ich ging anfangs nicht, danach nur selten und gezielt aus dem Haus!"

Das Fest der Liebe findet statt

Helene erzählte weiter: "Es war wirklich schön, ich bekam von vielen Seiten Unterstützung. Es war ein Vorteil, dass viele Menschen sowieso frei hatten. Nachbarn kauften ab und zu für uns ein, die Familie und liebe Freunde halfen unterstützend, auch mein Ex-Mann sprang ein. Wir wurden besucht und auch bekocht, hatten auch viel Zeit und Ruhe gemeinsam. Die Kinder wurden von Freunden, Papa oder Familie öfter mal geholt und wieder gebracht. Wir hatten öfter Besuch als sonst, jeder brachte mit, was wir gerade brauchten. Es war traumhaft erholsam. Auch meine Töchter erinnern sich heute noch an dieses Jahr zur Weihnachtszeit ganz besonders gerne."

Rasch diskutierten wir gemeinsam die Frage: "Braucht es wirklich ein Gipsbein, um aus dem Weihnachtsstress - im wahrsten Sinne des Wortes - auszusteigen?"

Bewusst Schritte setzen

Vielleicht hilft es auch sich folgende Fragen zu stellen:

  • Was ist Ihnen selbst persönlich zu Weihnachten ganz besonders wichtig?
  • Worauf freuen Sie sich zu den Feiertagen am allermeisten?
  • Was können Sie selbst dazu beitragen, um davon mehr zu leben?
  • Wessen Bedürfnisse sind Ihnen - außer Ihren eigenen - ebenfalls sehr wichtig?
  • Welche "Verpflichtungen" können Sie guten Gewissens bleiben lassen?

Die Antworten darauf können helfen, den Blick wieder verstärkt auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zu richten und "eingefahrene" Rituale Schritt für Schritt in eine wohltuende Richtung zu lenken.

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