Autor

Nicole Siller

Notbremse ziehen im Alltagstrott

Nicole Siller bloggt auf gesund.at (Nicole Siller)
Letztes Wochenende besuchte ich meine Freundin Barbara in Niederösterreich. Sie war blass unter ihrer spätsommerlichen Bräune und wirkte müde. Barbara ist berufstätig und Mutter einer 11jährigen Tochter.

Der Schulbeginn ist jedes Jahr anstrengend, heuer gibt es bis Weihnachten kaum lange Wochenenden. Beim Kaffee war schnell das Thema "Herbstfrust" am Tisch und wir wanderten gefährlich in die Nähe des Jammertals. Nebel, wenig Sonne, Schulstress, blöde Feiertage, Zeitumstellung, Alltagstrott bis zur Erschöpfung...

Alles andere ist wichtiger als ich

Barbara war die letzten beiden Tage krank gewesen - "grippig" ohne Fieber, sie war einfach im Bett geblieben und hatte viel geschlafen. Sie sagte ganz ehrlich: "Ich hatte schon seit einigen Tagen den dringenden Wunsch, einfach mal ein bisschen Zeit zu finden um durchzuatmen. Aber wie es so ist, war alles wichtiger. Der Schulbeginn mit unruhigen Stundenplänen, Chaos in der Nachmittagsbetreuung, das kostet jedes Jahr viel Kraft. Im Job geht’s wieder stressig zu und ich hatte ein ganzes Wochenende Seminar, es gab Familienfeiern bei uns zu Hause, die Waschmaschine war kaputt... ich nahm mir nicht einmal die Zeit für meinen wöchentlichen Pilates-Kurs! Warum sorge ich nicht früher für mich, wenn ich es ja eigentlich schon spüre? Warum warte ich immer wieder bis mein Körper streikt? Geht es nur mir so?"

Notbremse ziehen und ausmisten

"Nein", entgegnete ich, "ich fragte mich auch schon oft, warum ich nicht auf meine Bedürfnisse achte. Ich glaubte auch immer wieder alles andere sei wichtiger als ich, dabei ist es eigentlich meine Pflicht, auf mich selbst zu achten und etwas gegen den Stress zu tun! Deshalb...", ich nahm meinen "Schummelzettel" aus meiner Handtasche und sagte "habe ich ein Notfallsprogramm für mich geschrieben! Ich weiß ja selbst am besten was ich wirklich brauche! Wenn ich mir auch die Zeit nehme, es bewusst zu merken und darauf zu reagieren, habe ich schon gewonnen! Schau mal, vielleicht ist da etwas Hilfreiches für dich dabei, das habe ich über längere Zeit für mich gesammelt!"

5 Minuten für den Anfang

  • Achtsamkeit: wenn ich merke, es gibt eine Sehnsucht nach Ruhe, sorge ich noch am selben Tag für mind. 5 Minuten Zeit um herauszufinden, was genau ich jetzt spontan brauche, wenn nötig, am WC!)
  • Kalender ausmisten: Was muss sein, was will ich, was kann warten? Absagen, oder wenn möglich delegieren ( Ziel: mindestens 1 x 20 Minuten für MICH finden in den nächsten 3 Tagen)
  • Mich selbst verwöhnen: Badewanne, NICHTSTUN, Partner ausführen (lassen), Lachen, raus an die frische Luft, gutes Buch lesen, MUSIK (!), roter Lippenstift, Maroni/Eis essen, Kreativ sein, einfach stehen bleiben und wahrnehmen, Telefonat/Treffen mit wohltuenden Menschen, körperlich auspowern, mit Kindern spielen, massieren lassen, Kochen, Urlaubsfotos anschauen, 1 Station zu Fuß gehen, Blumen kaufen, besonderes Essen, tanzen gehen, irgendetwas zum 1. Mal machen...
  • Mindestens 3 Verabredungen: Verabredungen mit mir selbst fixieren in den nächsten 3 Wochen - als Spontanzeit (!!!) jeweils länger als 15 Minuten

Projekt "ICH komme gut durch stressige Phasen!"

Barbara lachte: "Ja, das ist gut! Spontanzeit, die geplant ist. Aber es geht wohl manchmal nicht anders. Schon das Lesen tut jetzt gut! Da fällt mir schon noch einiges ein, was mir Spaß macht. Ich mach mir jetzt auch so einen "Schummelzettel"! Dann weiß ich, wenn es wieder eng wird gleich was ich tun kann!!!"

"Ja, gerade jetzt weißt du besonders, welche Bedürfnisse du hast, es ist ein guter Zeitpunkt gleich zu beginnen!", riet ich zum Abschluss eines sehr interessanten Treffens.

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