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Nicole Siller

STOP! - jetzt komme zuerst ich!

Nicole Siller bloggt auf gesund.at (Nicole Siller)

Doris ist Mutter zweier Kinder, verheiratet und berufstätig. Sie verbringt ihre Tage von früh bis spät mit einem "Stundenplan", weiß genau, wann sie - neben ihrem Job - welches ihrer Kinder von einem gut organisierten Betreuungsprogramm neben Schule und Kindergarten abholen muss.

Ihr Mann unterstützt sie zwar, ist aber beruflich selbst viel unterwegs und sehr eingespannt. Doris ist sehr dankbar, dass sie eine Schwiegermutter in der Nähe hat, die schon in Pension ist und gerne immer wieder Zeit mit den Kindern verbringt, alle beide auf einmal sind der Oma jedoch meist zu anstrengend. Sie ist dennoch eine unbezahlbare Unterstützung. Alle Urlaubstage werden mit der Familie verbracht, Doris hat den Anspruch an sich als Mutter sein, möglichst viel Zeit für ihre Kinder zu finden.

Oft müde und gereizt

In der letzten Zeit ist Doris oft müde, manchmal sehr gereizt und sie war letzten Winter öfter erkältet als sonst. Eines Tages wachte Doris auf und erinnerte sich, sie hatte sehr intensiv geträumt, ganz alleine weg zu fahren. Sie war ganz für sich in diesem Traum, sie lag auf einer Lichtung in einer Blumenwiese unter einem großen Baum und hörte den Wind in den Blättern, spürte warmes Sonnenlicht auf ihrer Haut und genoss es, den Wölkchen im Himmel zuzusehen. Sie war dort ganz leicht und durfte einfach nichts tun. An diesem Morgen wusste Doris, sie musste etwas ändern in ihrem Leben, sie selbst konnte nicht mehr genügend Kraft für sich schöpfen in all den Verpflichtungen, auch wenn sie ihre Kinder und ihren Mann über alles liebte.

Sehnsucht nach Ruhe

Wie es der Zufall so will, verspätete sich an diesem Tag ein Besprechungstermin ganz kurzfristig um eine Stunde. Doris war schon beinahe am vereinbarten Treffpunkt, es lohnte sich nicht, ins Büro zurück zu fahren. Sie hatte plötzlich 60 Minuten für sich. Sie nützte die Zeit, setzte sich in einen kleinen Park und schaltete ihr Handy ab und - sie hatte Glück - sah den Wolken am Himmel zu. Immer wenn ihr etwas "Wichtiges" einfiel stellte sie sich vor, sie setzte diesen Gedanken auf eine Wolke und beobachtete, wie die Verpflichtung wegfliegt. Plötzlich bemerkte Doris wie müde sie war, wie erschöpft vom jahrelangen Funktionieren als Mutter und Ehefrau, Haushalts- und Kinderbetreuungsmanagerin und Angestellte in einer Agentur. Sie spürte eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe.

Zeit suchen

Der Termin kam und der Tag verlief nach seinem fixen Plan. Abends, als die Kinder im Bett waren, setzte sich Doris einfach aufs Sofa. Alles blieb wie es war, die Küche unaufgeräumt, Spielsachen lagen herum, die Wäsche wurde nicht gewaschen. Sie setzte Prioritäten. Doris nahm sich ihren Terminkalender zur Hand und suchte Zeit. Sie markierte Zeitfenster, auch wenn sie noch so klein waren, in einer schönen Farbe, sie reservierte so oft es ging eine kleine Zeitspanne für sich. Sie würde ab jetzt immer wieder auch mal die Mittagspause an der frischen Luft verbringen, pünktlich die Firma verlassen oder einfach langsamer gehen. Doris musste Ruhe finden um Kraft zu schöpfen.

Reißleine ziehen

Als ihr Mann Klaus heimkam - heute extra spät von einer Abendveranstaltung - wunderte er sich, wie unaufgeräumt es war. Doris lag angezogen auf dem Sofa und schlief, das Licht brannte. War sie krank? Klaus setzte sich zu Doris. Sie öffnete die Augen und sagte: "Klaus, ich kann so nicht mehr weiter machen, ich habe keine Reserven mehr. Aber lass uns jetzt schlafen gehen und morgen in Ruhe darüber reden!"

Doris hatte gerade noch rechtzeitig erkannt, dass sie sich verausgabt. Sie hat die Reißleine gezogen, Klaus hat sie dabei unterstützt. Sie durchbrachen Gewohnheiten, organisierten sich neu, Doris schraubte ihre Erwartungen als Mutter ein bisschen zurück und erkannte, dass es sogar auch pädagogisch wertvoll war, den Kindern vorzuleben, dass Mama auch auf sich selbst achten muss.

Mehr auf sich achten

Doris fuhr ein paar Tage aufs Land, ganz alleine, sie schlief viel und nach einigen Tagen kam sie gerne wieder heim. Sie würde sich ab jetzt an 2 Abenden die Woche Zeit für sich nehmen. Um Freundinnen zu treffen oder etwas anderes wohltuendes zu unternehmen, das ihr Kraft gab. Einen Abend übernimmt Klaus, den zweiten ein Babysitter, sodass Klaus und sie gemeinsam als Paar Zeit genießen können. Für Doris ist es wichtig, ab und zu ein paar Tage ganz aus der Familie ausbrechen zu dürfen, Klaus freut sich mehr auf die vereinbarten Zeit zu zweit!

Alleine das Wissen um Ruhepausen hat viel verändert. Doris hält ihre ICH-Zeiten wann immer es möglich ist, konsequent ein und merkt, wie viel Kraft ihr diese Zeit gibt. Auch Doris und Klaus spüren wieder mehr Nähe, seit sie wieder als Mann und Frau Zeit finden und immer wieder aus der Mama und Papa Rolle aussteigen dürfen.

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