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Katharina Ellmaier

Nahrung wirkt!

Katharina Ellmaier ist Bloggerin auf gesund.at und ganz.herzlich.
Katharina Ellmaier bloggt auf gesund.at (Katharina Ellmaier)
Ich erzähle Ihnen heute eine Geschichte. Um genau zu sein, ist es die Geschichte, wie die Ernährung nach Traditioneller Chinesischer Medizin in mein Leben kam und was sich seither für mich verändert hat.

Dazu muss ich etwas ausholen: Bevor ich auf die TCM-Ernährung gestoßen bin, war ich lange Zeit auf der Suche nach einer Ernährungsform, die mir genau das gibt, was ich brauche um gesund, energiegeladen und ausgeglichen zu sein. Denn obwohl ich mich damals meiner Meinung nach gesund ernährt habe, fühlte ich mich trotzdem nicht richtig wohl in meiner Haut: Ich wär ständig müde, mir war kalt, ich hatte täglich Bauchschmerzen und Gewichtsschwankungen.

Auf der Suche nach einer Erklärung

Und kein Arzt, den ich aufsuchte, konnte mir sagen, was mir fehlte. Ich lief von Pontius zu Pilatus, ließ einen Test nach dem anderen machen, doch immer wieder hieß es nur: "Hm, organisch ist alles in Ordnung. Wahrscheinlich Reizdarm." Ich war frustriert und fühlte mich unverstanden. Hatte es schon so satt, mich mit ständig wechselnden Ernährungsempfehlungen, Inhaltsstoffen und Kalorien herumzuschlagen und habe gleichzeitig bemerkt, dass ich mit einer verstandgesteuerten Herangehensweise auch nicht weiterkommen würde. Ich brauchte etwas, das darüber hinaus ging. Etwas, das spürbar für mich war. Und einfach. Irgendwo musste es doch eine Erklärung für meine Symptome geben!

Eines schönen Tages empfahl mir eine liebe Freundin ein Buch über die 5 Elemente Ernährung. Mittlerweile sehr skeptisch allen Ernährungs"weisheiten" gegenüber, fing ich doch an, es zu lesen. Und ich war überrascht, denn diesmal war alles anders! Ich schien endlich gefunden zu haben, wonach ich so lange suchte und begann plötzlich zu verstehen, was mein Körper mir mit all den Symptomen verzweifelt zu sagen versuchte, nämlich: "Mir ist kalt!"

Nahrung beeinflusst unser Temperaturempfinden

Das mag jetzt "westlich" gesehen vielleicht ein bisschen eigenartig klingen, denn was bitteschön hat Ernährung damit zu tun, ob uns kalt oder warm ist? Doch: Ja, Sie haben richtig gelesen: Nahrung kann uns mitunter kühlen. Genau so wie sie uns wärmen, aktivieren oder beruhigen kann - so, wie wir es gerade brauchen.

Wenn wir bei uns im Westen an die Traditionelle Chinesische Medizin denken, fällt uns meist sofort die Akupunktur dazu ein. Dass auch die Ernährung als eine der 5 Säulen in der TCM eine wichtige Rolle spielt, das ist jedoch weit weniger bekannt. Doch wenn Sie in China zum Arzt gehen, werden Sie erst einmal mit individuell abgestimmten Ernährungsempfehlungen versorgt und erst später mit Kräuterrezepturen oder Akupunktur behandelt, wenn es überhaupt noch notwendig ist. Denn in der TCM werden Nahrungsmittel als sanfte Therapeutika eingesetzt, da sie - ähnlich wie Medikamente - eine Wirkung in unserem Körper entfalten.

Optimale Energiegewinnung aus Lebensmitteln

Im Gegensatz zur westlichen Ernährungslehre, die Nahrungsmittel nach ihren Inhaltsstoffen und ihrer kalorischen Wertigkeit beurteilt, befasst sich die Traditionelle Chinesische Medizin mit Fragen wie:

  • Wie wirken Nahrungsmittel auf unseren Körper?
  • Wie können wir die meiste Energie aus der Nahrung gewinnen?
  • Welche Zubereitung macht Nahrungsmittel bekömmlich für uns?

Für die Wirkung sind vor allem zwei Komponenten verantwortlich, nämlich der Geschmack und das Temperaturverhalten. Ich ernährte mich damals hauptsächlich von Müsli mit frischen Früchten und Joghurt, Salaten, Vollkornbrot und Käse. Aus Sicht der TCM sind das lauter Nahrungsmittel, die eine abkühlende Wirkung auf unseren Körper haben. Damit liegt es quasi auf der Hand, dass man ständig friert und die Verdauung aufgrund der fehlenden Wärme nicht gut funktionieren kann. Ich hätte mich genauso gut in einen Kühlschrank stellen können - die Wirkung wäre wohl die gleiche gewesen. Also strich ich thermisch kühlende und kalte Nahrungsmittel weitgehend aus meinem Speiseplan und verwendete stattdessen neutrale und wärmende Zutaten.

Gleichzeitig begann ich zu kochen! Denn neben der thermischen Wirkung der Nahrungsmittel an sich, ist die Bekömmlichkeit einer Mahlzeit auch wesentlich von der Zubereitungsart abhängig. Stellen Sie sich dazu Folgendes vor: Sie stehen in Ihrer Küche, stellen einen Topf auf die Herdplatte und geben kaltes Wasser hinein. Wahrscheinlich müssen Sie den Herd auf die höchste Stufe aufdrehen und einige Zeit lang warten, bis das Wasser zu kochen beginnt. Würden Sie bereits vorgekochtes Wasser aus dem Wasserkocher in den Topf gießen, bräuchte es nur eine geringe Energiezufuhr von der Herdplatte und das Wasser würde im Handumdrehen zu Sprudeln beginnen.

Ganz gleich verhält es sich mit unserem Magen: Wenn wir rohe, kalte Mahlzeiten zu uns nehmen, braucht unser Körper ungleich mehr Energie, um die Nahrung in Energie umzuwandeln, als wenn wir ihm durch das Kochen gleich einen großen Teil der Arbeit abnehmen. Daher empfiehlt die TCM: "Alles, was im Magen ankommt, soll eine körperwarme Suppe sein." Also warm essen und gut kauen! Nachdem ich auch diese Empfehlungen berücksichtigt hatte, konnte ich quasi dabei zusehen, wie meine Beschwerden Stück für Stück verschwanden. Ich fühlte mich allgemein fitter, hatte keine Bauchschmerzen mehr, mir war wohlig-warm im Körper und mein Gewicht stabilisierte sich. Da war sie also endlich: Die einfache Lösung für mein Problem.

Wie schmeckt’s?

Egal ob sauer, bitter, süß, scharf oder salzig - jede Geschmacksrichtung hat ihre individuellen, ganz spezifischen Eigenschaften, die wir uns sehr einfach zunutze machen können. Ein Beispiel:

Stellen Sie sich vor, Sie würden in eine Zitrone beißen. Wie fühlt sich das an? Wahrscheinlich zieht sich alles zusammen in Ihrem Körper, denn genau das ist die Wirkung des sauren Geschmacks: Er wirkt zusammenziehend und bewahrt unsere Körpersäfte innen. Diese Wirkung ist vor allem dann wertvoll, wenn es im Sommer richtig heiß ist und wir viel schwitzen. Mit einem Spritzer Zitronensaft in einem Glas Wasser können wir unsere Körper dabei unterstützen, nicht zu viel wertvolle Flüssigkeit zu verlieren. Wollen wir hingegen etwas los werden wie z.B. einen Krankheitserreger oder ein paar überschüssige Kilos, sollten wir saure Nahrungsmittel eher meiden, da ihre Wirkung in diesem Fall kontraproduktiv wäre.

Kalt oder warm?

Vielleicht haben Sie schon einmal bemerkt, wie sich nach dem einem feurigen Chili con Carne plötzlich ein wohlig-warmes Gefühl in der Körpermitte ausbreitet oder Ihnen die Schärfe sogar Schweißperlen auf die Stirne treibt? Oder dass an heißen Sommertagen ein saftigen Stück Wassermelone die ersehnte Abkühlung bringt während ihr Genuss an kälteren Tagen mit Bauchschmerzen endet? Genau das ist die thermische Wirkung der Nahrungsmittel. Mit ihrer Hilfe können wir äußere Witterungseinflüsse und innere Disharmonien ausgleichen. Genau darum geht es in der TCM: Für ein Gleichgewicht zu sorgen, denn sind wir im Gleichgewicht, sind wir gesund!

Ich finde, die TCM ist ein wunderbares Werkzeug, um die individuellen Bedürfnisse seines Körpers kennenzulernen. Kombiniert mit dem Wissen um die Wirkung der Nahrungsmittel, steht der persönlichen Wohlfühlernährung nichts mehr im Wege.

Ein Tipp? Frühstücken Sie! Nein, frühstücken Sie warm!

Haben Sie schon einmal versucht, morgens mit einem ungetankten Auto in die Arbeit zu fahren? Sie würden wohl nicht recht weit kommen. Genau so ist es, wenn wir ohne Frühstück aus dem Haus gehen. Unser Tank ist leer und wir fahren auf "Reserve". Daher ist das Frühstück auch in der TCM die wichtigste Mahlzeit am Tag. Und damit unser Stoffwechsel gleich so richtig auf Touren kommt und weil wir aus warmen Mahlzeiten die meiste Energie gewinnen, ist mein Tipp: Frühstücken Sie warm! Seit ich morgens warm esse, komme ich viel leichter aus dem Bett - mitunter auch, weil ich mich schon so auf’s Frühstück freue.

Die Zubereitung ist wirklich einfach - probieren Sie es aus:

Haferflocken-Birnen-Frühstück (für 1 Person)

  • 6 EL Kleinblatt-Haferflocken
  • 1/2 reife Birne
  • eine kleine Handvoll Rosinen
  • 2 Datteln
  • etwas Zimt, Kardamom und Kurkuma (Gelbwurz)
  • Mandelmus (oder gehackte Mandeln)
  • Agavensirup
  • etwas Schlagobers und Ghee (optional)

Haferflocken, Trockenfrüchte und Gewürze in einen Topf geben, mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher aufgießen, kurz aufkochen lassen, die Birne in kleine Wüfel schneiden und dazugeben, den Herd abdrehen, Deckel drauf und ca. 15 Minuten ziehen lassen. In der Zwischenzeit können Sie sich ganz entspannt Ihrer Morgentoilette widmen. Zum Schluss gehackte Mandeln darüberstreuen, mit Agavensirup, einem Schuss Schlagobers oder Ghee abschmecken und genießen!

So, das war’s für heute mit den fernöstlichen Weisheiten. ;-) Schauen Sie gerne wieder vorbei und erfahren Sie beim nächsten Mal wertvolle Ernährungs-Tipps & Tricks für die warme Jahreszeit. Ich freue mich - bis bald!

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