Autor

Dr. Rosa Aspalter

Wann gehen Sie ins Spital?

Dr. Rosa Aspalter
Dr. Rosa Aspalter ist Bloggerin bei gesund.at. (Agnes Stadlmann)
Was mich immer wieder an Patienten staunen lässt, sind die extrem unterschiedlichen Toleranzschwellen. Während der eine sich Sorgen bei einer fast normalen körperlichen Reaktion macht, bleibt der andere auch noch "mit einem Bein" gelassen, dies eher sprichwörtlich gemeint, gelegentlich aber sogar wörtlich genommen.

Da gibt es Menschen, die gehen mit einem kleinen Küchenmesserschnitt am Finger in die chirurgische Ambulanz. (Um der Dramatik der Situation gerecht zu werden, haben wir solchen Patienten grundsätzlich einen Riesenverband mit Finger- und Unterarmschiene angelegt.) Andere haben sichtbare Hauttumoren, so groß wie Pobacken und gehen damit erstmalig zum Arzt. Das Spektrum ist da in alle Richtungen offen.

Versteckte Geheimnisse

Ein Ehemann verbietet des längeren seiner Frau, zu ihm ins Badezimmer zu kommen wenn er sich badet, duscht oder eben sonst sich hegt und pflegt. Sie fand offenbar keine Möglichkeit, ihm zu entlocken, was da so geheim ist. Bis er eines Tages mit blutigem Hemd am Tisch saß. Sie ließ sich nicht mehr abwehren, schaute nach und fand einen großen, blutenden Hauttumor an der Brust, der sich als Melanom heraus stellte. Der Mann verstarb wenige Monate später trotz Operation und Chemotherapie.

Ein weiterer Ehemann erhält von seinem Hausarzt die Diagnose "Herzinfarkt". Er will sich aber nicht direkt von der Praxis mit der Rettung ins Spital bringen lassen, da er noch ein "paar Dinge" zu erledigen hätte. Er verspricht aber, noch am selben Tag das Spital aufzusuchen. Das (ländliche) Spital hat sicher schon viel gesehen, staunt aber nicht schlecht, als der Patient mit Herzinfarkt eigenhändig (und eigenfüßig) mit dem Traktor anreist.  

Es mag sicher nicht einfach sein, die Gratwanderung zwischen zu sehr und zu wenig sensibel zu sein zu schaffen und Veränderungen auch zu bemerken. Aber Veränderung gehört nun auch mal zum Leben. Der Blutdruck und die Herzfrequenz müssen sich anpassen können, um Situationen mit null und auch solche mit hohen Leistungsanforderungen bewältigen zu können. Auch Schwitzen und schneller atmen gehört da manchmal dazu.

Warum es besser ist zum Arzt zu gehen

Wenn Sie aber zuvor die vier Stockwerke bis zu Ihrer Wohnung ohne Probleme schafften, und nun in jedem Stock eine Pause einlegen müssen, dann ist das vermutlich mehr als nur eine "Anpassungsreaktion". Dann ist es angebracht, einen Arzt aufzusuchen. Und wie das Beispiel oben zeigt: Oft liegt das Problem nicht darin, dass die Dinge zu subtil und damit zu schwer auseinanderzuhalten seien, sondern, dass vor dem ganz "offensichtlichen" die Augen zugemacht werden. Bitte, wenn Sie etwas Auffälliges buchstäblich "sehen" - ab damit zum Arzt!

Weiterführende Informationen

Kommentare

Um einen Kommentar zu erstellen, müssen Sie angemeldet sein

Noch keine Kommentare

Mehr zum Thema