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Dr. Rosa Aspalter

"Sie sind zu dick!"

Dr. Rosa Aspalter
Dr. Rosa Aspalter ist Bloggerin bei gesund.at. (Agnes Stadlmann)
Wie sage ich dem Patienten, dass er zu dick ist? gesund.at-Bloggerin Dr. Rosa Aspalter schreibt in dieser Woche über die Kommunikation mit ihren Patienten.

Wie sage ich es dem Patienten? Das Spektrum ist weit. Die einen Dottores sagen gar nichts, die anderen sagen es bei jeder Gelegenheit. Dass man zu dick ist nämlich. Und hin und wieder auch auf sehr unpassende Weise. Wie etwa jener Kollege, der zu einer jungen Patientin mit 170 cm Körpergröße und 58 kg sagte, sie sei aber dick! Ich beobachtete die Frau länger. Sie war echt verzweifelt. Und auch die vielen Tipps ihrer Freunde, sie möge das doch nicht so ernst nehmen, der Arzt habe das sicher ironisch gemeint, halfen nichts. "Aber er ist doch Arzt! Er muss es doch wissen!" Na, schöne Bescherung!

Soll ich überhaupt etwas sagen?

Was aber, wenn es wirklich zutrifft? Wie sage ich es dann tatsächlich den Patienten? Sage ich überhaupt was? Laut einer Online-Umfrage sprechen 70 % der Ärzte das Thema Übergewicht direkt im Gespräch mit dem Patienten an. Meist geschieht dies in der Form: "Sie sollten abnehmen! Ansonsten werden Sie bald einen Herzinfarkt (Schlaganfall etc.) erleiden". Und dann folgen ein paar Abnehmtipps.

Schockmethode: "Sie werden sterben, wenn.."

Kennen Sie den Cartoon, wo ein Mann mit Bierbauch vor dem Spiegel steht und im Spiegel einen Adonis sieht? Daneben steht eine schlanke Frau und sieht in ihrem Spiegel eine überfette Gestalt. Da bedarf es doch manchmal gewisser Korrekturen á la "Herr Maier, hier haben Sie das Rezept für den Blutfettsenker und neben der Apotheke ist ein Textiliengeschäft. Vielleicht besorgen Sie sich da auch ein paar Reserveknöpfe in der passenden Farbe zu Ihrem Sakko?" Von einer Internistin habe ich gehört, dass sie zu einem etwa 50-jährigen Manager so nebenbei sagte: "Ihre Kinder werden Sie nicht alt werden sehen!" Auch Sprüche wie: "Sie werden nicht mehr lange leben" soll es geben.

Aber auch humorvolle und schlagfertige Patienten gibt es, die mit altbekannten Zitaten entgegnen, wie etwa: "Frau Doktor, Friedrich der Große hat doch gesagt: "Hunde, wollt Ihr ewig leben?'" In der Tat macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein 40-jähriger erhöhte Blutfette hat oder ein 80-jähriger.

Brauchen Sie jemand der es Ihnen sagt?

Viele sagen auch ganz direkt: "Ich brauche jemanden, der es mir so richtig sagt!" Ich habe mich mehrmals gefragt, was Menschen, die so etwas sagen, wirklich hören möchten? Dass sie schlimm sind? Taugenichtse? Versager? Wohl kaum! Dass es wirklich an der Zeit ist, also die Konsequenzen drastisch vor Augen geführt haben möchten? In jedem Fall denke ich, drücken solche Patienten damit aus, dass sie nicht mehr hören müssen, was sie zu tun haben. Und ich meine, sie drücken damit auch aus, dass sie ja "möchten". Was Ihnen noch fehlt, ist der Anstoß, das auch umzusetzen.

Und hier helfen leider keine guten Tipps. Hier hilft es, das Vorhaben, das oft riesengroß und fast unbewältigbar erscheint, in kleine Schritte zu teilen und einmal eine einzelne Veränderung zu vereinbaren, die auch wirklich eingehalten werden kann. Damit ist zumindest das stete Breitenwachstum unterbunden und das hat mit ziemlicher Sicherheit bereits Auswirkungen auf der Waage und auch auf den Laborbefund.

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