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Dr. Rosa Aspalter

Magere Aussichten

Dr. Rosa Aspalter ist Bloggerin bei gesund.at. (Agnes Stadlmann)
Medikamente beim Abnehmen: gesund.at-Bloggerin Dr. Rosa Aspalter schreibt in dieser Woche über den medikamentösen Schein.

So oft werde ich von Patienten gefragt, ob ich nicht ein Medikament zum Abnehmen verschreiben könne. Und ganz ungläubig und traurig sehen sie mich an, wenn ich sage, dass es da keines gibt. Zumindest nicht das, was Sie sich vorstellen: Eines, das die Kilos einfach nur so zum Schmelzen bringt und natürlich keinerlei Nebenwirkungen hat. Gerade gibt es da 2 aktuelle Beispiele aus den USA. 2 Präparate wurden da zugelassen und als neu und revolutionär angepriesen. Nun, zum Aspekt des Neuen: Eines der beiden Präparate enthält einen alten, schon lange verbotenen Appetitzügler. Verboten auf Grund ernsthafter Nebenwirkungen.

Lifestyleänderungen

Und wie sieht es mit dem Gewichtsverlust aus? In 1-Jahres-Studien wurde den Teilnehmern eine "Lifestyleänderung" verpasst. Eine Gruppe erhielt "nur" die Lifestyleänderung, die 2. Gruppe erhielt jeweils eines der "neuen" Abnehmpräparate dazu. Es zeigte sich, dass diese Wirkstoffe zusätzlich zu einer kalorienreduzierten Kost und Bewegung den Gewichtsverlust um 3 bzw. 7 % steigerten.

Man muss sich den Effekt einmal wirklich plastisch vor Augen halten. Nimmt also jemand 10 % seines Körpergewichtes ab, also etwa von 100 kg auf 90 kg, wird durch die gleichzeitige Einnahme dieser Medikamente der Gewichtsverlust auf 10,3 bzw. 10,7 kg erhöht. Der medikamentöse Effekt also: 0,3 bis 0,7 Kilogramm. Nicht gerade berauschend, würde ich meinen. Man kann es auch anders ausdrücken: über 90 % der verzeichneten Gewichtsreduktion in diesen Studien kam durch Änderung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens zustande. Und nur ein kleiner Teil der Gewichtsreduktion wurde durch das Medikament bewirkt!

Nebenwirkungen

Was sind aber nun die Nebenwirkungen? In den Produktbeschreibungen wird vor Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsproblemen, Sprachproblemen und Depression gewarnt. Weiters können Herzklappenveränderungen, metabolische Acidose (eine lebensgefährliche Verschiebung des pH-Wertes des Blutes), Angstzustände, Herzrasen, Blutdruckanstieg, Schlaflosigkeit, Einschränkung der Nierenfunktion auftreten. Aufgrund dieser zahlreichen ernsten Nebenwirkungen wurde auch die Zulassung von den europäischen Behörden abgelehnt, bzw. die Einreichung vom Hersteller selbst wieder zurück gezogen.

Die Auswahl an verschreibbaren Medikamenten zur Unterstützung der Gewichtsabnahme ist also definitiv mager und dürfte es auch in der nächsten Zeit bleiben. Angesichts der geringen Effekte und der schweren Nebenwirkungen ist das aber keine Katastrophe.

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