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Dr. Rosa Aspalter

Das Internet und der Arzt

Dr. Rosa Aspalter ist Bloggerin bei gesund.at (Agnes Stadlmann)
Gesundheit aus dem Internet: Die gesund.at-Bloggerin Dr. Rosa Aspalter bloggt in dieser Woche über selbstständige, informierte Patienten.

"Das haben Sie wohl im Internet gelesen!" - Kennen Sie auch solche Schimpfe von Ihrem Arzt? Zugegeben: Für manche Ärzte mag es schwer sein, wenn nun mehr und mehr Patienten mit Ausdrucken aus dem Internet oder auch Zeitungen kommen, und bereits wissen, welche Untersuchungen oder Therapien sie benötigen, aber meine Ansicht dazu ist: Pech gehabt! Wir sind nun einmal in einem Informationszeitalter angekommen. So, what?

Der selbstständige Patient

Darf ich Ihnen etwas verraten: Patienten, die sich selbstständig informieren, sind mir lieber als alles andere! Selbstständigen Patienten muss man auch noch einiges erklären, aber nicht mehr die Basics, etwa, was der Unterschied zwischen einer Gallenblase und einer Harnblase ist. Selbstständige Patienten möchten nicht alles mit Tabletten erledigen, sondern sind eher bemüht, auch den Lebensstil anzupassen. Selbständigen Patienten fällt früher auf, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Sie tragen also dazu bei, Nebenwirkungen und sogar Behandlungsfehler zu vermeiden! Also, meine Arbeitszufriedenheit steigt jedenfalls mit dem Anteil mündiger Patienten.

Wie ich mit dem Zeitproblem umginge, die vielen Fragen, mit denen die online-aufgeklärten Patienten kämen, zu beantworten, wurde ich vor kurzem gefragt. Die Antwort ist ziemlich einfach: Ich sage das, was das Internet nicht bieten kann. Ich interpretiere die Information aus dem Internet im Hinblick auf die einzelne Patientin bzw. den einzelnen Patienten. Das Internet kann die Liste an möglichen Symptomen einer Erkrankung oder sämtliche möglichen und fast unmöglichen Nebenwirkungen eines Medikamentes auflisten. Wie wahrscheinlich es aber genau in dem einzelnen Fall ist, und ob das "Muskelzucken" tatsächlich schon die "Muskelschädigung" ist, von der im Internet zu lesen war oder einfach nur gerade ein wenig aufgeregte neuronale Aktivität, das kann das Internet nicht leisten. Und wissen Sie was? Es geht oft erstaunlich schnell, das zu erklären. Und die Patienten sind dankbar!

Was wir also benötigen, sind nicht Ärzte, die im Gegensatz zum bösen World Wide Web alles besser und richtig(er) machen, sondern Ärzte, die in der Lage sind, die Information daraus für den einzelnen auch zu integrieren und damit erst wirklich nützlich zu machen.

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