So fördert Zweisprachigkeit die Gehirnleistung

So fördert Zweisprachigkeit die Gehirnleistung: Close-Up eines Mundes mit Buchstaben rundherum
Zweisprachigkeit führt zu besserer Gehirnleistung. (ra2 studio - Fotolia.com)
Menschen, die zwei Sprachen sprechen haben ein besonders gut trainiertes Gehirn. Das fanden US-amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie heraus.

Zweisprachigkeit hat eine ähnliche Wirkung wie Gehirnjogging in Form von Kreuzworträtseln oder Sudoku. Gibt es nämlich ein doppelt vorhandenes Wortvokabular im Gedächtnis, muss das Gehirn zwangsweise zweifach Richtiges auswählen und Falsches unterdrücken. Die Wissenschafter untersuchten die Gehirnaktivität von 17 Spanisch-Englisch und im Vergleich dazu nur Englisch sprechenden Personen mithilfe eines fMRTs (funktionelle Magnetresonanztomographie) und erkannten deutliche Unterschiede in der Verwendung von Gehirnarealen.

Zweisprachige müssen doppelt selektieren

Das menschliche Gehirn funktioniert vereinfacht gesagt wie die Wörterbuch-Funktion im Handy beim Schreiben einer SMS: Hören wir die ersten Silben eines Wortes, sucht unser Denkorgan alle Begriffe automatisch heraus, die infrage kommen.

Nehmen wir z.B. "Hu…" wahr, bereitet das Gehirn "Hund", "Hut", "hundert" etc. vor. Haben wir das ganze Wort gehört, werden alle falschen Alternativen unterdrückt. Das Gehirn von bilingual (zweisprachig) lebenden Menschen muss diesen Selektionsprozess doppelt erledigen, also die unpassenden Worte zweier Sprachen unterdrücken.

Untersuchung mittels fMRT

Was dieser Zwang zur doppelten Wortselektion für Auswirkungen auf die Gehirnaktivität hat, wollten die Forscher der Northwestern University in Evanston herausfinden. Sie "rekrutierten" 17 Spanisch-Englisch sprechende Studienteilnehmer und verglichen deren Gehirne mit denen von 18 Personen, die "nur" Englisch konnten. Während dem fMRT absolvierten die Probanden verschiedene Sprachübungen.

Die Unterschiede waren hinsichtlich der Aktivierung von Hirnarealen beträchtlich: Die Gehirne der Zweisprachigen mussten viel weniger Aufwand zur Unterdrückung falscher Wortalternativen betreiben, als die der Einsprachigen. Grund ist laut den Forschern, dass die bilingualen Teilnehmer mehr Übung in diesem Selektionsprozess haben. Das regelmäßige Hören und Sprechen zweier verschiedener Sprachen dürfte sich demnach wie eine Art Gehirnjogging auswirken und die kognitive Leistung verbessern.

Zweisprachigkeit und Auswirkungen auf Alzheimer

Besonders erstaunlich: Betroffene von der Demenzerkrankung Alzheimer, die zweisprachig sind, zeigen später erste Symptome der Erkrankung als Einsprachige. Die Gehirne bilingulaer Menschen haben mehr Ressourcen, um die neurologischen Schäden länger auszugleichen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
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