Zecken - Die wichtigsten Fragen und Antworten

Zeck auf Haut, Umkreis ist gerötet.
Zecken können Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) als auch der Borreliose sein. (Smileus - Fotolia.com)

Der Frühling ist da und somit sind auch die Zecken wieder aktiv, sie bevölkern in Scharen auch städtische Wiesen und Parks. Die winzigen Spinnentiere sind Überträger der gefährlichen Krankheiten FSME und Lyme-Borreliose.

Eine Impfung ist der einzig wirkungsvolle Schutz gegen FSME, bei Borreliose muss nach ersten Krankheitsanzeichen ("Wanderröte") schnell gehandelt werden - Impfung gibt es keine. Zecken wittern ihren Wirt über den Geruchssinn und warten auf Grashalmen, Büschen und Co ab, bis Mensch oder Tier sie "mitnehmen". Wie eine festgesaugte Zecke richtig entfernt wird, wie man sich abgesehen von der Impfung vor den Blutsaugern schützen kann und wann man nach einem Zeckenstich besser zum Arzt sollte.

Frage 1: Was ist eine Zecke?

Die Zecke oder der gemeine Holzbock gehört zu den Spinnentieren. Sie schlüpft als 0,5 mm große 6-beinigen Larve, entwickelt sich zum Stadium der 8-beinigen Nymphe und misst ausgewachsen schließlich 2,5 bis 3 mm. Zecken sind Blutsauger und lauern ihrem Wirt, also Mensch oder Tier, auf Sträuchern und Grashalmen auf. "Riechen" sie mit ihren Vorderbeinen Schweiß von Warmblütern - also von Mensch oder Tier - lassen sie sich von ihrem Versteck aus vom Wirt "mitnehmen" (z.B. mit dem Bein vom Grashalm abstreifen), suchen nach einer möglichst geschützten und gut durchbluteten Stelle und saugen sich fest. Neben dem menschlichen Geruch nehmen sie auch Erschütterungen des Bodens war, die der Mensch beim Gehen auslöst und begeben sich dann in "Angriffsstellung". Zecken haben keine Augen und müssen sich daher auf all ihre anderen Sinne verlassen.

Frage 2: Wann ist Zeckenzeit?

Zecken haben in etwa von März bis Oktober Hochsaison, ihr Vorkommen variiert jedoch nach Wetterlage. So können Zecken auch schon in einem besonders warmen Februar auftreten oder in einem noch wenig herbstlichen November aktiv sein. Milde Winter - wie in diesem Jahr - lassen außerdem mehr Zecken überleben. Je wärmer die Wintermonate, desto größer ist die Population und desto rascher werden die Spinnentiere wieder aktiv.

Frage 3: Wo lauert die Zecke?

Es ist ein Irrglaube, dass Zecken sich von Bäumen aus auf den Menschen fallen lassen. Sie warten in Bodennähe auf ihre "Beute". Zecken fühlen sich an schattigen und windgeschützten Stellen mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit am wohlsten. Solche Orte sind z.B. Übergangsbereiche zwischen Wald und Wiese. Dort sitzen sie auf Gräsern, im Unterholz und in Büschen. Am liebsten haben Zecken eine Luftfeuchtigkeit von über 75 %, Sonneneinstrahlung vertragen sie hingegen nicht gut. Zecken kommen aber auch in Gebieten vor, die eigentlich untypisch für sie sind, wie z.B. Gebirgshöhe von bis zu 1250 m. Hauptsächlich gibt es sie aber in Wäldern, städtischen Wiesen, Parks und Gärten. Ein Zeckenstich ist schmerzlos, da die Zecke ein natürliches Betäubungsmittel in ihrem Speichel hat, das sie beim Stich in die Haut injiziert. Beim Blutsaugen pumpt sie potenzielle Krankheitserreger in ihren Wirt.

Frage 4: Wie entferne ich eine Zecke richtig?

Entdecken Sie an einer Körperstelle eine festgesaugte Zecke, ist es ratsam, diese möglichst rasch zu entfernen. FSME-Viren werden nach dem Stich nämlich sofort an den menschlichen Körper weitergegeben. Bei Borrelien dauert die Übertragung 24 bis 36 Stunden. Bestenfalls werden Zecken mit einer Pinzette so knapp als möglich vor der Haut an den Beißwerkzeugen gepackt und gerade nach oben entfernt. Dabei sollte die Zecke als Ganze aus der Haut gezogen werden. Zerquetschen Sie dabei nicht den Körper der Zecke - wenn das Blut schon im Darm der Zecke angelangt ist, gelangen die Körperflüssigkeiten des Tieres vermischt mit dem Blut zurück in die Wunde und die Gefahr für eine Infektion steigt. Bleibt außerdem der Kopf stecken, kann sich die Haut um den Einstich entzünden. Nach dem Entfernen ist es wichtig, die Wunde zu desinfizieren und sich im Anschluss gründlich die Hände zu waschen.

Frage 5: Welche Krankheiten überträgt die Zecke?

Zecken können Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) als auch der Borreliose sein. Borreliose oder auch Lyme-Disease wird durch Bakterien (spiralförmige Borrelien) und FSME durch Viren verursacht. Sie übertragen die Krankheitserreger mit ihrem Speichel. Borreliose kommt weit häufiger vor als FSME. Gegen FSME gibt es eine schützende Impfung, zu der in der Österreichischen Impfempfehlung dringend geraten wird. Zecken können auch Rickettsien in sich tragen, Bakterien, die unter anderem das Zeckenbissfieber übertragen. In Österreich kommt dies zwar nicht vor, für Urlauber in den USA, Japan, Indien, Australien und am Mittelmeer spielt es jedoch eine Rolle.

Frage 6: Wie verläuft die Borreliose?

Der Verlauf der Borreliose wird in Früh- und Spätstadium und in chronisches Stadium unterteilt. Ein erstes typisches Anzeichen für Borreliose ist ein roter Hautausschlag um den Zeckenstich (Erythema migrans oder Wanderröte), der sich von dort aus nach außen hin ausbreitet. In 50 % der Fälle treten aber kein Erythema migrans auf. Die Hautrötung kann brennen oder jucken, kann aber auch symptomlos bleiben. Im Frühstadium, also vor der Streuung der Erreger, kann die Borreliose noch gut mit Antibiotika behandelt werden. Deswegen ist eine rasche Diagnose und Therapie besonders wichtig. Wird eine Behandlung mit Antibiotika verabsäumt, verteilen sich die Erreger im Körper - dann spricht man vom Spätstadium der Borreliose. Wenn 6 Monate nach der Infektion mit Borrelien noch immer Symptome auftreten, spricht man vom chronischen Stadium der Lyme-Disease.

Trotz einer Antibiotika-Therapie kann es vorkommen, dass eine Borrelien-Infektion eine Reihe an gesundheitlichen Beschwerden nach sich zieht. Muskelbeschwerden, Beeinträchtigungen der Psyche, neurologische und Herz-Kreislauf-Beschwerden, Gelenkentzündungen, Hauterkrankungen und Augenprobleme sind möglich.

Gegen Borreliose gibt es keine Vorsorgemaßnahmen. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig gegen FSME impfen zu lassen, da zumindest in diesem Fall das Erkrankungsrisiko kontrolliert werden kann.

Frage 7: Wie verläuft FSME?

Die ersten Symptome der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ähneln zunächst einer Sommergrippe mit Kopfschmerzen, Fieber und gelegentlich auch Bauchschmerzen. Nach kurzer Besserung der Beschwerden folgt die zweite Phase der Erkrankung, das Fieber steigt wieder. Bei 50 % aller Patienten entwickelt sich eine Gehirnhautentzündung (Meningitis), in 40 % der Fälle eine Gehirnentzündung (Meningoenzephaltits) und bei 10 % eine Rückenmarksentzündung (Meningoenzephalomyeltitis). Sehr selten tritt bei FSME nur Fieber auf. Die Patienten bekommen Bewusstseins-, Schluck-, Sprach- und Empfindungsstörungen. Auch Atemlähmungen können vorkommen. Die Therapie ist langwierig, viele Patienten haben lange mit Folgen der Erkrankung zu kämpfen: 30 bis 40 % aller Erkrankten benötigen jahrelange Rehabilitation. Unbehandelt kann FSME auch zum Tod führen.

Frage 8: Wie kann ich mich vor Zecken schützen?

Gegen FSME kann man sich ausschließlich durch die Impfung schützen, die in etwa alle 5 Jahre aufgefrischt werden sollte. Wann die nächste Impfung fällig ist, ist im Impfpass ersichtlich. Haben Sie den Impfpass verloren bzw. wissen Sie nicht mehr, ob der Schutz noch wirkt, können Sie beim Arzt eine Titer-Kontrolle durchführen lassen.

Der Schutz vor Borreliose gestaltet sich schwieriger. Vor der Infektion mit Borrelien kann man sich nur schützen, indem man einen Zeckenstich vermeidet. Entfernt man die Zecke aber innerhalb eines Tages nach dem Stich, kann eine Erkrankung vermieden werden, da es 24 bis 36 Stunden braucht, bis Empfehlenswert ist:

  • Kleidung: Das Tragen von langen Hosen und festem Schuhwerk bei Aufenthalt in der Natur.
  • Duschen: Kleidung schützt nur bedingt, deshalb ist es wichtig, nach längeren Aufenthalten im Freien gründlich zu duschen und den Körper auf Zecken zu untersuchen.
  • Kletterhöhe der Zecken: Zecken können nicht höher als 1,50 Meter klettern. Kinder haben demnach die meisten Zecken am Kopf, Erwachsene an tiefer gelegenen Körperregionen. Kinder sollten deshalb vor allem auf der Kopfhaut gründlich auf Zecken kontrolliert werden.
  • Zeckenprävention: Der Handel bietet unterschiedliche Mittel für die Haut an, die Zecken fernhalten sollen. Halten Sie sich für längere Zeit in der Natur auf, kann ein Einschmieren oder Besprühen sinnvoll sein. Einen natürlichen Geruch, den Zecken nicht leiden können, ist der der Kokosfettsäuren.

Frage 9: Wann sollte ich nach einem Zeckenstich zum Arzt?

Sie sollten nach einem Zeckenstich zum Arzt, wenn:

  • Sie einen Zeckenstich bemerken und Sie sich danach körperlich nicht wohl fühlen (eventuell Kopfschmerzen, Fieber etc.)
  • Sich die Haut um den Zeckenstich entzündet
  • Sich die für Lyme-Borreliose typische "Wanderröte" um den Stich zeigt.
  • Sie Anzeichen einer Grippe haben und kürzlich einen Zeckenstich hatten; erwähnen Sie beim Arztbesuch unbedingt den Zeckenstich, um eventuelle Fehldiagnosen und damit verlorene Zeit für die Behandlung zu vermeiden.

Frage 10: Wo in Europa besteht FSME-Gefahr?

Das FSME-Risiko ist in diesen europäischen Ländern besonders hoch, eine Zeckenimpfung ist dort daher unerlässlich:

  • Estland
  • Lettland
  • Litauen
  • Russland
  • Österreich
  • Deutschland
  • Kroatien
  • Polen
  • Tschechien
  • Slowakei
  • Schweden
  • Schweiz
  • Finnland
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Florian Thalhammer

1. stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien - AKH Wien

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten & Tropenmedizin (ÖGIT)

Quellen

Mehr zum Thema