So hilft der Patientenanwalt

Patientenanwalt: Ein Stethoskop wird als Lesezeichen verwendet; daneben liegt ein Richterhammer.
Der Patientenanwalt steht seinen Klienten bei rechtlichen Fragen zur Seite. (Gina Sanders - Fotolia.com)
Ein Patientenanwalt erteilt fachliche Auskünfte und bietet Unterstützung bei Patientenbeschwerden und Behandlungsfehlern.

Derartige gesetzlich verankerte Servicestellen gibt es in jedem Bundesland, wo sie entweder als Patientenanwaltschaft oder Patientenvertretung bezeichnet werden. Sie sind unabhängig, weisungsfrei und agieren völlig eigenständig. Die Beratung und Unterstützung ist kostenlos. Patientenanwälte zeigen auch Mängel im Gesundheitswesen auf und erarbeiten Vorschläge zur Verbesserung.

Funktionen im Gesundheitswesen

Ein Patientenanwalt agiert gewissermaßen als Ombudsmann…

  • ...für Bürger: Wenn sich Patienten von Institutionen im Gesundheitswesen ungerecht behandelt fühlen, können ihnen Patientenanwälte zu ihrem Recht verhelfen. Dies kommt vor allem jenen zugute, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend Gehör verschaffen können.
  • …in Streitfragen: Patientenanwälte tragen dazu bei, dass der Konflikt Patient-Gesundheitseinrichtung nicht eskaliert und dass eine gütliche (außergerichtliche) Einigung möglich wird.
  • …für die Verfechtung der Rechte im Gesundheitswesen: Sie beraten Patienten bezüglich ihrer Rechte bei Gesundheitseinrichtungen.
  • …in Serviceleistungen: Abhängig vom jeweiligen Bundesland erbringen die verschiedenen Patientenanwaltschaften außerdem noch zusätzliche Dienstleistungen, wie die Beratung und Unterstützung für pflegebedürftige Menschen bei der Wahrung ihrer Rechte und Interessen gegenüber einer Pflegeeinrichtung oder Hilfe bei der Erstellung einer Patientenverfügung.
  • …und Ratgeber für das Gesundheitswesen: Für Gesundheitseinrichtungen erfüllen sie außerdem eine wichtige Ratgeberfunktion, da sie Mängel in Krankenanstalten oder Pflegeeinrichtungen aufzeigen und Verbesserungsvorschläge einbringen. Sie geben Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen ab und sind eng im heimischen Gesundheitswesen vernetzt (z.B. mit Selbsthilfegruppen, Sozialversicherungen, Gesundheitseinrichtungen,…).

Verdacht auf Behandlungsfehler

Einer der wichtigsten Anlässe, bei welchem Sie von der Patientenanwaltschaft Unterstützung erfahren, ist ein möglicher Behandlungsfehler - beispielsweise während eines stationären Aufenthaltes in einem Spital. Wenn Sie der Meinung sind, dass bei Ihnen im Zuge einer medizinischen Behandlung ein solcher Fehler passiert ist und Sie aufgrund dessen einen Gesundheitsschaden erlitten haben, können Sie sich an den zuständigen Patientenanwalt wenden - dasselbe gilt auch für den Fall, dass dies einem Angehörigen passiert ist: Dort wird der Fall genau geprüft, ohne dass für Sie Kosten entstehen. Diese Prüfung umfasst unter anderem das Einholen von Stellungnahmen und Unterlagen wie Krankengeschichte, Befunde, Röntgenbilder oder unabhängiger Gutachten. Sollten sich im Laufe dieser Prüfung Anhaltspunkte ergeben, dass die medizinische Versorgung tatsächlich fehlerhaft war, berät Sie die Patientenanwaltschaft über Ihre Möglichkeiten zur weiteren Vorgangsweise und bemüht sich um eine entsprechende Entschädigung.

Beschwerden von Patienten

Bei vielen Fällen, in denen Patientenanwälte aktiv werden, handelt es sich nicht um tatsächliche Behandlungsfehler (im rechtlichen Sinne). Meist geht es um Beschwerden über schlechte Behandlung in einem Spital oder um Konflikte und Meinungsverschiedenheiten zwischen Patient und Arzt bzw. Gesundheitseinrichtung. In solchen Situationen ist es für Sie als Patienten oft nicht möglich, Ihre Rechte geltend zu machen oder Ihren Standpunkt zu vertreten, weil Sie sich in einer schlechten Ausgangsposition gegenüber der Gegenpartei befinden: Sie stehen allein einem System von erfahrenen Experten gegenüber. In diesen Situationen stehen Ihnen Patientenanwälte als kompetente Partner zur Seite, sodass der Konflikt quasi auf Augenhöhe ausgetragen wird.

Außergerichtliche Einigung

Prinzipiell versuchen Patientenanwaltschaften, die Lösung eines Konfliktes außergerichtlich herbeizuführen - allerdings nur dann, wenn der Patient dies auch möchte. Patientenanwälte sind nicht berechtigt, Sie bei Streitigkeiten vor Gericht zu vertreten, sie übernehmen aber auf Wunsch die außergerichtliche Schadensregulierung: Sie organisieren beispielsweise Schlichtungsgespräche zwischen dem Patienten und der Gegenpartei (Ärzte, Pflegepersonal,…). Wenn es Hinweise auf einen Behandlungsfehler gibt, verhandeln sie mit der Trägerorganisation der betreffenden Krankenanstalt oder den zuständigen Haft- und Pflichtversicherungen über eine angemessene Lösung. Das kann eine finanzielle Entschädigung sein, in gewissen Fällen aber auchein Haftungsanerkenntnis für Spät- und Dauerfolgen.

Ein großer Vorteil für den Patienten liegt in dem Umstand, dass er eine ausführliche Beratung über seine Möglichkeiten und Aussichten in dem entsprechenden Konflikt erhält. Dadurch kann man Gerichtsverfahren, die keinerlei Erfolg versprechen, von vornherein vermeiden.

Zuständigkeitsbereich der Patientenanwaltschaften

Jede Patientenanwaltschaft ist für die Krankenanstalten in ihrem Bundesland zuständig. Für Sie als Patient bedeutet dies: Im Falle eines Konfliktes müssen Sie sich an diejenige Patientenanwaltschaft wenden, in deren Bundesland die Krankenanstalt liegt, mit der Sie in Konflikt stehen.

Auch reicht die Zuständigkeit der Patientenanwaltschaften in vielen Bundesländern über den Spitalsbereich hinaus und umfasst beispielsweise niedergelassenen Ärzte, Pflegeheime oder andere Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen (siehe Tabelle).

Patientenanwälte und ihr Zuständigkeitsbereich

Bundesland

Spitäler

Pflegeheime

Niedergelassene Ärztinnen/Ärzte

Burgenland

x

x

x

Kärnten

x

 

x

Niederösterreich

x

x

x

Oberösterreich

x

x

 

Salzburg

x

x

x

Steiermark

x

x

x

Tirol

x

 

 

Vorarlberg 

x

x

x

Wien

x

x

x

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Tipps für Ihre Vorgehensweise

Sollten Sie der Meinung sein, dass Ihr Anliegen ein Fall für den Patientenanwalt ist, empfiehlt sich folgender Ablauf:

  1. Sie überprüfen, welche Patientenanwaltschaft (welches Bundesland) für Ihr Anliegen zuständig ist.
  2. Sie rufen die betreffende Website auf - zur Vorabinformation (siehe Adressen unter "Weiterführende Informationen").
  3. Sie kontaktieren die zuständige Patientenanwaltschaft telefonisch und tragen Ihr Anliegen vor.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Gerald Bachinger

NÖ PatientInnen- und Pflegeanwalt

www.patientenanwalt.com

Quellen

Mehr zum Thema