Der werdende Papa bei der Geburt

Partner bei der Geburt: Die Hände des Vaters und der Mutter halten ein Neugeborenes.
Nur ein gut vorbereiteter Partner vermittelt der Frau Sicherheit unter der Geburt. (inarik - Fotolia.com)
Wenn ihr Baby auf die Welt kommt, möchten das die meisten Paare heutzutage gemeinsam erleben. Es gilt mittlerweile als "normal", dass der Partner bei der Geburt dabei ist. Männer sollten sich davon aber nicht unter Druck setzen lassen.

Wenn ihr Baby auf die Welt kommt, möchten das die meisten Paare heutzutage gemeinsam erleben. Für manch einen ist die Anwesenheit im Kreißsaal einfach nichts: Nicht jeder kann Blut sehen, sich bei einer langen Geburt in Geduld üben oder die Schmerzen der Partnerin mittragen. Nur Männer, die wirklich damit umzugehen wissen, sind eine wertvolle Unterstützung für die werdende Mama. Ein gestresster, ängstlicher Mann ist keine Hilfe. Frauen sollten also akzeptieren, wenn ihr Partner lieber nicht bei der Geburt dabei sein möchte. Beschließen die werdenden Eltern aber gemeinsam, dass der werdende Papa bei der Entbindung dabei ist, sollten Männer einige Dinge beachten.

Vorbereitung auf die Geburt

Schon in der Schwangerschaft sollte der werdende Vater idealer Weise viel Interesse an seiner Frau und Vorfreude auf das Kind zeigen. So wird die Schwangerschaft zu einer der intensivsten Phasen in der Beziehung eines Paares. Das i-Tüpfelchen ist dann das gemeinsame Erleben der Geburt. Um auf dieses einmalige Erlebnis gut vorbereitet zu sein, sollten werdende Väter, die bei der Entbindung dabei sein möchten, am besten gemeinsam mit ihrer Partnerin den Geburtsvorbereitungskurs besuchen - oder sich zumindest Zeit für einen Partner- bzw. Männerabend nehmen, der von vielen Hebammen angeboten wird.

So erfahren Männer alles über den Ablauf und die Vorgänge bei der Geburt und welche Möglichkeiten der Partner hat, um seiner Frau im Wehenschmerz unterstützend zur Seite zu stehen. Zu wissen, was bei der Geburt passieren wird, beugt zudem unnötigen Ängsten und Sorgen vor. Selbst für den Fall, dass es zu einer PDA, einem Kaiserschnitt oder einer Entbindung per Saugglocke oder Zange kommt, sind Männer dann gewappnet und können ruhiger und souveräner mit solchen Situation umgehen. All das ist wichtig, damit sich die Frau bei der Entbindung nicht auch noch um die Verfassung ihres Mannes kümmern muss.

Kurzum: Nur ein gut vorbereiteter Partner vermittelt der Frau Sicherheit unter der Geburt. Sonst bleiben sie besser vor der Kreißsaaltür und kommen erst in der Sekunde rein, in der das Kind geboren wird. Wenn die Frau das akzeptieren kann, ist das für ein gelungenes Bonding der neuen Familie übrigens völlig ausreichend. Andersherum sollte auch der Mann akzeptieren, wenn die Frau die Geburt lieber alleine schaffen will. Denn manche Frauen halten die Geburt schlicht für Frauensache und haben lieber Mutter, Schwester oder die beste Freundin dabei. Andere wiederum wollen einfach nicht, dass ihr Partner sie in diesem Ausnahmezustand sieht. Über all ihre Wünsche, Befürchtungen und Gedanken sollten die werdenden Eltern rechtzeitig offen sprechen - denn auch das gehört unbedingt mit zu einer guten Geburtsvorbereitung!

Wie Männer ihre Partnerin bei der Geburt unterstützen können

Männer können sich bei der Geburt schnell hilflos und ohnmächtig fühlen. Um ihnen diese Gefühle zu nehmen, sollten sich werdende Väter eines von Anfang an klarmachen: Sie können nicht wirklich etwas machen bei der Geburt. Der gesamte Geburtsvorgang muss von der Frau alleine bewältigt werden - und selbstverständlich kann die Frau das auch. Die Natur hat es nun einmal so vorgesehen, dass Frauen die Kinder gebären. Das bedeutet aber keinesfalls, dass der Partner während der Geburt überflüssig ist. Das oberste Gebot lautet: Seien Sie einfach da, wenn sie zuvor mit ihrer Frau beschlossen haben, dass Sie ihr Kind gemeinsam auf der Welt begrüßen wollen. Die Hauptperson ist in diesen Stunden aber einzig und allein ihre Frau. Zeigen Sie Verständnis für ihre Gefühle. Die können von Hilfsbedürfnis über Angst, Wut, Verzweiflung und vieles mehr bis hin zu Abweisung dem Mann gegenüber reichen. Nehmen Sie das keinesfalls persönlich! Das kräftezehrende Ereignis Geburt ist ein Ausnahmezustand. In diesem können Sie die Frau je nach aufkommender Situation ganz verschieden unterstützen:

Interesse zeigen

Zuerst einmal sollten Männer Interesse zeigen an den vielen Situationen, zu denen es unter der Geburt kommen kann. Also nicht auf dem Mobiltelefon surfen, in Autozeitschriften blättern oder über die eigene Müdigkeit klagen. Ihr Job ist es, voll da zu sein und herauszufinden, was Ihrer Frau gerade hilft. Konzentrieren Sie sich also zu 100 % auf Ihre Frau. Desinteresse an ihrer Situation wirkt sich negativ auf die Frau aus und kann den Geburtsverlauf dadurch verlangsamen.

Eine Stütze sein

Kümmern Sie sich um die Bedürfnisse der Frau. Sie können durch Vieles dafür sorgen, dass sie sich wohl fühlt und den Wehenschmerz besser verarbeiten kann. Geben Sie ihr körperlichen und emotionalen Halt:

  • Bieten Sie ihr Erfrischungen an, wie Getränke oder ein feuchtes Tuch. Vielleicht mag sie auch etwas essen. Besorgen Sie ihr, worauf sie gerade Appetit hat, falls dem medizinisch nichts entgegen spricht. Fragen Sie danach einfach kurz die Hebamme oder den Arzt.
  • Machen Sie einen kleinen Spaziergang, um das Tiefertreten des Kindes in der Eröffnungsphase zu fördern. Stützen Sie die Frau aber unbedingt im Stehen bei der Verarbeitung der Wehen. Ermutigen Sie sie auch, verschiedene Geburtspositionen auszuprobieren und bleiben Sie dabei an Ihrer Seite. Der Mann sollte die Geburt in der Regel aus dem gleichen Blickwinkel wie die Frau erleben: Entbindet Sie im Liegen ist sein Platz am Kopfende des Bettes an ihrer Seite. Im Stehen oder Hocken stützt er sie von hinten. Selbst in die Badewanne bei einer Wassergeburt können Sie mit ins Becken steigen. Machen Sie Beckenkreisen gemeinsam, damit das Baby tiefer rutscht. All das bringt sie gemeinsam schneller ans Ziel, ihr Kind endlich in die Arme schließen zu können.
  • Verwöhnen Sie die Frau durch eine Massage des Lendenbereichs. Das lindert die Schmerzen. Oder machen Sie gemeinsam Entspannungsübungen.
  • Atmen Sie auch gemeinsam mit der Frau. Das hilft die Wehen besser zu verarbeiten. Besonders zu Beginn der Geburt haben viele Frauen noch Hemmungen, laut zu stöhnen. Nehmen Sie ihr die Scham, indem sie gemeinsam mit dem tiefen Laut "Aaaahhh" tönen. Das geht in den Bauch und hilft den Muttermund zu öffnen.
  • Spenden Sie der Frau liebevolle Zuwendung und schaffen Sie dadurch eine entspanntere Situation: Streicheln Sie sie, nehmen Sie sie in den Arm, trösten Sie sie, lenken Sie sie ab, wenn Verzweiflung hoch kommt.
  • Motivieren Sie die Frau auch. Signalisieren Sie Vertrauen in ihre Stärke. Sätze wie "Du schaffst das", "Der Muttermund ist schon fast auf" oder "Bald ist das Baby da" sind wichtig, um der Frau Mut zu machen und damit sie sich öffnet.
  • Präsenz ist der wertvollste Begleiter unter der Geburt und tatsächlich ist oft weniger mehr.
  • Sie können darauf vertrauen, dass Frauen in der Regel sehr gut spüren, ob und was sie brauchen. Jedes oft gut gemeinte Angebot, kann die Frau auch in ihrer Wehenarbeit stören.  

Sich zurücknehmen

Manche werdende Väter entdecken plötzlich Seiten an ihrer Partnerin, die sie vorher nicht gekannt haben. Denn nicht selten mischt sich Wut in den Wehenschmerz - und nicht selten müssen dann die Männer dran glauben. Vielleicht fährt Sie ihre Partnerin plötzlich an: "Lass mich mal in Ruhe", "Geh weg", "Warum tue ich mir das hier eigentlich an" oder "Ich will nicht mehr" sind klassische Sätze von Frauen unter der Geburt. Jetzt heißt es: Mann sei tapfer! Nimm es nicht persönlich und sei bloß nicht beleidigt! Gefühlskaltes Verhalten stellt dann nur eine zusätzliche emotionale Belastung für die Gebärdende dar. Lassen Sie kurz von Ihrer Frau ab, falls sie das wünscht, gehen Sie dann aber wieder liebevoll und verständnisvoll auf sie zu. Durch ablehnendes Verhalten des Partners kann der natürliche Geburtsablauf so gestört werden, dass es über Stunden nicht mehr weiter geht.

Nicht bevormunden

Auf der anderen Seite ist auch übertriebener Aktionismus des Partners unter der Geburt falsch. Selbst wenn es Ihnen schwer fällt, Ihre Partnerin leiden zu sehen, bevormunden Sie sie nicht! Lassen Sie die Frau entscheiden, ob sie Schmerzmittel haben möchte. Hüten Sie sich also vor Sätzen wie "Jetzt reiß dich mal zusammen!" oder "Andere schaffen das doch auch, Du brauchst noch keine Schmerzmittel". Genauso wenig sollten Sie die Ärzte anjammern, ihrer Frau doch endlich irgendwie die Schmerzen zu nehmen. Die Entscheidung über die Einnahme von Schmerzmitteln liegt einzig und allein bei der werdenden Mutter.

In der Regel fühlt sie schon, was sie schafft und braucht. Auch die Entscheidung für einen Kaiserschnitt wird die Frau gemeinsam mit Arzt und Hebamme treffen. Allerdings, wenn auch selten, kann es auch zu Situationen unter der Geburt kommen, in denen die werdende Mutter nicht mehr in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen. Darum sollten sich auch werdende Väter mit Geburtskomplikationen auseinandersetzen. Besprechen Sie am besten rechtzeitig vor dem Geburtstermin mit Ihrer Frau, wie sie handeln würde. So sind Sie darauf vorbereitet für den Fall der Fälle gute Entscheidungen gemeinsam mit dem Klinikpersonal zu treffen.

Ruhe bewahren

Selbst wenn keine Komplikationen eintreten: Bewahren Sie immer Ruhe! Eine Geburt ist lange, harte Arbeit. Werden Sie bloß nicht ungeduldig oder hektisch, wenn das Baby sehr lange auf sich warten lässt. Das überträgt sich auf die Frau und setzt sie unter Druck. Selbst wenn es für Sie nervlich zu viel wird, werden Sie keinesfalls laut oder aggressiv. All das wirkt sich negativ auf den natürlichen Geburtsverlauf aus und macht ihn nur noch länger. Verlassen Sie besser kurz den Kreißsaal und lassen Sie Dampf ab, bevor sie zurückkehren. Auch in jeder anderen Situation haben Geburtshelfer Verständnis dafür, wenn Männer sich mal kurz entfernen. Und die Frau in den Wehen sollte das ebenfalls verstehen. Das Klinikpersonal wird die Verfassung des Mannes auch stets aufmerksam im Auge haben. Wenn es dem Vater rät, kurz besser allein neue Kraft zu schöpfen, nehmen Sie das als gut gemeinten Rat hin, den Sie sich und ihrer Frau zuliebe befolgen. Allerdings ist es ein Mythos, dass Männer während der Geburt öfters umfallen - dazu ist ihr Adrenalinpegel viel zu hoch.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Hebamme

Johanna Sengschmid

Quellen

  • Das große Buch zur Schwangerschaft, Prof. Dr. med. Franz Kainer, Annette Nolden, Gräfe und Unzer, 7. Auflage, München, 2013
  • Schwangerschaft und Geburt, Birgit Gebauer-Sesterhenn, Dr. Med. Thomas Villinger, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2012
  • Die Hebammen-Sprechstunde, Ingeborg Stadelmann, Stadelmann Verlag, 8. korr. Auflage, Wiggensbach, 2005

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