Was ist Fructoseintoleranz?

gesicht im obst
Zuviel Fruchzucker kann Magen-Darmbeschwerden auslösen. (Piotr Marcinski - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Unverträglichkeiten

Fructoseintoleranz ist ein Verdauungsproblem, das in jedem Alter entstehen, mehr Frauen trifft und vorübergehend oder auch dauerhaft auftreten kann.

Trotz ähnlicher Beschwerden handelt es sich weder um eine Allergie, noch um eine Unverträglichkeit, sondern um das Unvermögen, Fruchtzucker zu verdauen, und ist oft mit einem Reizdarm-Syndrom gekoppelt.

Fruchtzucker (Fructose) ist in vielen Obst- und Gemüsesorten aber auch in Fertigprodukten und süßen Getränken enthalten, große Mengen können bei Empfindlichen Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall verursachen. Traubenzucker unterstützt beim Fructoseabbau. (jackfrog - Fotolia.com)

Fructose: Gestörter Abbau im Darm

Fructose wird im Dünndarm nicht oder nicht ausreichend abgebaut. Schuld daran ist das Transportprotein GLUT-5, das Fructose vom Dünndarm in den Blutkreislauf schleust. Gelangt nun zu viel Fruchtzucker mit der Nahrung in den Dünndarm, kann es kurzzeitig zu einer Überlastung des Transportsystems kommen. Dies passiert auch, wenn zu wenig GLUT-5 produziert wird bzw. wenn es gänzlich fehlt. Der Abtransport der Fructose ins Blut erfolgt dann gar nicht oder nur unvollständig.

Folgen der Fructoseintoleranz

Die Folgen: Der Fruchtzucker wandert unverdaut in den Dickdarm, wo ihn Bakterien bearbeiten. Bei diesen Prozessen kommt es zu typischen Symptomen wie Blähungen, Krämpfen, starken Bauchschmerzen und Durchfall.

Die Überforderung des Transportsystems kann vorübergehend auftreten - Sorbit etwa erschwert den Transport von Fructose - oder dauerhaft vorhanden sein.

Daher ist die Verträglichkeit von Fructose von Person zu Person unterschiedlich und muss individuell getestet und die Ernährung darauf abgestimmt werden. Sie hängt in erster Linie von der Menge und dem jeweiligen Lebensmittel ab.

Fructose: Die Menge entscheidet

Entscheidend für die Verträglichkeit ist nicht die absolute Menge an Fructose, die ein Nahrungsmittel enthält, sondern das Verhältnis von Fructose zu Glucose (Traubenzucker). Lebensmittel, deren Traubenzuckeranteil gleich hoch oder höher ist als der Fruchtzuckeranteil werden deutlich besser vertragen

Fructose ist u.a. in Früchten, Gemüse, Fruchtsäften, Honig, weißem Haushaltszucker, Soft Drinks, Fertig- und "Light"-Produkten, Süßigkeiten wie Kaugummis, Gummibären, aber auch in Milchprodukten und Müsli enthalten.

Fructoseintoleranz oder Fruchtzuckerunverträglichkeit?

Auch wenn beide Begriffe im Allgemeinen meist in einem Atemzug genannt werden: Genau genommen handelt es sich bei Fructoseintoleranz um eine (sehr seltene) angeborene Genmutation, die schon bei Säuglingen auftritt. Die Fructoseunverträglichkeit (Fructosemalabsorption) kommt sehr viel häufiger bei Erwachsenen vor,  dabei kommt es zu Beschwerden bei der unvollständigen Verdauung von Fruchtzucker.

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Christoph Gasché

Innere Medizin / Gastroenterologie & Hepatologie

Leiter des Christian Doppler Labors, Univ. Klinik für Innere Medizin III (AKH Wien) / Gründer und Leiter des Medizinischen Kompetenzzentrum Eisenmangel Loha for Life

Gesundheitskompass

Quellen

  • Ernährungsmedizin, H.K. Biesalski (Hrsg.) et.al., Thieme Verlag, 4. Auflage, Stuttgart 2010
  • Fruktosemalabsorption, M. Ledochowski et. al., In: Journal für Ernährungsmedizin 2, 2000, S. 10-14
  • Pressekonferenz: "Lebensmittelunverträglichkeiten auf dem Vormarsch" am 22.10.2009 in Wien

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