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Videodolmetschen für ein besseres Verstehen

Videodolmetschen für ein besseres Verstehen: Arzt und Patient am Tablet
Videodolmetschen: In unter 120 Sekunden kann sich ein Übersetzer einschalten, der auf die Weitergabe medizinischer Informationen spzialisiert ist. (Syda Productions - Fotolia.com)

Patienten, die nicht Deutsch sprechen oder eine Hörbehinderung haben, verstehen oft ihren behandelnden Arzt nicht. Ein neues Projekt des Bundesministeriums für Gesundheit übersetzt per Videodolmetschen wichtige Informationen für Patienten.

Wenn Patienten ihren Arzt aufgrund einer sprachlichen Barriere nicht oder nur teilweise verstehen, kann das Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben. Oft können sie eine Diagnose nicht verstehen oder es kommt zu Missverständnissen bezüglich der Therapie, z.B. der Einnahme von Medikamenten. Diese vermeidbare Fehlkommunikation führt dazu, dass Patienten nicht die optimale medizinische Versorgung erhalten. Das Videodolmetsch-Projekt soll die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessern.

Gute medizinische Behandlung auch ohne Deutsch

Das Pilotprojekt "Qualitätssicherung in der Versorgung nicht-deutschsprachlicher PatientenInnen" läuft seit Oktober 2013 mit großem Erfolg. In unter 120 Sekunden wird eine Verbindung zu einem Übersetzer hergestellt, der darauf spezialisiert ist, medizinische Informationen fachgerecht an den Patienten weiterzugeben.

Folgende Sprachen waren im Pilotprojekt abgedeckt:

  • Türkisch
  • Bosnisch
  • Kroatisch
  • Serbisch
  • Gebärdensprache

Von Patienten wurde das Projekt sofort so gut angenommen, sodass das Sprachangebot auf über 30 Sprachen erweitert wurde. Die 15 gängigsten können ohne Vorankündigung sofort in Anspruch genommen werden. Bei den restlichen kann es zu einer kurzen Wartezeit kommen, bis der Übersetzer zu Verfügung steht.

Freie Arztwahl unabhängig der Sprache

Durch die Videoübersetzung können Patienten ihren Arzt nun frei wählen, anstatt einen Arzt aufzusuchen, nur weil dieser die Muttersprache beherrscht. Das kann speziell in ländlichen Regionen mit wenigen Arztpraxen hilfreich sein, um weite Anreisen zu einem mehrsprachigen Arzt zu vermeiden.

Bislang wurden Patienten häufig zu dem Arztbesuch von ihren Familienangehörigen begleitet, die als "Laienübersetzter" die Aussagen des Arztes in der Muttersprache bzw. der Gebärdensprache widergaben. Das Projekt soll Begleitpersonen entlasten, die bisher die Rolle des Übersetzers einnehmen mussten. Das kann psychisch belastend sein, da eine große Verantwortung mit der richtigen Übersetzung einhergeht.

Menschen mit Hörbehinderung versorgen

Ein spezieller Fokus des Projekts des österreichischen Gesundheitsministeriums liegt auf der Versorgung von Menschen mit einer Hörbehinderung. Bei einem Drittel der Arztbesuche gab es Schwierigkeiten, eine zeitgerechte Übersetzung zu organisieren. Vor allem bei akuten Erkrankungen, bei denen nicht rechtzeitig ein Dolmetscher bereitgestellt wurde, verstanden Patienten ihren Arzt häufig nicht. In ländlichen Gegenden war die Situation besonders dramatisch. Mit Hilfe des Videodolmetsch-Projekts wird speziell Menschen mit einer Hörbehinderung geholfen. Durch eine Ausweitung des Pilotprojektes sollen in Zukunft noch mehr Menschen erreicht werden. So wird ein gleichberechtigter Zugang zu der Gesundheitsversorgung für alle Patienten in Österreich ermöglicht.

Quellen

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