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Der virale Tweet, der keiner sein sollte

Psychische Probleme können die Lebensqualität massiv einschränken. (stokkete - Fotolia.com)

Eine junge Frau nimmt sich wegen psychischer Probleme einen Tag frei und bekommt von ihrem Chef Unterstützung. Im Internet wird das gefeiert, eigentlich sollte es aber selbstverständlich sein.

Mentale Probleme sind in den Schlagzeilen dieser Welt angekommen. Dass auch die Schmerzen der Seele ernst genommen werden müssen, wird medial mittlerweile sehr klar dargestellt. An dem Tabu, das rund um Depressionen und ähnlichen Erkrankungen herrscht, hat sich bislang dennoch nur wenig geändert. Aus Angst vor Ablehnung gibt es nach wie vor kaum Menschen, die offen über ihre psychischen Erkrankungen sprechen.

Offenheit am Arbeitsplatz?

Oftmals gestehen sich die Betroffenen ihre Probleme nicht einmal selbst ein, da sie sie für eine unerlaubte Schwäche halten. Besonders schwierig scheint die Ehrlichkeit am Arbeitsplatz zu fallen, da hier im Extremfall auch Konsequenzen befürchtet werden könnten. Eine diagnostizierte psychische Erkrankung ist heutzutage als Kündigungsgrund kaum mehr haltbar, großes Verständnis seitens des Arbeitsgebers ist jedoch nicht immer zu erwarten.

Mental Health Day

Umso positiver ist die Geschichte von Madalyn Parker. Die junge US-Amerikanerin arbeitet als Web-Entwicklerin in Michigan und hat gelegentlich mit psychischen Rückschlägen zu kämpfen. Um sich von diesen zu erholen, macht sie regelmäßig vom sogenannten Mental Health Day Gebrauch, der in den USA zur Verfügung gestellt wird. Diese Regelung erlaubt es Angestellten für ein paar Tage zuhause zu bleiben, um psychische Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Ärztliche Bestätigung ist dafür keine notwendig.

Unterstützung vom Chef

Als sich Parker unlängst erneut den Mental Health Day zunutze machte, bekam sie von ihrem Vorgesetzten eine unerwartete Mail. Nicht nur respektierte er ihre Entscheidung, sondern dankte ihr sogar für ihren Mut. In der kurzen Antwort finden sich so bekräftigende Zeilen wieder wie "Du bist ein Vorbild für uns alle und trägst dazu bei, die Stigmatisierung zu bekämpfen". Parker war von der Nachricht so beeindruckt, dass sie sie just auf Twitter teilte.

Twitter-Hype

Dort kam die Mail des verständnisvollen Chefs sensationell gut an, wurde von mehr als 13.000 Usern geteilt und steuert auf die 40.000 Likes-Marke zu. Und das zurecht, schließlich ist eine derartig uneingeschränkte, von Vorurteilen freie Unterstützung auch im Jahr 2017 noch keine Selbstverständigkeit. Genau da ist allerdings der Haken: Eigentlich sollte es genau das sein.

Eingeschränkte Lebensqualität

Ärzte weisen bereits seit Jahrzehnten darauf hin, dass psychische Probleme dem Körper extrem schaden können. Davon abgesehen gebraucht es nur einfachster Logik, um zu erkennen, dass beispielsweise eine Depression die Lebensqualität extrem einschränkt. Wer regelmäßig traurig ist oder schlechte Laune hat, dem geht es nicht gut und der hat Hilfe verdient.

Noch ein langer Weg

Ebenso einfach wie treffend ist ein oft genannter Vergleich. Wer sich schwer am Arm verletzt, geht zu einem Arzt und wird behandelt. Doch wer ein psychisches Problem hat, zweifelt meist selbst an der Krankheit und wird im Zweifelsfall von seinem Umfeld auch noch dazu aufgefordert, sich "zusammen zu reißen". In der Gesellschaft findet ein Umdenken statt, am Ende des Weges sind wir aber noch lange nicht angelangt.

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