Transsexualität

Transsexueller
Mann oder Frau: Transsexuelle Menschen sind mit ihrem biologischen Geschlecht unzufrieden (Cyril Comtat - Fotolia.com)

Transsexualität ist ein Phänomen, von dem sowohl Männer als auch Frauen betroffen sind: Ihr gefühltes Geschlecht stimmt nicht mit ihrem biologischen überein.

Das biologische Geschlecht einer transsexuellen Person entspricht eindeutig dem einer Frau oder eines Mannes. Aber: Die Person hat das Gefühl in den falschen Körper geboren worden zu sein. Sie empfinden ihr biologisches Geschlecht als "Irrtum oder Fehler der Natur". Transsexuelle Menschen sind aber nicht nur mit ihrem biologischen Geschlecht unzufrieden, sondern auch mit den damit verbundenen Geschlechterrollen als Mann oder Frau. Also jener Geschlechterrolle mit der sie aufgewachsen sind und in die sie zwangsläufig hineingedrängt wurden. Bei der Behandlung von Transsexualität spielt die Psychotherapie eine wichtige Rolle.

Überblick Transsexualität

Häufigkeit

Schätzungen zufolge leben in Österreich etwa 600 Männer und 300 Frauen, die eindeutig spüren, dass sie mit dem "falschen" Geschlecht geboren wurden und sich vollständig mit dem anderen Geschlecht indentifizieren.

Transsexualität bei Kindern

Das Empfinden, Mädchen oder Bub zu sein, haben Kinder vermutlich schon vor dem 18. Lebensmonat. Man bezeichnet dies auch als Kern-Geschlechtsidentität. Bewusste Gewissheit über das eigene Geschlecht besteht bei den meisten Kindern am Ende des 2. Lebensjahres. Am Ende des 4. Lebensjahres ist die Entwicklung der Geschlechtsidentität abgeschlossen. Kinder verhalten sich dann auch dem gefühlten Geschlecht entsprechend. Erziehung hat, wenn überhaupt, nur einen äußerst geringen Einfluss auf die Entwicklung der Geschlechtsidentität.

Ist das Kind mit dem eigenen Geschlecht unzufrieden, heißt das aber noch lange nicht, dass es später transsexuell wird. Nur ein kleiner Teil solcher Kinder (etwa 5 %) zeigen diese Symptome auch noch im Erwachsenenalter.

Unterschiedliche Begriffe

Ähnlich komplex wie Transsexualität ist auch die Begrifflichkeit dieses Phänomens. Transsexuell, Transsexualismus, Transidentität, Transgender - welcher Begriff steht nun wofür?

Anders als z.B. Homosexualität oder Transvestismus hat Transsexualität oder Transsexualismus nichts mit sexueller Orientierung oder Präferenzen zu tun, sondern mit dem Erleben des eigenen Geschlechts und dem Bewusstsein dafür - also mit Geschlechtsidentität. Seit den 1980er wird für dieses Phänomen daher auch der Begriff Transidentität verwendet.

Der Begriff Transgender ist weiter gefasst. Er ist ein Oberbegriff für Menschen die sich mit ihrem biologischen Geschlecht und den ihnen dadurch zugeschriebenen Geschlechterrollen falsch oder nicht ausreichend beschrieben fühlen. Sich mit dem Begriff Transgender zu bezeichnen wird von der Mehrheit der Transsexuellen abgelehnt:

  • Transvestiten: Neigung von Männern in Frauenkleider (Drag Queen) bzw. von Frauen in Männerkleider (Drag King) zu schlüpfen und so die Geschlechterrolle für eine gewisse Zeit zu verändern. Der Wunsch das Geschlecht komplett zu wechseln bzw. das Gefühl im falschen Körper zu stecken besteht dabei aber nicht.
  • Cross-Dresser: Männer, die Frauenkleider bzw. Frauen, die Männerkleider tragen, um sexuelle Erregung verspüren zu können. Auch diese Menschen haben nicht das Gefühl im falschen Körper geboren zu sein.
  • Androgyne Menschen: Menschen, die bewusst sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsmerkmale nach außen zeigen.

Anders verhält es sich mit dem Begriff "Intersexualität": Das Geschlecht eines Menschen wird durch Hormone, Chromosome, Keimdrüsen sowie das innere und äußere Geschlecht bestimmt. Intersex-Personen können aufgrund der genetischen, anatomischen bzw. hormonellen Voraussetzungen nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden.

Ausprägungen der Transsexualität

Transsexualität und das damit verbundene Gefühl im falschen Körper geboren zu sein, ist etwas, dass Betroffene nicht ab und zu fühlen. Sie identifizieren sich vollständig mit dem anderen Geschlecht und empfinden sich voll und ganz als Angehörige des jeweils anderen Geschlechts. Die meisten transsexuellen Menschen sind daher bestrebt von der Gesellschaft und vor dem Recht in ihrer empfundenen Geschlechterrolle anerkannt zu werden.

Die Ausprägung der Transsexualität ist von Mensch zu Mensch verschiedenen:

  • Einige sind mit der inneren Gewissheit zufrieden eigentlich dem anderen Geschlecht zuzugehören
  • Anderen reicht es, wenn sie mit ihrer transsexuellen Identität im öffentlichen und privaten Leben akzeptiert werden. Für diese Menschen ist eine hormonelle und chirurgische Geschlechtsangleichung nicht notwendig.
  • Manche transsexuellen Personen lassen nur hormonelle Eingriffe vornehmen, keine chirurgischen.
  • Einige transsexuelle Menschen verfolgen den Wunsch nicht nur durch Hormone, sondern auch durch chirurgische Eingriffe das Geschlecht zu wechseln.

Psychotherapie als Unterstützung

Auf dem Weg in das andere Geschlecht spielt Psychotherapie eine wichtige Rolle. Im Zuge der Therapie werden Entwicklung der Geschlechtsidentität, psychosexuelle Entwicklung, derzeitige Lebenssituation und soziales Umfeld zu Themen gemacht. Auch Behandlungsmöglichkeiten wie Hormonbehandlung und Erwartungen an das Ergebnis einer möglichen operativen Geschlechtsangleichung werden besprochen.

Eine Psychotherapie bei Transsexualität erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, meist mehrere Jahre. Sie muss stets vor einer somatischen Behandlung, z.B. die Gabe von Hormonen, erfolgen. Der Betroffene muss einen sogenannten "Alltagstest" durchführen. Im Rahmen dieses Tests muss die transsexuelle Person für 1 Jahr im privaten, beruflichen und öffentlichen Leben dauerhaft in der Rolle des anderen Geschlechts leben.

Eine Psychotherapie ist in Österreich Voraussetzung für transsexuelle Menschen auf dem Weg ins andere Geschlecht. Erst wenn eine Psychotherapie im Ausmaß von mindestens 50 Stunden in Anspruch genommen wurde und der "Alltagstest" erfolgt ist, ist eine geschlechtsangleichende Operation möglich. Dafür ist meist ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik notwendig.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

  • Transidentität - ein unordentliches Phänomen, Wenn das Geschlecht nicht zum Bewusstsein passt, Brigitte Vetter, Verlag Hans Huber, Bern, 2010
  • Transsexualität und Intersexualität, Medizinische, ethische, soziale und juristische Aspekte, Dominik Groß et al. (Hrsg.), Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft OHG, Berlin, 2008
  • Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (05.03.2015)