Menschen mit Hörverlust sind häufiger von Tinnitus betroffen

Tinnitus – der lästige Begleiter im Ohr

Frau greift sich mit genervtem Gesicht ans Ohr.
Rauschen, Summen, Brummen oder Pfeifen - die lästigen Ohrengeräusche beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten. (pathdoc - Fotolia.com)

Es klingelt, rauscht, summt, brummt oder pfeift – fast jeder hat einmal im Leben Ohrgeräusche. Was hilft gegen Tinnitus? 

Alleine in Österreich leiden aktuellen Schätzungen zufolge zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen unter Tinnitus. Die wahrgenommene Lautstärke variiert dabei von sehr leise bis ohrenbetäubend. Vor allem ab einem Lebensalter von 50 Jahren steigt die Anzahl der Betroffenen.

Subjektiv oder objektiv?

Die Medizin unterscheidet zwischen dem subjektiven Tinnitus, den ausschließlich der Betroffene hört, und dem objektiven Tinnitus, der mit speziellen Geräten auch vom Arzt wahrgenommen werden kann.

Die sehr seltenen objektiven Ohrgeräusche entstehen durch eine körpereigene Schallquelle, die nahe am Innenohr liegt – zum Beispiel anatomische oder physiologische Veränderungen wie etwa Gefäßverengungen.

In 99 Prozent aller Fälle handelt es sich jedoch um den subjektiven Tinnitus, der nach Erkenntnissen der Neuro-Forschung nicht im Ohr selbst, sondern durch eine abnormale Aktivität von Nervenzellen im Gehirn entsteht.

Tinnitus als Warnsignal

Die lästigen Geräusche sind ein Symptom für unterschiedliche Störungen im Ohr, ausgelöst etwa durch eine Mittelohrentzündung oder einen Hörsturz infolge eines Knalltraumas. Dabei kann es zu einer irreparablen Schädigung der inneren und äußeren Haarzellen in der Hörschnecke kommen.

Ein gesundes Ohr filtert das Rauschen der Nervenzellen heraus, bei Tinnitus-Patienten werden die akustischen Signale im Gehirn jedoch nicht richtig verarbeitet.

Stress und psychische Belastungen können das Ohrensausen noch zusätzlich verstärken. Wer bis zu drei Monate von den Ohrgeräuschen geplagt wird, leidet an einem akuten Tinnitus. Darüber hinaus sprechen Ärzte von einem chronischen Tinnitus.

Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus

Es gibt noch keine Medikamente, die einen Tinnitus vollständig und langfristig verschwinden lassen. Bei einer schwächeren Form oder beim ersten Auftreten des Tinnitus werden, wenn notwendig, zunächst durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben.

Bei chronischem Tinnitus tragen in einigen Fällen sogenannte Psychopharmaka zur Verbesserung bei, die über ihre Wirkung auf das zentrale Nervensystem, die von dort ausgehende Tinnitus-Verstärkung reduzieren können.

Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) zielt darauf ab, die Wahrnehmung des Tinnitus zu relativieren und besteht aus verschiedenen Bausteinen. Das sogenannte Counseling, eine individuelle psychologische Betreuung, hilft dabei, stressverstärkende Gewohnheiten zu erkennen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Eine weitere Option sind apparative Verfahren: Rauschgeneratoren produzieren im Ohr über mehrere Stunden am Tag ein leises breitbandiges Rauschen. Das Gehirn soll auf diese Weise den Tinnitus als unwichtig interpretieren, sich an ihn gewöhnen und aus der bewussten Wahrnehmung verschwinden lassen. Die Aufmerksamkeitsumlenkung kann zusätzlich durch optische Reize, Musik hören, musizieren oder eine Hypnosetherapie erfolgen.

Hörverlust und Tinnitus

Besonders häufig (bis zu 80 Prozent) klagen Menschen mit Hörverlust über störende Ohrgeräusche und eine damit einhergehende Beeinträchtigung der Lebensqualität. Entsteht Tinnitus bei von einseitigem Hörverlust Betroffenen, ist die operative Versorgung mit einem Cochleaimplantat vielversprechend.

Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Antwerpen hat dazu mehrere Langzeitstudien durchgeführt, die die positive Wirkung von Cochleaimplantaten bei der Behandlung von Patienten mit einseitiger Taubheit (Single-Sided-Deafness, SSD) belegen – nicht nur in Bezug auf das Sprachverständnis, sondern auch bei der Behandlung von Tinnitus.

Alle Studienteilnehmer bestätigten eine anhaltende Reduktion der Tinnitus-Lautstärke von stark zu schwach. In manchen Fällen war der Rückgang sogar noch stärker. In der Studie wurden Hörimplantat-Systeme der Firma MED-EL eingesetzt. 2013 war MED-EL der erste Hersteller von von Cochleaimplantaten der für einseitigen Hörverlust bei Kindern und Erwachsenen die CE-Kennzeichnung erhielt und damit vielen Patienten weltweit zu mehr Lebensqualität geholfen hat.

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