Tiere als Therapeuten

Tiere als Therapeuten: Hund und Katze liegen zusammen
Tiere entstressen, lösen Ängste, fördern Empathie, Ausgeglichenheit und die Gelassenheit des Menschen. (dianabartl - Fotolia.com)

Sie begrüßen ihre Besitzer mit ungeteilter Freude, sind kritiklose Zuhörer und schnurren, bellen oder wiehern, wenn sie Emotionen vermitteln möchten. Haustiere sind mehr als "nur" vierbeinige Begleiter oder krächzende Stubenvögel.

Sie sind Freunde, Therapeuten und Gesellschafter im Alltag. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind Haustieren sehr zugetan und werden von diesen sozial und emotional oft besonders gut unterstützt.

Überblick:

Tiere als Therapeuten: Gesunde Tierliebe

Ältere Menschen, die Kontakt zu Tieren haben oder ein Tier besitzen, sind körperlich und geistig gesünder und fühlen sich auch sozial besser eingebunden als Menschen ohne Haustier. In der Geriatrie agieren Haustiere als "Eisbrecher" - sie geben vor allem Menschen, die an Ängsten, depressiven Verstimmungen oder Einsamkeit leiden, eine gewisse Struktur, Nähe, sie ermöglichen eine wertfreie Bindung und hellen den Alltag auf. Allerdings ersetzt das Haustier nicht den menschlichen sozialen Kontakt, warnt Prof. Kurt Kotrschal, Verhaltensbiologe an der Universität Wien: "Menschen brauchen Menschen, das gilt auch für Kinder und ältere Menschen - aber sie brauchen auch Tiere, um sich empathisch und sozial zu entwickeln."

Wo die Mensch-Tier-Beziehungsebene gut ist, entstehen auch viele positive Effekte für die Seele. "Tiere entfalten eine bedingungslose Zuneigung, außerdem spiegelt beispielsweise ein Hund die Verfassung des Menschen wider, das kann sich stabilisierend und sehr positiv auf den Menschen auswirken", beschreibt Kotrschal.

Tiere als Therapeuten: So helfen Hunde

Haustierhalter sind weniger oft krank als tierlose Zeitgenossen. Der Grund: Wer täglich mit dem Hund Gassi geht, macht mehr Bewegung, beugt Übergewicht vor und schützt sich "gezwungenermaßen" vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tiere sind ideale Gesundheitscoaches und sie beeinflussen Geist und Psyche in Stresssituationen positiv und haben bei der Problembewältigung einen beruhigenderen Einfluss als der eigene Ehepartner, sagen Wissenschafter. Untersuchungen zeigen außerdem, dass Mitarbeiter, die ihren Hund mit an den Arbeitsplatz nehmen können, besser motiviert und produktiver sind und sich am Arbeitsplatz wohler fühlen als Kollegen ohne vierbeinige Begleitung. Tiere entstressen, lösen Ängste, fördern Empathie, Ausgeglichenheit und die Gelassenheit des Menschen.

Tiere als Therapeuten: Positive Wirkung auf Kinder 

Wenn der Hamster stirbt, wird die Schule gestrichen, wenn der Hund fiebert, fließt das Taschengeld in Erste-Hilfe-Literatur: Kinder und Tiere verbindet eine für Erwachsene oft unerklärliche Zuneigung. Tiere, das zeigen Studien, haben z. B. auf Kinder, die an ADHS oder Autismus leiden, eine positive Auswirkung. So etwa wurde nachgewiesen, dass ein Meerschweinchen im Klassenzimmer das Verhalten betroffener Kinder stark beeinflusst, sie zeigten eine deutlich verbesserte Interaktion mit Mitschülern und Lehrern und auch ihr Sozialverhalten war weniger problematisch als ohne Anwesenheit des Tieres. Auch bei Kindern mit Bindungsstörungen, die also nicht gelernt haben, sichere und gut organisierte Bindungen einzugehen, zeigten sich ähnlich positive Verhaltensänderungen.

Tiere als Therapeuten: Das Kindchenschema

Tiere können die Persönlichkeit ihres Besitzers widerspiegeln, davon ist der Historiker Pascal Eitler überzeugt: "Historisch betrachtet war Tierliebe vor dem 18. Jahrhundert ein großbürgerliches, adeliges Phänomen. In der Geschichte standen Hunde von Anfang an im Zentrum, später Katzen, aber auch Papageien." Dass sich der Mensch eher zu Säugetieren hingezogen fühlt und über Schlangen oder Leguane seltener in Liebesmetaphern spricht, schreibt der Historiker der Tatsache zu, dass Säugetiere eher das Kindchenschema erfüllen. Auch der Ethologe Konrad Lorenz hat dieses Kindchenschema von Säugetieren – große Augen, unbeholfener Gang etc. – als Auslöser für Gefühle und Fürsorge bezeichnet. Die Berührung des Fells, so schreibt Sylvia Greiffenhagen 1991, Expertin für Tiergestützte Therapie, löst beim Menschen Emotionen wie Geborgenheit und Wärme aus.

Tiere als Therapeuten: Sind wir von Natur aus tierlieb?

Dass Mensch und Tier miteinander "kommunizieren" können, liegt daran, dass der soziale Verstand beider im Hinblick auf Bindungs-, Sozial- oder Stressverhalten ähnlich sind, sagt der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal. "Soziale Tiere, wie Wölfe oder Gänse haben eben ein ähnliches Bedürfnis nach Sozialverhalten. Am stärksten sind diese Bedürfnisse beim Menschen ausgeprägt: Ein Baby braucht nicht nur Nahrung, sondern auch soziale Nähe, um zu überleben." Haustiere sind aber auch ein Spiegel der Gesellschaft. Heute sind sie nicht nur Familientiere, sondern auch Familienmitglieder, deren Wünsche und Bedürfnisse bei Entscheidungen einbezogen werden. Wenn etwa ein Umzug vom Land in die Stadt geplant ist und eine Katze im Haus ist, wird die Entscheidung x-mal hinterfragt, schließlich geht es ja auch um das Wohlergehen der Katze.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz, BA
  • Erstellungsdatum

Quellen

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