Studien und Statistiken zu Schwangerschaftsabbruch fehlen nach wie vor

aktion leben fordert anonyme Statistik

Wien - "Wir brauchen umfassendes Wissen, um Schwangerschaftskonflikte verstehen und Abtreibungen effektiver vermeiden zu können", betont aktion leben-Generalsekretärin Mag. Martina Kronthaler. Die aktion leben hat daher die Parlamentarische Bürgerinitiative "Fakten helfen!" gestartet.
Der Verein fordert eine anonyme Statistik über Schwangerschaftsabbrüche sowie regelmäßige wissenschaftliche Erhebungen der Motive für Abbrüche. Alle Länder der europäischen Union - bis auf Österreich und Luxemburg - führen eine anonyme Statistik über Schwangerschaftsabbrüche, wissen also zumindest, wie viele Abtreibungen es jährlich gibt. Das erklärte Ziel dahinter ist es, die Zahl der Abbrüche zu senken bzw. möglichst gering zu halten.
 

Abtreibung: Wegschauen ist fahrlässig

aktion leben-Generalsekretärin Mag. Martina Kronthaler: "Es ist vollkommen unverständlich und politisch fahrlässig, dass Österreich sich einer Abbruch-Statistik verweigert. Es sollte doch klar sein, dass es seriöse Daten braucht, um effektiver vorbeugen und unterstützen zu können. Wir vertreten mit dieser Forderung Fraueninteressen, weil das Wegschauen schadet." Es sei ein Zeichen des Desinteresses an jenen Frauen, die sich in schwierigen Lebenssituationen für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.
Nur Meldepflicht, keine Änderung der Fristenregelung
Die Durchführung ist ganz einfach: Ärzte, Ärztinnen und Einrichtungen, die Abbrüche durchführen, sollen diese mit einigen anonymisierten Zusatzinformationen dem Statistischen Zentralamt melden. "Dazu ist lediglich eine Änderung im Ärzte- und Krankenanstaltengesetz nötig", erklärt Kronthaler. Die Fristenregelung werde in keiner Weise berührt.
 

Motivenerforschung: Vorbild Deutschland

Die zweite Forderung von aktion leben betrifft die Motivenerforschung: "Nur durch eine freiwillige Befragung von Frauen, die sich für oder gegen das Austragen einer ungeplanten oder ungewollten Schwangerschaft entschieden haben, sind tiefere Erkenntnisse möglich", erklärt Kronthaler.
 
  • Abgebrochen oder ausgetragen?

Österreich könne sich an einer groß angelegten Studie in Deutschland orientieren, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Auftrag gegeben wurde: "Familienplanung im Lebenslauf - Schwerpunkt Schwangerschaftskonflikte". Es wurden Frauen zwischen 20 und 44 Jahren befragt, die irgendwann in ihrem Leben schwanger waren. Darunter waren Frauen, die Schwangerschaften abgebrochen wie Frauen, die Kinder geboren haben und manche Frauen erlebten auch beides: die Geburt von Kindern und Schwangerschaftsabbrüche.

  • Lebenswirklichkeiten abbilden
Damit konnten alle möglichen Konstellationen erfasst werden. "Es braucht ein sehr sorgfältiges Studiendesign, um die komplexe Lebenswirklichkeit abzubilden", so Martina Kronthaler. "Schwangerschaften können geplant oder ungeplant eintreten, gewollt oder ungewollt sein. Das sagt uns noch nicht, wie Frauen sich entscheiden, denn auch ungeplante und ungewollte Schwangerschaften werden ausgetragen. Die interessante Frage ist, was vorhanden sein muss, dass Frauen sich für das ursprünglich ungeplante oder sogar ungewollte Kind entscheiden oder umgekehrt, was fehlt, wenn Frauen sich gegen ein ursprünglich geplantes und gewolltes Kind entscheiden."
 

Motivenerhebung hilft Politik

"Wenn Frauen kein Zutrauen haben, es mit Kind oder mit einem weiteren Kind zu schaffen, erleben sie die Schwangerschaft als existenzielle Bedrohung", so der Eindruck der aktion leben Generalsekretärin. "Dieses Gefühl hat eine sehr persönliche Dimension, aber auch eine strukturelle." Hier ist die Politik gefordert: Das beginnt bei der Sexualpädagogik, die über Information über Verhütung hinausgehen muss, und reicht bis zu familienfördernden Maßnahmen. Ziel der Gesellschaft muss sein zu vermitteln, dass Kinder willkommen sind.
Verstehen und handeln
Kronthaler abschließend: "Wir hoffen auf zahlreiche Unterschriften für die Bürgerinitiative 'Fakten helfen!', um deutlich zu machen, dass unser Ziel vielen Menschen ein Anliegen ist: Wir wollen, dass es weniger Schwangerschaftsabbrüche gibt und dass darüber geredet wird, wie wir dieses Ziel erreichen können. Wir müssen besser verstehen, um Frauen beistehen zu können." Mehr zur Bürgerinitiative finden Sie auf der Kampagnenhomepage www.fakten-helfen.at.
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