Studie: Lüftungsanlagen sind keine "Keimschleudern"

Mechanische Belüftung verringer CO2-Werte

Wien (APA) - Im Sommer flüchtet man gerne einmal in die eigenen vier Wände, um der drückenden Hitze im Freien zu entgehen.

Wie man in seinem Zuhause für gute Luft und ein angenehmes Raumklima sorgt, erklärten die Autoren der Studie "Bewohnergesundheit und Raumluftqualität" am Donnerstag, 12.06.2014 bei einem Pressegespräch in Wien. Dabei wurde auch betont, dass Klimaanlagen schon lange keine "Keimschleudern" mehr sind.
 
"Auf Wunsch der Betreiber untersuchen wir immer wieder Klimaanlagen und dabei haben wir in den vergangenen Jahren nie Keime gefunden", erklärte Peter Tappler, Studienleiter des Österreichischen Instituts für Baubiologie und Bauökologie (IBO). Der große Vorteil von Klimaanlagen sei natürlich die Kühlung der Luft, dieses Plus habe man bei Lüftungsanlagen etwa nicht.
 

Positives Ergebnis für Lüftungsanlagen

Die Auswirkungen solcher Wohnraumlüftungsanlagen in energieeffizienten Neubauten untersuchte Tappler gemeinsam mit Hans-Peter Hutter, dem medizinischen Leiter, in der weltgrößten Studie zu diesem Thema. Das Ergebnis zeigt, dass Lüftungsanlagen besser sind als ihr Ruf. Hinsichtlich Erkältungen gäbe es zwar keine signifikanten Unterschiede zwischen Wohnobjekten mit normaler Fensterlüftung und Gebäuden mit mechanischer Lüftung. Interessant seien aber die CO2-Werte, berichtete der Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien.
 
80 Prozent der Schlafzimmer mit reiner Fensterlüftung wiesen eine niedrige bzw. sehr niedrige Luftqualität auf, während dies bei Schlafzimmern mit Wohnraumlüftung nur in 44 Prozent der Fall war. Auch die Radon-Werte (etwa 400 Lungenkrebstote werden diesem radioaktiven Element in Österreich jährlich zugeordnet) waren in mechanisch belüfteten Wohnräumen viel niedriger.
 

Unterschiede bei der Luftqualität bestätigt

Die Wahrnehmung der Bewohner stimmte hierbei mit den Messergebnissen der Wiener Forscher überein. Personen aus Gebäuden mit Lüftungsanlagen bezeichneten die Luft in ihren Wohnräumen als "angenehm, sauber und frisch", während die herkömmlichen Fensterlüfter häufiger Begriffe wie "schal, muffig und abgestanden" verwendeten. Über trockene Augen klagten Leute in Wohnungen mit mechanischer Belüftung hingegen öfter als Personen aus der Kontrollgruppe.
 

Auswirkungen für die Baubranche

Tappler plädierte hinsichtlich der Studienergebnisse für Qualität beim Bauen. "Viele Stimmen verlangen billigeres Bauen, aber unsere Studie weist eigentlich genau in die gegenteilige Richtung. Man sollte hochwertiger bauen und hochwertige Anlagen einbauen, damit gerade dieses Problem mit der niedrigen Luftfeuchte nicht mehr entsteht."
 
Ist die Entscheidung für eine eigene Wohnraumlüftungsanlage gefallen, sollte man sich dem Sachverständigen Tappler zufolge ebenfalls für ein hochwertiges Modell entscheiden und dieses unbedingt von Fachkräften einbauen lassen. Beachtet man diese Tipps, sind "Wohnraumlüftungsanlagen die Zukunft des Bauens", so Tappler.
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Quellen

  • APA med, Studie: Lüftungsanlagen besser als ihr Ruf - keine "Keimschleudern", 12.06.2014