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Mittel gegen Strahlenkrankheit gefunden

Atommüllcontainer
Bisher konnte die Strahlenkrankheit teilweise vorgebeugt, aber kaum behandelt werden - jetzt gibt es Hoffnung auf eine neue Therapie. (Creativemarc - Fotolia.com)

Tschernobyl, Fukushima - 25 Jahre liegen zwischen diesen Atomunfällen. Das Resultat davon: Strahlenkrankheit. Diese konnte bisher nicht behandelt werden. Jetzt glauben US-Amerikanische Forscher ein Gegenmittel gefunden zu haben.

Bislang war die einzige erfolgreiche "Therapie" nur vorbeugend anwendbar, was im Falle von Atom-Katastrophen nicht gewährleistet werden kann. Forscher des Health Science Center der University of Tennessee haben nun im Mäuseversuch ein Medikament getestet, das die Überlebenschance nach einem Monat von 20 % auf 93 % heben kann. Bisher wurde der Wirkstoff zur Blutgerinnung eingesetzt. Auch Astronauten, die im Weltall einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt sind, und Krebs-Patienten, die eine Strahlentherapie hinter sich haben, könnten von dem Wirkstoff profitieren.

Was ist die Strahlenkrankheit?

Die Strahlenkrankheit galt bisher als praktisch nicht behandelbar. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Total-Zusammenbruch des Körpers, der tödlich endet.

So wirkt sich die Strahlenkrankheit auf den Körper aus:

  • Immunsystem versagt
  • Körperzellen sterben
  • DNA beschädigt
  • Organe belastet
  • Verdauungssystem bricht zusammen
  • Knochenmark bildet nicht ausreichend Blutkörperchen

Solche extreme Folgen treten bei Krebspatienten, die mit Strahlentherapie behandelt wurden, nicht auf. Hier kann die Strahlen-Dosis bewusst niedrig gehalten werden, um schädliche Grenzen nicht zu überschreiten.

Die Strahlentherapie wird etwa bei jeder 2. Krebserkrankung alleine oder begleitend zu einer Operation oder Chemotherapie eingesetzt. Sie kann wesentlich zu einer Bekämpfung bösartiger Tumoren beitragen, und die Angst vor Nebenwirkungen sollte keinen Patienten davon abhalten, eine ärztlich empfohlene Strahlentherapie in Anspruch zu nehmen. Dennoch könnte der in Tennessee getestete Wirkstoff zukünftig dazu beitragen, Strahlentherapien noch besser verträglich zu machen.

Überlebenschance: 93 %

Die Forscher aus Tennessee verwendeten in ihrer Mäusestudie den Wirkstoff LPA (Lysophosphatidsäure), der während der Gerinnung von Blut gebildet wird und schon bisher medizinisch zur Anwendung kam. Die Wissenschafter vermuten, dass er auch gegen Strahlenschädigung im Menschen wirksam ist. LPA blockiert in Zellen eine Andock-Stelle, die nach einer erhöhten Strahlenbelastung Signale in das Zellinnere weiterleitet. Der Wirkstoff macht die Zellen widerstandsfähiger.

Der positive Effekt zeigte sich in der Überlebenschance nach einer Strahlenbelastung deutlich. Ohne Medikament lebten 30 Tage nach der Bestrahlung nur mehr 20 % der Mäuse. War ihnen direkt nach dem Bestrahlen der Wirkstoff LPA in einer hoch-potenten Variante verabreicht worden, stieg die Überlebenschance auf 93 %. Die Forscher wollen nach diesen vielversprechenden Ergebnissen nun ein Medikament entwickeln, das auch bei Menschen zum Einsatz kommen kann. So würden die gesundheitlichen Folgeschäden einer atomaren Katastrophe künftig deutlich geringer ausfallen.

Quellen

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