Prävention von Übergewicht durch Stillen

Prävention von Übergewicht durch Stillen: Mama stillt Baby
Stillen vermindert das Risiko später an Adipositas zu erkranken. (Oksana Kuzmina - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Muttermilch
Werden Kinder gestillt, tragen sie ein geringeres Risiko, im späteren Leben Übergewicht zu entwickeln. Wissenschafter vermuten, dass insbesondere der geringere Eiweißgehalt in der Muttermilch im Vergleich zu Säuglingsnahrungen für den schützenden Effekt vor Übergewicht verantwortlich ist ("Frühe Protein-Hypothese").

Aber auch andere Bestandteile der Muttermilch, wie etwa bestimmte Hormone, scheinen langfristige Auswirkungen auf Wachstum, Gewichtszunahme und Stoffwechsel des Kindes zu haben. Und auch die Mama profitiert vom Stillen: Die in der Schwangerschaft angehäuften Kilos verschwinden nicht nur schneller wieder, sondern Stillen schützt Mütter, die ihre Kinder mindestens 6 Monate gestillt haben, auch langfristig - noch nach der Menopause - vor Übergewicht.

Österreichs Kinder sind zu dick

Jedes 5. österreichische Kind zwischen 6 und 15 Jahrenist zu dick - 8 % der österreichischen Kinder in dieser Altersgruppe sind sogar fettleibig (adipös). Nicht zuletzt deshalb wird Stillen als ausschließliche Ernährung für Säuglinge in den ersten 6 Lebensmonaten ausdrücklich von der Österreichischen Stillkommission des Obersten Sanitätsrates empfohlen. Denn: Stillen trägt ganz wesentlich zur Verminderung der Gefahr späterer Adipositas bei. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen "UNICEF" raten jungen Müttern, ihre Babys in den ersten 6 Lebensmonaten möglichst ausschließlich zu stillen.

Je länger gestillt wird, desto seltener entwickeln Kinder Übergewicht

Je länger ein Kind gestillt wird, desto seltener entwickelt es Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) im Schulalter. So zeigt sich, dass beim Stillen über mindestens 6 Monate eine Risikoverminderung für Übergewicht um über 30 % und für Adipositas um über 40 % zum Tragen kommt. Ehemals gestillte Kinder haben im Vergleich zu Kindern mit früher Gabe von Flaschennahrung ein eindeutig vermindertes Adipositasrisiko im Schulalter.

Auch Mütter profitieren vom Stillen

Nicht nur die Babys profitieren selbst im späteren Leben vom Stillen, sondern auch die Mütter: Durch Stillen verschwinden die überflüssigen Kilos nach einer Schwangerschaft schneller. Zudem schützt Stillen über einen Zeitraum von 6 Monaten die Mutter auch im späteren Leben - nach der Menopause - noch vor Übergewicht.

Besondere Zusammensetzung der Muttermilch vermutlich für Schutz-Effekt verantwortlich

Verschiedene Bestandteile der Muttermilch sind dafür verantwortlich, dass Stillen vor Übergewicht schützt: Mit ihrer Milch gibt die Mutter bioaktive Faktoren und die Hormone Leptin, Ghrelin, Adiponectin, Resistin und Obestatin an ihr Baby weiter. Diese Bestandteile der Muttermilch haben Auswirkungen auf das Wachstum, die Gewichtszunahme und den Stoffwechsel des Säuglings. Zudem enthält Muttermilch den sogenannten "Epidermalen Wachstumsfaktor" und den "Tumornekrosefaktor a". In Laborversuchen ("in vitro") hemmten diese Faktoren die Ausbildung von Adipozyten (Zellen des Fettgewebes).

Eiweiß-Einfluss

Vermutet wird auch, dass die Eiweißzufuhr im 1. Lebenshalbjahr einen Effekt auf die frühe metabolische Programmierung des Kindes ausübt. Das wird als "Frühe Protein-Hypothese" bezeichnet. Denn die für den Säugling nutzbare Energie- und Proteinzufuhr ist nach neueren Analysen bei Muttermilchernährung deutlich niedriger als in der Vergangenheit angenommen. Babys, die im 1. Lebensjahr das Fläschchen bekommen, nehmen in der Regel eine 1,6- bis 1,8-fach höhere Menge an Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag auf als gestillte Säuglinge. Diese großen Unterschiede in der frühkindlichen Nährstoffzufuhr könnten Langzeiteffekte auf den späteren Stoffwechsel ausüben.

"Flaschenkinder" richtig füttern

Dennoch brauchen Mütter, die nicht stillen können oder wollen, keine Angst zu haben, dass ihr Kind später automatisch Übergewicht entwickelt. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung werden von der Nahrungsmittelindustrie umgesetzt. Deshalb sollten Babys aber auch nur mit industriell hergestellter Säuglingsmilchnahrung gefüttert werden. Dabei wird unterschieden zwischen Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen. Auf keinen Fall sollten Mütter ihr Baby mit selbstgemachter Säuglingsnahrung etwa aus Kuh-, Ziegen-, Schafs-, Stutenmilch oder anderen Rohstoffen füttern. Zu industriell hergestellter Folgenahrung sollte man frühestens am Beginn des 7. Lebensmonats greifen.

Für die Zubereitung und Fütterungsmengen von Flaschennahrung sind die Anweisung auf der Packung immer sorgfältig zu beachten.

Die meisten Säuglinge verlangen in den ersten 1-2 Lebensmonaten etwa alle 2-3 Stunden die Flasche bzw. Brust. Junge Babys können durchschnittlich 12 Mal in 24 Stunden nach der Brust/ nach Nahrung verlangen, die Trinkmenge pro Mahlzeit kann sehr unterschiedlich sein. Wie viel sie insgesamt trinken hängt u.a. vom Geburtsgewicht ab. Erst im Laufe der ersten Lebenswochen pendelt sich die Nahrungsmenge auf zirka 700 ml in 24 Stunden ein.

All dies sind jedoch nur Richtwerte und das Baby sollte nie zum Trinken gezwungen werden. Wenn es satt ist, wird es das signalisieren. Junge Eltern lernen ihr Baby schnell kennen und sollten eher auf seine Bedürfnisse eingehen als sich an starre Vorgaben zu halten. Deshalb lohnt es sich auch immer, Rücksprache mit dem Kinderarzt oder der Hebamme zu halten. Sie wissen genau, welche Ernährung Babys brauchen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Hebamme

Moenie van der Kleyn

Quellen

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