Stillen: Nahrung und Nähe

Stillen: Nahrung und Nähe: Mutter mit Baby beim Stillen
Die körperliche Nähe zur Mutter beim Füttern stillt den Hunger des Babys und sein Bedürfnis nach Hautkontakt. (Johannes Hloch)

Stillen ist die natürlichste und deshalb beste Ernährung für Säuglinge. Doch Muttermilch bietet noch weit mehr, als das Baby in seinen ersten Wachstumsphasen stets optimal zu ernähren: Es bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind - sowohl physisch als auch psychisch.

Deshalb wird Stillen als ausschließliche Ernährung für Säuglinge in den ersten 6 Lebensmonaten ausdrücklich empfohlen. Nicht immer ist Stillen möglich und es liegt auch in der Entscheidungsfreiheit der Mutter, ob sie stillen möchte. Denn es erfordert anfangs oft einen hohen Zeitaufwand. Mütter, die stillen, sind allein für die Ernährung ihres Kindes zuständig. Der Vater oder andere Bezugspersonen können höchstens hin und wieder mal einspringen, wenn die Mutter Milch abpumpt. Eine schnelle Rückkehr in den Beruf ist dann beispielsweise nur mit Unterstützung möglich.

Stillen bringt Vorteile für Baby und Mutter

Sorgen, dass Komplikationen beim Stillen auftreten könnten, bzw. dass das Baby über die Muttermilch deshalb nicht ausreichend ernährt wird, sollten Schwangere und junge Mütter jedoch nicht davon abhalten, ihrem Baby die Brust zu geben. Die meisten Still-Probleme lassen sich schnell lösen und aus medizinischer Sicht können 98 % aller Mütter stillen.  

Die körperliche Nähe zur Mutter beim Füttern stillt nicht nur den Hunger des Babys, sondern auch sein Bedürfnis nach Hautkontakt. Stillen fördert den Aufbau einer besonders innigen Beziehung zwischen beiden (Bonding). Zudem hat es noch viele weitere Vorteile.

Vorteile für das Baby

  • Das Baby wird seinen Wachstumsphasen angepasst in optimaler Zusammensetzung mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt. Zudem ist Muttermilch für das Baby die am besten verdauliche Nahrung, das senkt auch u. a. das Risiko für Blähungen.
  • Muttermilch ist stets richtig temperiert, in der Regel keimfrei und immer dabei.
  • Muttermilch ist reich an Abwehrstoffen und schützt das Neugeborene deshalb vor Infektionen, bis sein Immunsystem voll ausgebildet ist. Gestillte Säuglinge werden seltener krank und haben auch weniger Krankenhausaufenthalte.
  • Volles Stillen in den ersten 4 Lebensmonaten bewahrt das Kind auch im späteren Leben eher vor der Ausbildung einer Allergie.
  • Stillen unterstützt die gesunde Entwicklung von Gaumen und Kiefer des Kindes.
  • Stillen nach Bedarf beruhigt das Kind, noch bevor es weint, also wenn es erste Hungersignale zeigt, und fördert sein Vertrauen in die Mutter und in Folge sein Urvertrauen.

Vorteile für die Mutter

  • Muttermilch ist stets greifbar, auch unterwegs ohne zusätzliches Tragen. Das ist praktisch und erspart der Mutter die Zubereitung von Flaschennahrung inklusive der Fläschchen-Sterilisation. Wenn das Baby neben dem Bett der Mutter schläft, braucht sie nachts nicht aufstehen, um ein Fläschen zuzubereiten
  • Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter und mindert den Wochenfluss, weil durch das Saugen an den Brustwarzen das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird.
  • Stillen senkt das Risiko, an Brustkrebs und Eierstockkrebs zu erkranken. Das belegen zahlreiche medizinische Studien.
  • Stillen lässt überflüssige Pfunde nach der Schwangerschaft schneller purzeln, da es viel Energie verbraucht.

Wenn Frauen nicht stillen möchten oder können

Trotz aller Vorteile für Mutter und Kind muss jede Frau für sich individuell entscheiden, ob sie stillen möchte. Keine Frau sollte sich von dem Wissen, dass Stillen das Beste für ihr Baby ist, unter Druck setzen lassen. Denn Stillen hat nicht nur mit "still werden", sondern auch mit "still sein" zu tun: Es funktioniert am besten stressfrei! Wenn Frauen sich darauf nicht ganz einlassen oder damit unzufrieden sind, können allein schon solche psychischen Einflussfaktoren zu Stillproblemen führen. Ist die Mutter entspannt und gibt ihrem Kind gerne die Brust, dann spürt auch das Baby diese angenehme Atmosphäre und aller Wahrscheinlichkeit nach klappt das Stillen dann auch problemlos.

Sollte es trotz mehrmaliger, geduldiger Versuche und Unterstützung durch Stillberaterinnen mit dem Stillen einfach nicht klappen, dann ist es notwendig, auf Flaschennahrung umzusteigen.

Mütter, die nicht stillen, können sich (wenn vorhanden) mit dem Vater oder einer anderen Bezugsperson abwechseln, was anderenfalls nur möglich ist, wenn die Mutter Milch abpumpt. Eine schnellere Rückkehr in den Beruf ist somit leichter möglich.

Außerdem sind manche Mütter in der Ernährung während des Stillens eingeschränkt, etwa weil das Baby von bestimmten Lebensmitteln in der Ernährung der Mutter (meist Kuhmilch, Ei etc.) Blähungen bekommt.

Kann oder möchte eine Frau prinzipiell nicht stillen, sollte sie dies am besten bereits während der Schwangerschaft mit dem Arzt besprechen. Dann kann die Milchbildung bereits vor dem Milcheinschuss unterdrückt werden.

Wer nicht stillen darf oder kann

Nur wenige Situationen sprechen gegen die Ernährung mit Muttermilch:

  • Leidet die Mutter unter bestimmten Infektionskrankheiten, etwa HIV, Hepatitis B, Zytomegalie oder Tuberkulose, sollte sie ihr Baby nicht stillen, da die entsprechenden Erreger über die Muttermilch an das Kind weitergegeben werden. Mütter, die an einer Infektionskrankheit leiden, sollten individuell mit dem Frauen- und Kinderarzt abklären, ob sie stillen dürfen.
  • Nimmt die Mutter Schad- oder Giftstoffe - wie Drogen, Nikotin, Alkohol aber auch einige Medikamente - regelmäßig zu sich, sollte sie ebenfalls individuell abklären, ob sie ihr Baby stillen darf. Besteht das Abhängigkeitsproblem bereits in der Schwangerschaft, gefährdet dies natürlich auch das Kind im Mutterleid. Betroffene Frauen sollten sich Hilfe suchen!
  • Frauen nach Brustoperationen müssen individuell abklären, ob Stillen möglich ist. Oft werden bei Vergrößerungs- oder Verkleinerungsoperationen zu viele Milchgänge durchtrennt.

Hilfe für stillende Mütter

Auch wenn Stillen zu den natürlichsten Vorgängen zwischen Mutter und Kind gehört, heißt das nicht, dass es von Anfang an immer reibungslos klappt. Gelernt sein will vor allem die richtige Anlegetechnik beim Stillen. Wenn das Baby richtig an der Brust liegt und gut saugt, ist dies schon eine der besten Vorbeugungen gegen Stillprobleme wie Milchstau, wunde Brustwarzen oder Brustentzündung. Schon in der Geburtsklinik werden jungen Müttern die richtige Anlegetechnik und verschiedene Stillpositionen durch Hebammen oder Stillberaterinnen beigebracht.

Treten Stillprobleme auf oder eine schwangere Frau kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie ihr Kind nach der Entbindung stillen möchte, helfen auch hier Hebammen oder professionelle Stillberaterinnen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Mag.

Ingeborg Hanreich

Ernährungswissenschafterin und Stillberaterin

Gründerin des Hanreich Verlags

Quellen

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