Staub kann Asthma bei Kleinkindern vorbeugen

Staub zum Abhärten

Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern - jedes zehnte Kind leidet darunter. Forscher des Universitätsspitals CHUV in Lausanne haben nun herausgefunden, dass möglicherweise Staub Kinder in den Wochen unmittelbar nach der Geburt abhärten kann.

Lange Zeit galt die Lunge als keimfrei und steril. Erst kürzlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass sie ähnlich wie der Darm und die Haut von Bakterien besiedelt ist.

In Versuchen mit Mäusen konnte nun das Forscherteam um Benjamin Marsland nachweisen, dass diese Lungenmikroben vor allergischem Asthma schützen, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie unterstützte, am Donnerstag, 15. Mai mitteilte.

"In der frühen Entwicklung scheint es ein Zeitfenster zu geben, in dem sich entscheidet, ob ein Individuum später im Leben an Asthma erkrankt oder nicht", wird Marsland zitiert.

Bei Mäusen beträgt dieses Zeitfenster zwei Wochen: Die Wissenschaftler setzten im Versuch die Mäuse einem Extrakt aus Hausstaubmilben aus. Frischgeborene Tierchen entwickelten dabei eine stark erhöhte allergische Reaktion. Ältere Mäuse nicht.

Die Forschenden begründen dies damit, dass bei den neugeborenen Mäusen noch keine Mikroben in den Lungen angesiedelt sind. Bei älteren Tieren hingegen hatten Mikroben Zeit, das Immunsystem zu verändern und die Mäuse so weniger anfällig für allergische Reaktionen zu machen. Junge Mäuse, die gänzlich keimfrei gehalten wurden, blieben lebenslänglich anfällig auf Asthma.

Das Forscherteam hat nun bereits Untersuchungen aufgenommen, um herauszufinden, ob auch beim Menschen Lungenmikroben für gesunde Atemwege sorgen. "Die Pilotstudien bei Babys in der Schweiz und in Neuseeland deuten auf Parallelen zwischen Mensch und Maus", schreibt der SNF. Doch die Forschenden stehen dabei erst am Anfang.

Wissenschaftlerinnen und Ärzte konzentrierten sich bislang auf den Ablauf der Asthma-Erkrankung und möglichen unmittelbaren Auslösern. "Wahrscheinlich aber müssen wir schon viel früher, bei den Neugeborenen, hinschauen", sagt Marsland. Er möchte nun herausfinden, wie gross das Zeitfenster für den Aufbau des Immunsystems im Kindesalter ist.

Er hofft, dass das neue Wissen künftig dabei hilft, Asthma zu verhindern. Erst kürzlich konnte Marsland schon aufzeigen, dass in Früchten und Gemüsen enthaltene Nahrungsfasern durch Veränderung der mikrobiellen Flora ebenfalls vor allergischem Asthma schützen. Eventuell könnte sich dieser Schutz auf die Neugeborenen übertragen.

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