Sport bei Pollenallergie

Sport bei Pollenallergie: Allergiker betreibt Sport im Freien
Mit dem richtigen Know-How ist Sport im Freien für Pollenallergiker möglich. (yellowj - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Pollenallergie

Jeder 5. Österreicher hat bereits eine Pollenallergie. Verquollene Augen, triefende Nasen und unbändiger Juckreiz sind typische Symptome, die Betroffenen zu schaffen machen.

Da die Blütenzeiten der einzelnen Baum-, Gräser oder Kräuterpollen zwischen Jänner und September erfolgen können, sind Allergiker bei Aktivitäten im Freien oft ziemlich eingeschränkt. Gerade für Sportler eine Qual. Aus gesundheitlicher Sicht wäre das Vermeiden der Allergieauslöser am besten, andererseits kann das Sporteln in Hallenbädern, Sporthallen und Fitnesscentern auf Dauer recht unbefriedigend werden. Wer weiß wie, muss auf das Training im Freien nicht gänzlich verzichten.

Überblick 

Der Trainingseinstieg bei Pollenallergie 

Eine Pollenallergie ist kein Grund, keinen Sport zu betreiben. Für Pollenallergiker ist aber eine gute Planung sehr wichtig. Auf Internetseiten von Warndiensten erfahren Sie, welche Pollen aktuell im Umlauf sind und ob sie mit möglichen Reaktionen ihres Körpers rechnen müssen. Ein Gespräch mit einem Arzt vorab ist notwendig, denn nur dieser kann Medikamente gegen das Auftreten von allergischen Symptomen während des Sports verschreiben.

Positive Auswirkungen des Trainings auf die Gesundheit

Grundsätzlich ist moderater Ausdauersport mit langsamer Leistungssteigerung bei Allergien sehr zu empfehlen, da dieser das Immunsystem, die Abwehrkräfte und die Atemmuskultur stärkt.

Von exzessivem Training ist hingegen abzuraten. Letztes kann vielmehr Auslöser von allergischen Reaktionen in Situationen werden, die dem Körper unter normalen Umständen nichts ausmachen würden. Einfach nur, weil die Abwehr durch die Anstrengung geschwächt ist. Allergiker sollten daher unbedingt nach individueller Herzfrequenz trainieren. Dabei kann der jeweilige Trainingsbereich optimal gesteuert und eingehalten werden, das Risiko für Überreaktionen wird reduziert.

Richtig trainieren bei Pollenallergie 

Wer seine sportliche Betätigung in der Blütezeit der Pollen ganz nach drinnen verlegt, kann einen Kontakt mit diesen Allergieauslösern vermeiden und muss sich nicht mit den Symptomen herumschlagen. Allerdings wirken die Pollen bei jeglicher Alltagsaktivität im Freien. Eine völlige Allergenkarenz ist also eigentlich unmöglich. Wer den Zeitpunkt und den Ort des Trainings auf seine Allergie abstimmt, kann sich in vielen Fällen Erleichterung verschaffen.

Die beste Zeit für Sport im Freien

Grundsätzlich gilt bei Pollenallergien: Betroffene sollten die Zeiten für die sportliche Betätigung draußen nutzen, wenn weniger Pollen umherschwirren. Folglich eignen sich die Abendstunden am besten für Sport im Freien.

Besonders hoch ist die Konzentration von Pollen in der Luft in der Früh und am Nachmittag, vor allem an sonnigen Tagen mit viel Wind. Kurze Regenschauer mischen die Pollen erst recht auf, danach sollten Pollenallergiker lieber nicht im Freien sporteln. Nach längeren Regengüssen hingegen ist die Luft sauber.

Bei sehr starkem Pollenflug ist es empfehlenswert das Training nach in Innenräume wie Sporthallen, Fitnesscenter und Hallenbäder zu verlegen.

Wo Sport machen

Pollen können zwar durch den Wind über 400 Kilometer weit verweht werden und sind somit fast überall anzutreffen. Dennoch sollten Pollenallergiker jene Gegenden besonders meiden, in denen sich allergieauslösende  blühende Bäume, Gräser oder Kräuter befinden. Denn dort ist die Konzentration der Pollen in der Luft höher und es ist mit stärkeren Reaktionen des Körpers zu rechnen. Für das Frühjahr sind speziell Birken, Haselsträucher und Erlen zu nennen, wobei Birkenpollen die stärksten Auswirkungen haben. Im Sommer sollten speziell Wiesen und Getreidefelder gemieden werden und im Herbst bewachsene Ebenen.

Laubwälder schirmen die Luft am besten gegen Pollen ab und wären somit der optimale Trainingsschauplatz. Freies Gelände oder Felder sind weniger gut geeignet. Bei starker Pollenbelastung kann das Training auch in höhere Regionen verlegt werden. Beim Höhentraining in den Bergen kann dann bei milden Temperaturen und ohne Pollenbelastung optimal trainiert werden und die Lunge kann sich erholen.

Sporturlaube

Wer im Urlaub gerne Sport machen möchte, der verreist am besten ans Meer, wenn möglich an die Nordsee. Dort weht der Wind in Richtung Küste und nicht umgekehrt und ist somit frei von Pollen. Auch das Gebirge ab einer Höhe von 2.000 Metern über dem Meeressspiegel ist eine echte Erholung für Pollenallergiker.

Ansonsten lohnt ein Blick auf die jeweiligen regionalen Pollenkalender. Nicht in allen Ländern ist in der gleichen Periode Blütezeit.

Medikamente bei Pollenbelastung

Aber auch mit Medikamenten können sich Betroffene Linderung verschaffen und entweder vorbeugend oder im Akutfall eingreifen. Folgende Medikamente stehen dabei zur Auswahl:

Antihistaminika

Antihistaminika hemmen die Histaminwirkung durch Blockierung der Rezeptoren für Histamin, das für die unangenehmen Körperreaktionen wie Juckreiz, Schwellung und Atemnot verantwortlich ist. Sie können solche allergischen Reaktionen aber nicht ganz verhindern. Neue Generationen an Antihistaminika machen kaum noch müde und können nach Rücksprache mit dem Arzt bedenkenlos im Sport eingesetzt werden. -Mastzellenstabilisatoren reduzieren die Ausschüttung von Histamin. Sie sollten jedoch mindestens 2 Wochen vor Beginn der Pollensaison erstmals und über die gesamte Pollensaison eingenommen werden, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Bei akuten Beschwerden helfen diese kaum. Einige wenige machen für den Straßenverkehr untauglich und können generell die Konzentration herabsetzen. 

Glukokortikoide

Glukokortikoide hemmen die ausgelösten Entzündungsreaktionen im Akutfall. Dabei handelt es sich um Medikamente, die Kortison enthalten oder dessen Wirkung ähneln. Längerfristige systemische Anwendungen sind nicht zu empfehlen. Eine lokale Anwendung als Nasenspray oder Augentropfen kann jedoch bedenkenlos nach Rücksprache mit einem Arzt über einen längeren Zeitraum erfolgen. Glukokortikoide wirken lokal erst nach längerfristiger Anwendung und sind keine adäquate Akuttherapie.

Beta-2-Sympathomomimetika 

Beta-2-Sympathomomimetika sind zur Behandlung von akuten Asthmaanfällen geeignet, da sie die kleinsten Bronchien erweitern und dadurch die Sauerstoffversorgung verbessern können. Diese Substanzen stehen jedoch auf der Liste verbotener Substanzen laut der  Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Sie dürfen auch im Hobbysport nur nach medizinischer Indikation im Wettkampf und Training eingesetzt werden und müssen dann im Vorfeld bei der NADA angemeldet werden.

Spezifische Immuntherapie 

Bei der Spezifischen Immuntherapie soll das Immunsystem des Betroffenen durch die gezielte, sehr niedrigdosierte Gabe der allergieauslösenden Stoffe an diese gewöhnt werden. Eine solche Behandlung sollte immer im Herbst starten. Bei Pollenallergie und allergischem Schnupfen können dabei ganz gute Erfolge erzielt werden, allerdings ist die Behandlung langwierig und teuer. Auch regelmäßiger Ausdauersport auf niedriger Intensität wirkt durch die Stärkung des Immunsystems wie eine Hyposensibilisierung und kann die Allergiesymptome deutlich lindern.

Die richtige Trainingsausrüstung bei Pollenallergie 

Pollenallergiker sollten beim Sport immer Medikamente zur lokalen Anwendung dabei haben, um im Akutfall gegen einen Anfall gerüstet zu sein.

Pollenallergie: Gefahren beim Training 

Während des Trainings könnte ein Anfall auftreten, deswegen sollten Betroffene immer Medikamente dabei haben.

Um die Pollen nicht mit ins Haus zu nehmen, heißt es für Pollenallergiker direkt nach dem Sport im Freien die Kleidung außerhalb des Schlafzimmers wechseln und sofort Duschen zu gehen, um mögliche Pollen auf Haar, Haut und Textilien zu entfernen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Sylvia Neubauer
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Quellen

  • Interview mit Dr. Robert Fritz, Arzt für Allgemeinmedizin mit Spezialdiplom für Sportmedizin, Sportordination
  • Mit Allergien leben, H. Schimmer, Verein für Konsumenteninformation, 1. Auflage, Wien, 2009
  • Sportverletzungen von A – Z, T. Wessinghage, W. Feil, J. Ryffel, Haug-Verlag, 1. Auflage, Stuttgart, 2009

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