Bewegung gegen Depressionen

Bewegung gegen Depressionen: Gruppe macht Gymnastik
Mindestens 3x in der Woche Sport hat einen positiven Einfluss auf die Körperzellen. (Patrizia Tilly - Fotolia.com)

Sport und regelmäßige Bewegung hat viele positive Seiten: Es fördert die körperliche Fitness, hält den Kreislauf in Schwung und schützt sogar vor psychischen Erkrankungen.

Regelmäßiges Training hat sogar einen schützenden Effekt, vor allem bei jungen Menschen. So haben Teenager im Alter von etwa 18 Jahren, die sich regelmäßig bewegen, als Erwachsene ein niedrigeres Depressions- und Suizidrisiko als Sportmuffel.

Überblick: 

Bewegung gegen Depression: Fitness wirkt sich auf Intelligenz aus

Bewegung ist gut gegen Depressionen. Das zeigt eine Reihe von Studien. Dass aber ausgerechnet Teenager von einem sportlichen Lebensstil profitieren, belegt eine schwedische Studie. "Die Jahre der Pubertät sind eine kritische Periode in der Entwicklung, denn zu diesem Zeitpunkt entwickeln sich höhere Gehirnfunktionen, sowie die sozialen und emotionalen Fähigkeiten", sagt Studienautorin Maria Åberg von der Sahlgrenska Academy in Göteborg. Eine Untersuchung an einer Million junger Männer hat gezeigt, dass Fitness in diesem Alter das Risiko von Depressionen im Erwachsenenalter verringert.

Die Forschungen beruhen auf vorangegangenen Untersuchungen, die ergaben, dass sich Fitness und Sport auch auf die Intelligenz und die akademische Karriere auswirkten, daher sei es Zeit, an den Schulen dem Sport mehr Raum zu geben, so die Studienleiterin. Die Forscherin erklärt, dass ein körperlicher schlechter Zustand auch die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordes um das 1,8-fache erhöht. Den Grund vermutet Åberg darin, dass "sportliche Gehirne" auch bessere Stress-Bewältigungsstrategien hätten.

Depression: Sport hält den Geist in Balance

Besonders in der Pubertät sind junge Menschen nicht immer im Lot. Die "Baustelle Gehirn" ist mindestens ein 5-Jahres-Projekt, in dem oft nicht ganz klar ist, ob die Launen den natürlichen Entwicklungen des Gehirns zuzuschreiben sind oder eine psychischen Störung vorliegt. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, die Lust am Risiko und soziale Isolation: All das kann völlig "normal" sein; dem kann aber auch eine Depression zugrunde liegen. Während Launen relativ rasch wieder vergehen, kann eine Depression über Wochen oder Monate bestehen. Als mögliche Gründe für eine Depression sehen Forscher in erster Linie Frustrationen, wenn Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden. Vernachlässigung aber auch Überbehüten kann derartige Symptome verursachen. Hinzu kommen Risikofaktoren wie unsichere Bindungen, Enttäuschungen und Misserfolg, Abwertung und ein negatives Selbstbild.

Depression: Sport oder Medikamente?

In einer Metastudie hat die Cochrane Collaboration 39 Forschungsarbeiten gesichtet und kam zu dem Ergebnis, dass moderate sportliche Betätigung die Symptome der Depression verringert. Regelmäßiger Sport ist demnach effektiver als Medikamente. Den Grund dafür sehen Mediziner in einer verbesserten Ausschüttung von Kortisol, einem Botenstoff im Gehirn, der auch die Übertragung von Neurotransmittern (chemische Botenstoffe, die die "Kommunikation" zwischen den Nervenzellen aktivieren) verbessert, die bei depressiven Menschen blockiert ist. Darüber hinaus hat Sport einen positiven Einfluss auf das Selbstwertgefühl, wenn sich Erfolge einstellen. Der Jugendliche erlangt das Gefühl, sein Leben wieder selbst "im Griff", also unter Kontrolle zu haben. Zudem fördern gemeinsame Aktivitäten die sozialen Kompetenzen und haben darüber hinaus positive Auswirkungen wie etwa auf die Lungenfunktion und auf das Herzkreislauf-System.

Depression: Welcher Sport für wen?

Die Bandbreite an Sportmöglichkeiten ist vielfältig und richtet sich nach persönlichen Vorlieben. Günstig sind in jedem Fall Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Wandern. Ball- und Mannschaftssport fördern die soziale Entwicklung, können jedoch auch Frustrationen verursachen, wenn der Erfolg ausbleibt. Günstig sind daher alle Sportarten, die ein rasches Erfolgserlebnis mit sich bringen. Weniger geeignet sind Risiko- und Adrenalinsportarten (Triathlon, Rafting, Eisklettern etc.), da manche Jugendliche in der Pubertät auch ohne diese sportliche Betätigung zu riskantem Verhalten neigen. Letztlich ist es auch die ausgleichende Wirkung von Sport, die Körper und Geist nachhaltig in Balance bringt. Um mit dem konsequenten Training zu beginnen ist es jedoch nie zu spät.

Weiterführende Informationen

  • Volkskrankheit Depression: Kann Sport Medikamente ersetzen? Viola Wellsow, Grin Verlag, München, 2013

  • Sport- und Bewegungstherapie: Eine wirksame Methode gegen Depressionen: Mit einem Konzeptvorschlag für die Praxis, Christina Custal, Diplomica Verlag, Hamburg, 2011

  • Pubertät für Anfänger: Ein außergewöhnlicher Elternratgeber für außergewöhnliche Umstände, Sylvia Sobel und Alfred Sobel, Gräfe und Unzer Verlag, München, 2012

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz, BA
  • Erstellungsdatum

Quellen

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