Parkinson - In Bewegung bleiben

Parkinson: Eine ältere - von Parkinson betroffene - Frau betreibt auf einem Waldpfad Nordic Walking.
Nordic Walking steigert das Wohlbefinden bei Parkinson. (Volker Witt - Fotolia.com)

Welche Sportart passt zu mir? Diese Frage beschäftigt viele Parkinson-Betroffene, verbessert doch regelmäßiges Training die Bewegungsabläufe und die Sicherheit beim Gehen.

Wird leichtes Ausdauertraining wie Nordic Walken, Schwimmen oder Radfahren mit Dehnungs- und Kräftigungsübungen für die einzelnen Muskelpartien kombiniert, so fühlen sich viele Betroffene besser. Bewegung beeinflusst nicht nur das körperliche Wohlbefinden, auch Symptome wie Depressionen und Antriebslosigkeit treten deutlich weniger häufig auf. Bei der Nervenerkrankung Morbus Parkinson kommt es aufgrund eines Dopaminmangels u.a. zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung der Bewegungsabläufe wie Verlangsamung und Steifigkeit, aber auch zu psychischen Problemen wie Depression und Antriebslosigkeit. Medikamente und Bewegung sind wichtige Therapiemaßnahmen.

Wie beginnen? Der Trainingseinstieg

Bei Morbus Parkinson gibt es kein "Sportverbot" - im Gegenteil: Studien haben gezeigt, dass sportlich Aktive mit einer krankheitsbedingten Bewegungsverzögerung besser umgehen und Bewegungseinschränkungen leichter überwinden können. Auch Depressionen, Angststörungen und Antriebsschwierigkeiten lassen sich deutlich mildern.

Welche Sportarten in Frage kommen, ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • War der Betroffene schon vor Krankheitsbeginn körperlich aktiv?
  • Wie viel und welchen Sport hat er betrieben?
  • In welchem Krankheitsstadium befindet er sich?

Wenn es jemand seit Jahren gewohnt ist, regelmäßig zu laufen, dann sollte er auch nach der Diagnose seine Gewohnheiten als Hobbysportler unbedingt beibehalten und weiter trainieren, aber darauf achten, sich nicht zu überanstrengen und öfter Pausen einzulegen.

Wer hingegen als Untrainierter vorhat, körperlich aktiv zu werden, sollte sich am besten einer Trainingsgruppe anschließen. Das motiviert, durch gemeinsame Bewegungseinheiten ist auch eine gewisse Gleichmäßigkeit gegeben.

Trainingsintensität je nach Erkrankungsstadium

Gemeinsam mit dem Arzt lässt sich ermitteln, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist:

  • Stadium 1 und 2: Betroffene sind motorisch relativ uneingeschränkt, sie können alle Sportarten ausüben.
  • Stadium 3: Schnelle Sportarten, die Stürze begünstigen, wie Tennis oder Ski fahren, besser meiden. Ausdauersportarten bevorzugen.
  • Stadium 4 und 5: Ein Training ist in Form einer speziellen Therapie/Krankengymnastik möglich, wie z.B. ein langsames Laufbandtraining mit Körpergewichtsentlastung unter Anleitung eines Therapeuten. Wichtige Ziele sind u.a. die Steigerung der Gehgeschwindigkeit durch die Vergrößerung der Schrittlänge und Erhaltung der funktionellen Aktivität. Im Stadium 5 ist nur mehr Physiotherapie zielführend.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Die Bewegungsabläufe von Parkinson-Betroffene sind nicht nur langsamer und verzögert, sondern auch im Krankheitsverlauf von einer Abschwächung der Muskulatur betroffen. Eine Kombination von Ausdauersport (wie Nordic Walken, Schwimmen, Radfahren oder Laufen) und Kräftigungsübungen (z.B. für die Oberschenkel- und Oberarm- bzw. Rumpfmuskulatur) hat die besten Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Patienten. Auch die Alltagsmotorik verbessert sich - immer unter der Voraussetzung, dass auch die verordneten Medikamente eingenommen werden.

Übrigens verbessert Bewegung auch die Hirnleistung: Es wird vermutet, dass konsequentes Bewegungstraining beim gesunden Menschen die Bildung und den Umsatz von Dopamin steigert. Bei Parkinsonerkrankten fördert körperliche Bewegung die Aufnahme von Levodopa (parkinsonspezifisches Medikament), eine Vorstufe von Dopamin, aus dem Darm.

Tägliches regelmäßiges Training wirkt sich sehr positiv...

  • auf den Gang,
  • auf die Sicherheit beim Gehen,
  • auf die Körperhaltung,
  • auf die Selbstständigkeit,
  • die Motorik,
  • auf die Muskelkraft,
  • auf das Schlafverhalten,
  • auf die soziale Kompetenz,
  • auf die psychische Beeinträchtigung (Depression, Emotion)

Dadurch kommt es weniger zu Stürzen, die Bewegungsabläufe werden sicherer. Regelmäßiges Training kann auch der Osteoporose sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen vorbeugen.

 

Mögliche Auswirkungen auf DIE Motorik

Nordic Walking

  • Verbesserung der Beinkoordination (Bewegungen laufen "flüssiger" ab)
  • Vergrößerung der Schrittfolge

Radfahren

  • Durch das rhythmische Treten der Pedale wird die Balance und die Koordination trainiert

Schwimmen

  • Bestimmte Bewegungsabläufe lassen sich leichter im Wasser trainieren
  • Schwimmen kräftigt die Bein- und Oberarmmuskulatur

Tanzen

  • Unterstützung des Gleichgewichts
  • Harmonische Bewegungsabläufe

Krafttraining z.B: mit Gewichten oder Theraband

  • Steigerung der Kraft durch Aufbau von Muskelmasse
  • Verbesserung derGelenkigkeit

Wie soll das Training ablaufen?

Weiters haben sich bei Parkinson-Symptomen auch Entspannungs- und Atemübungen wie beispielsweise Autogenes Training, Yoga oder Pilates bewährt, sie lindern die körperlichen und seelischen Anspannungen.

Für eine bessere Beweglichkeit ist es entscheidend, dass das Ausdauertraining und auch Kraftübungen nach einem konsequenten Trainingsplan stattfinden, den Sie am besten mit einem Sporttherapeuten absprechen. Die Grenzen der Belastbarkeit sind individuell: Für Sie passt es vielleicht am besten, dreimal pro Woche 20 Minuten lang langsam zu laufen, für eine andere Person im selben Erkrankungsstadium ist dieses Pensum eindeutig zu viel. Zu beachten ist auch, dass nicht in erster Linie der Kraftaufwand über den Erfolg entscheidet, sondern die Regelmäßigkeit. So kann es schon sehr helfen, die Übungen zu einem fixen Tageszeitpunkt jeden Tag konsequent durchzuführen, bzw. z.B. dreimal pro Woche eine halbe Stunde schwimmen zu gehen. Versuchen Sie sich nach Möglichkeit täglich zu bewegen (z.B. 10 Minuten Radfahren oder Spaziergänge über 2 bis 3 Kilometer).

Bei jeder Art von Sport ist es wichtig, intensive körperliche Anstrengungen zu vermeiden und für ausreichende Pausen zwischen den Übungen bzw. während des Ausdauertrainings zu sorgen.

Worauf muss man beim Training achten?

Wichtig sind Geduld und Pausen: Auch Hobbysportler, die regelmäßiges Training gewohnt sind, neigen dazu, durch die Erkrankung motorisch langsamer zu werden. Falscher Ehrgeiz und Überanstrengung können zu großer Erschöpfung führen. Das sollte unbedingt vermieden werden, da sich dadurch vorübergehend Beschwerden wie Beeinträchtigungen beim Gehen verschlechtern können. Es gilt daher: Lieber langsam und regelmäßiger, dafür länger trainieren.

Sport-Einsteiger schätzen sich oft falsch ein und meinen, dass sie bestimmte Übungen auch ohne Trainer durchführen können. Doch diese Unterstützung ist sehr von Vorteil, da die Übungseinheiten dann auch richtig durchgeführt und bestimmte Muskelpartien gezielt gefördert werden.

Wo liegen die Grenzen?

Jede Art von körperlicher Bewegung wirkt sich positiv auf die Bewegungsabläufe und das seelische Wohlbefinden aus. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass keine abrupten Bewegungen ausgeführt werden und der Kraftaufwand gering bleibt.

Der Körper signalisiert beim Training sehr genau, wann es genug ist: Man fühlt sich plötzlich sehr müde, unwohl, leichte Schmerzen oder Schwindel können auftreten. Dann sollte man auf jeden Fall das Training unterbrechen, eine Pause einlegen, trinken und langsam wieder mit dem Sport beginnen.

Medizinischer Experte

Dr. Thomas Wolfsegger

Labor für Bewegungsanalyse - Abt. Neurologie

Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Linz

Quellen

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