Ernährung bei Sodbrennen

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Magen

Sodbrennen hat viel mit Essen zu tun. Obwohl es die "eine Diät" bei bestehendem Sodbrennen oder gar Reflux nicht gibt, können bestimmte Lebensmittel das Symptom Sodbrennen negativ oder positiv beeinflussen.

Auch individuelle Faktoren sind ausschlaggebend. Es kann durchaus vorkommen, dass jemand auf ein hart gekochtes Ei oder eine Tomate mit Sodbrennen reagiert. Wie es genau so gut sein kann, dass ein anderer, der prinzipiell noch viel stärker unter diesem Symptom leidet, nach 2 Eiern und 4 Tomaten keinerlei Verschlechterung verspürt. "Wie man auf diverse Nahrungsmittel reagiert, ist auch eine sehr individuelle Angelegenheit", betont Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm,  Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin.

Ernährungsempfehlungen bei Sodbrennen

Freilich gibt es einige grundsätzliche Ernährungsempfehlungen bei Sodbrennen, das durch den Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre (Reflux) ausgelöst wird. Übermäßiger Genuss von fetten Gerichten, zu späte Mahlzeiten, zu viel Alkohol, zu viele Zigaretten sind generell Sündenböcke, auf die wohl die meisten, aber auch wiederum nicht 100 % mit vermehrtem Sodbrennen reagieren. Widhalm: "In vielen Fällen jedenfalls ist eine klare Umstellung der Ernährung und der Essenszeiten ein ganz wesentliches Hilfsmittel."

Nicht vor dem Schlafengehen essen

Zur Umstellung von Essenszeiten: Schweres Essen vor dem Schlafengehen ist für die allermeisten Betroffenen fast so etwas wie ein Garant für nächtliches Sodbrennen. Gut tut also, wer 2 bis 3 Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr isst, damit der Magen ein wenig Zeit zum Verdauen hat, ehe man in Morpheus' Arme gleitet.

Völlerei & Reflux

Aber auch bei Tag kann Völlerei Reflux auslösen. "Vor allem nach üppigen Mahlzeiten kann es Probleme geben. Der Magen muss dann nämlich besonders viel Säure produzieren, um das Essen zu verdauen", berichtet Univ.-Prof. Dr. Michael Rogy, Facharzt für Chirurgie mit Schwerpunkt Magen- und Darmerkrankungen. Rogy ist auch einer der Autoren des Buches "Ernährung bei Sodbrennen" (siehe Quellen). Aber nicht nur Üppiges kann Beschwerden machen, zu den "Säurelockern" gehören auch Süßigkeiten, zu scharf gewürzte oder zu heiße Speisen und Getränke - sie reizen den Magen und fördern die Produktion von Säure.

Beschwerden bereiten häufig auch folgende Lebensmittel:

  • Frittierte Speisen wie Pommes frites
  • Fette Backwaren wie Buttercremetorte oder Fettgebackenes - der Magen muss viel Säure bereitstellen, um fettreiche Speisen aufzuschließen
  • Ofenfrisches Brot und Gebäck
  • Mayonnaise
  • Fette Fleisch- und Wurstwaren
  • Zitrussäfte, wie zum Beispiel Orangen- oder Zitronensaft
  • Saure Speisen oder Zutaten wie Essig, Essiggurken oder Mixed

Kaffee?

"Aber nicht jeder Betroffene reagiert auf Essiggurken mit Sodbrennen. Wie auch nicht jeder von starken Gewürzen Beschwerden bekommt, einige vertragen das ganz gut", ergänzt Widhalm. Auch Kaffee sei so eine Sache mit Individualnote. Der eine bekommt daraufhin Sodbrennen, der andere nicht. "Das muss einfach jeder für sich selbst ausprobieren." Bei manchen Menschen lässt schon Kaffee-Verzicht Sodbrennen verschwinden, bei anderen tut sich da gar nichts. Dritten wiederum hilft ein Umsteigen auf magenfreundlichen Kaffee und vierten schadet Kaffee nur auf leeren Magen. Für Letztere könnte ein gangbarer Weg sein: Den Morgen nicht mit einem Kaffee, sondern mit einer Tasse Tee beginnen und sich erst nach dem Frühstück einen Kaffee gönnen. Denn gerade ein nüchterner Magen reagiert häufig empfindlich auf Bohnenkaffee.

Übergewicht brennt

Ein Ernährungsprotokoll ist ratsam, denn die Auslöser für Sodbrennen unterscheiden sich von Person zu Person. Es gilt also, die eigenen Essgewohnheiten genauer unter die Lupe zu nehmen, die individuellen Auslöser zu entdecken und zu vermeiden. Ein Auslöser kann übrigens auch Übergewicht sein, Abnehmen ist für viele also auch eine hervorragende Maßnahme gegen Sodbrennen. "Wer einige Kilos loswerden will, sollte nicht nur weniger essen, sondern unbedingt auch mehr Bewegung machen. Denn manchmal ist auch Bewegungsmangel bei Sodbrennen mit im Spiel", erwähnt Widhalm.

Weniger Fleisch, mehr Vollkorn

Ernährungsmediziner Widhalm selbst bekommt immer Sodbrennen, wenn er am Abend zu viel Fleisch isst. "Esse ich kein Fleisch am Abend, habe ich kein Sodbrennen", sagt er und rät generell von zu fleischreicher Kost ab.

"Magerer Schinken, Gemüse und Obst sind bei Problemen mit dem Reflux ebenfalls ratsam", erwähnt Widhalm. Auch Vollkornbrot, Vollkornteigwaren, Vollreis, Mais, Hülsenfrüchte (in Maßen) und Erdäpfel gehören laut schweizerischer Vereinigung für Ernährung zu den empfehlenswerten Lebensmitteln. Vollkorngetreide bindet die Magensäure.

Günstig ist es in jedem Fall, mehrere kleine Mahlzeiten - etwa 5 bis 6 - über den Tag verteilt einzunehmen und nicht 3 Hauptmahlzeiten: Kleinere Mahlzeiten werden schneller verdaut und belasten den Magen nicht zu lange.

Akutes Sodbrennen: Karottensaft hilft

Tipps für Akutfälle von Sodbrennen: ein Glas frisch gepresster Karottensaft. Hilfreich seien auch Malventee, Kamillentee, Ringelblumenblütentee oder Eibischtee sowie ein Glas zimmerwarmes Wasser, langsam getrunken. 5 bis 6 Esslöffel Magertopfen empfiehlt beispielsweise das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Ein anderes probates Hausmittel für die schnelle Hilfe gegen leichtes Sodbrennen ist Weißbrot: Semmel oder Toast binden die Säure.
Genügend trinken ist prinzipiell gut, bei dem Was scheiden sich die Geister ein bisschen: Von kohlensäurehältigen Getränken wird abgeraten, für Widhalm sind diese jedoch "viel harmloser als man allgemein glaubt, der Alkohol ist viel gefährlicher." Vor allem die Säure im Weißwein ist häufiger Auslöser von Refluxbeschwerden, Rotwein wird gerade noch vertragen.

Geheimrezept: Stündlich einen Apfel

Ein spezielles "Apfel-Rezept" kommt von Reflux-Experte Prof. Dr. Martin Riegler von Reflux Medical (auf Refluxkrankheiten spezialisiertes Zentrum in Wien): Stündlich einen halben oder ein Viertel grünen Apfel essen, das neutralisiert die Magensäure. "Zusätzlich gibt das Energie. Wer sich an dieses Rezept hält, wird spüren, wie die Körperbatterie wieder aufgeladen wird", verspricht der Facharzt.

Wie kochen?

Bei magenschonenden Zubereitungsarten wird prinzipiell bei Fett gespart – also etwa eine beschichtete Pfanne verwendet, so braucht man weniger Öl. Empfehlenswert sind außerdem Dünsten, Dämpfen, schonendes Grillen. In Alufolie können Fleisch, Fisch und Gemüse ohne Zugabe von Fett (oder nur mit minimaler Menge) im eigenen Saft schmoren und so zur fettarmen Delikatesse werden. Stark angebratene Speisen sind eher zu meiden, denn der Magen muss sonst quasi Schwerarbeit leisten.

Schlaff durch Nikotin

Was Rauchen mit Sodbrennen zu tun hat? Nikotin führt dazu, dass der Schließmuskel, der die Speiseröhre vom Magen trennt, erschlafft - und die Magensäure hat grünes Licht für ihren Rückfluss in die Speiseröhre. Auch Alkohol, Schokolade, Kaffee, Schwarztee, Pfefferminz (Tee, Kaugummi) und Fett können den Magenverschluss-Muskel in seiner Funktion schwächen. Selbst Kakao kann zum "Übeltäter" werden:

"Die Inhaltsstoffe von Kakao wirken auf den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen entspannend, sodass er nicht schließt. Besonders abends kann Schokolade leicht zu nächtlichem Sodbrennen führen", macht Rogy aufmerksam.

Kauen gegen Säure

Gut gekaut ist halb verdaut, sagt schon der Volksmund. Und wie so oft hat der Volksmund recht. Beim gründlichen Kauen entsteht zudem viel Speichel, der mithilft, zu viel Säure im Magen zu neutralisieren. Langsam und genussvoll essen lohnt also allemal. Und das gilt für alle - da macht auch Individualität keine Ausnahmen.

Weiterführende Informationen

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Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Kurt Widhalm

Kinder-u.Jugendheilkunde

Leiter der Abt. für Ernährungsmedizin Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien

Quellen

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