Neue App gegen Smartphone-Sucht

Neue App gegen Smartphone-Sucht: Ein Mann starrt auf sein Smartphone.
Immer mehr Menschen "hängen" täglich über mehrere Stunden am Smartphone - das kann süchtig machen. (lassedesignen - Fotolia.com)
Die Zahl derer, die unruhig werden, wenn sie ihr Smartphone nicht bei sich haben, steigt. Manche fühlen sich sogar schuldig, wenn sie nicht erreichbar sind. Eine neue App zeichnet das User-Verhalten auf und soll damit die Gratwanderung zwischen normaler Benutzung und Sucht aufzeigen.

Smartphone- und Internetsucht überschneiden sich in mehreren Bereichen. Logisch, wo Smartphones doch von Apps (Applications, kleine mehr oder weniger nützliche Programme) leben und diese über das Internet laufen. Genaue Zahlen gibt es zur Smartphone-Abhängigkeit noch nicht, da es sich um ein relativ neues Phänomen handelt. In Asien gibt es bereits konkrete Angaben: 7 % der dort lebenden Menschen zeigen mittlerweile deutliche Anzeichen von Sucht.

Smartphone-Sucht ist mit Drogensucht vergleichbar

Experten sprechen bei der Smartphone-Sucht von einer nicht stoffgebundenen Sucht, diese unterscheidet sich aber, was die Toleranzentwicklung anbelangt, nicht von Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Alleine der Blick auf das Display führt bei Betroffenen zur Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin. Das bedeutet, dass der "Konsum" nach und nach gesteigert werden muss, um das gewohnte Befriedigungsgefühl zu erlangen. Smartphone-Süchtige haben bei "Abstinenz" sogar Entzugserscheinungen, wie Unruhe oder das Wahrnehmen von Phantomklingeln - Betroffene werden mitunter sogar mit Angstzuständen, Schwitzen oder Zittern konfrontiert, wenn das Smartphone nicht in greifbarer Nähe ist.

App liefert Daten zur Erforschung der Smartphone-Sucht

Dr. Christian Montag, Psychologe an der Universität Bonn, hat sich gemeinsam mit dem Informatik-Professor Dr. Alexander Markowetz der Problematik angenommen und eine App programmiert, die alle Tätigkeiten auf dem Smartphone registriert, z.B wann und wie oft es aktiviert wird, welche Programme genutzt werden oder auch mit welchen Personen wieviel kommuniziert wird. Die damit gesammelten Daten dienten einer Studie mit interessantem Ausgang. Die Probanden hatten ihr Gerät täglich im Schnitt:

  • 80-mal aktiviert, um zu sehen ob es Neuigkeiten gibt
  • 40-mal entsperrt, um im Anschluss Aktionen durchzuführen
  • Und jeder Vierte nutzt sein Smartphone täglich länger als 2 Stunden.

Den Wissenschaftern nach haben immer mehr Menschen - altersunabhängig - Probleme mit ihrem Nutzungsverhalten. Als Gegenmaßnahme rät Montag u.a. dazu, das Smartphone nicht mehr auf dem bequemen Sofa, sondern nur noch auf unbequemen Stühlen zu benutzen. Auch ein selbst verordneter Smartphone-freier Tag in der Woche oder tägliches Ausschalten am Abend können helfen, die Nutzung nicht überhand nehmen zu lassen.

Forscher fordern neue Smartphone-Etikette

Markowetz und Montag plädieren zudem auf eine neue "Smartphone-Etikette" - gesellschaftsverträgliche Nutzungsegeln, wie etwa eine abendliche E-Mail-Sperre, oder ein Verzicht auf das Handy im Restaurant.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Julia Wild
  • Erstellungsdatum

Quellen

Mehr zum Thema