Skifahren in der Schwangerschaft

Skifahren in der Schwangerschaft: Am Anfang der Schwangerschaft stehende Frau macht sich bereit zur Pistenabfahrt.
Schwangere sollte nur in den ersten Schwangerschaftswochen Skifahren, solange der Bauch noch klein ist. (TEA - Fotolia.com)

Skifahren ist aufgrund des hohen Verletzungsrisikos kein idealer Zeitvertreib in den 9 Monaten einer Schwangerschaft. Einerseits kann bei der werdenden Mutter das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigt sein, auf der anderen Seite kann auch ein anderer Pistenteilnehmer einen Unfall verursachen.

Wenn die Schwangere dennoch nicht auf den Pistenspaß in luftigen Höhen verzichten möchte, dann ist dem Baby zuliebe zumindest die richtige Vorbereitung und auch auf der Piste ein hohes Maß an Vorsicht gefragt.

Trainingseinstieg

Gute Skifahrerinnen können ihrem Hobby auch in dieser Zeit nachgehen. Allerdings sollten sie sich auf die ersten Schwangerschaftswochen beschränken. Dann ist der Bauch noch klein und somit das Gleichgewichtsgefühl der Mutter noch weniger in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch sollte sich die Schwangere nicht überanstrengen, denn gerade in den ersten Wochen fühlt sich die Mutter ohnehin nicht so wohl und wird schnell müde.

Außerdem ist gute Vorbereitung wichtig. Die Schwangere sollte schon einige Wochen vorab immer wieder Skigymnastik machen, um die Muskeln in Beinen und Po auf die Anstrengung vorzubereiten. Viele Unfälle sind nämlich darauf zurückzuführen, dass Menschen, die sonst nie oder nur sehr wenig Sport machen, ohne Vorbereitung auf die Piste gehen, aber derartige Anstrengungen gar nicht gewöhnt sind.

Besser als normale Skigymnastik würde sich in der Vorphase Schwangerenyoga eignen, da dabei alle dafür wichtigen Muskelgruppen trainiert werden und dennoch auf die speziellen Bedürfnisse von Schwangeren Rücksicht genommen wird. In anderen Kursen bitte immer dem Trainer von der Schwangerschaft berichten, so dass dieser das Programm darauf abstimmen kann. Sprünge und Bauchmuskeltraining sollten z.B. in dieser Zeit tabu sein.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Ein Urlaub in den Bergen kann auch in der Schwangerschaft sehr erholsam sein und vor allem auf die Psyche eine sehr beruhigende Wirkung haben.

Es gibt jedoch einige Faktoren, die während der Schwangerschaft eindeutig gegen Sport und somit auch gegen Skifahren in dieser Zeit sprechen:

  • vaginale Blutungen
  • vorzeitige Wehentätigkeit
  • auffällige Herztöne des Kindes
  • Blasensprung
  • Plazentainsuffizienz
  • ein sehr kleines Kind

Skifahren - aber richtig!

Kann die werdende Mutter dem Ruf des Berges auch schwanger nicht widerstehen, gilt es einige Regeln zu beachten:

  • Nicht höher als auf 2.000 Meter Seehöhe fahren: Je weiter es nach oben geht, desto dünner wird die Luft und die Schwangere läuft Gefahr nicht mehr genügend Sauerstoff für sich und das Baby aufzunehmen.
  • Große Höhenunterschiede meiden: Ideal wäre es auch, wenn bei der Anreise keine großen Höhenunterschiede innerhalb weniger Minuten erfolgen, wie es bei Auffahren mit Gondeln der Fall sein kann. Beim Pistenwechsel sind daher kleinere Lifte zu bevorzugen. Die Schwangere sollte sich langsam an die Umstellung gewöhnen können.
  • Klimaumstellung: Die Schwangere sollte sich einige Tage Zeit nehmen, um sich auf das ungewohnte Klima einzustellen.
  • Viele Pausen: Beim Skifahren sollten Schwangere sehr vorsichtig sein, auf einfachen Pisten bleiben, nicht zu schnell fahren und viele Pausen einlegen.
  • Überanstrengung meiden: Bei Unwohlsein, Schwindelgefühl oder Überanstrengung das Skifahren sofort abbrechen.
  • No-go Tiefschneefahren: Sprünge, Hügelpisten oder Tiefschneefahrten sind tabu, da dabei das Verletzungsrisiko höher ist.
  • Trinken: Zwischendurch viel trinken

Die richtige Ausrüstung

Beim Skifahren in der Schwangerschaft sollte die werdende Mutter ihre Skiausrüstung gut überprüfen und einstellen lassen. Möglicherweise ist sogar eine größere Skischuhgröße notwendig, da die Füße in der Schwangerschaft etwas anschwellen können. Auch die Bindungen sollten an das möglicherweise bereits veränderte Gewicht angepasst werden. Das Tragen eines Helmes zum Schutz des Kopfes ist Pflicht, eigene Protektoren für den Bauch gibt es nicht. Bei der Kleidung sollte sich die Schwangere im Zwiebelprinzip warm einpacken, also in mehreren Schichten, so dass die Kleidung schnell und unkompliziert an das tatsächliche Wetter angepasst werden kann. Unbedingt auch eine Skibrille tragen, da diese die Sicht im Schnee verbessert und somit hilft, die Unfallgefahr zu verringern.

Verletzungsrisiko

Bei Stürzen, Zusammenstößen oder Stößen in den Bauch, sollte auf jeden Fall so schnell wie möglich ein Ultraschall und ein CTG veranlasst werden. Auch wenn die Schwangere sich im ersten Moment gut fühlt, keine Schmerzen oder sonstige Anzeichen einer Verletzung aufweist, sollte auf Nummer sicher gegangen werden. Denn eine Blutung oder ein Bluterguss sind nicht immer gleich offensichtlich, die Blutung könnte mit etwas Verzögerung eintreten. Blutungen können aber eine Plazentaablösung ankündigen. Dann wären sofortige Maßnahmen notwendig.

Auch Knochenbrüche sind in der Schwangerschaft nicht ohne. Ein solcher würde immer eine Röntgenaufnahme notwendig machen - eine Behandlung auf die Ärzte in der Schwangerschaft lieber verzichten. Ob eine Röntgenaufnahme notwendig ist, wird von Fall zu Fall genau abgewogen. Muss ein Röntgen durchgeführt werden, wird der Beckenbereich der Mutter wie bei jedem anderen Röntgen auch aus Sicherheitsgrüngen mit einer Bleischürze abgeschirmt.

Bei Brüchen oder anderen Verletzungen könnte auch noch eine Operation mit oder ohne Narkose erforderlich werden. Behandlungen, die unter Einhaltung bestimmter Sicherheitsvorkehrungen stattfinden sind zwar möglich, sollten aber in diesen 9 Monaten ebenfalls lieber vermieden werden, da sie doch immer auch eine gewisse Gefahr für Mutter und Baby darstellen.

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, Annette Nolden, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 300 Fragen zur Schwangerschaft, B. Holzgreve, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 1001 Verbote in der Schwangerschaft, I. Müller-Hartburg, Goldegg Verlag, 3. Auflage, Wien, 2009
  • Sport und Schwangerschaft, U. Engels, S. Lambeck, N. Panitz, Limpert Verlag, 1. Auflage, Wiebelsheim, 2009

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