7 Prinzipien: Wie Sie Ihre Gefühle in den Griff bekommen

Ausgeglichenheit, Abgrenzung, Erwartungslosigkeit, Nichts-Tun, Standhaftigkeit, Gegenwehr, Selbstbeherrschung - das alles lernen wir von den Shaolin. (ichigin19 - Fotolia.com)

Wie gern hätten wir unser Leben im Griff und fühlen uns doch beherrscht von unseren Gefühlen. Wie man die eigenen negativen Gefühle überwindet und so zu mehr Ausgeglichenheit und Selbstbeherrschung kommt, lernt man von den chinesischen Shaolin – Mönchen.

Oft sind wir frustriert, steigern uns zu leicht in etwas hinein. Dadurch kommen wir kaum noch zur Ruhe, stehen ständig unter Anspannung. Wie aber reagiert man richtig auf Manipulationen und emotionalen Druck? Sind wir unseren Gefühlen ausgeliefert? Sind das überhaupt "unsere" Gefühle? Wie blocken wir ungewollte Emotionen ab? Mit 7 Prinzipien basierend auf den Lehren der Shaolin-Mönche erhalten Sie einen Wegweiser zu mehr emotionaler Selbstbestimmung.

 Überblick:

Prinzip 1 für ein selbstbestimmteres Leben: Ausgeglichenheit

"Lerne zu verhindern, dass dein Gegner dich mit deiner eigenen Kraft besiegt."

Emotionen an sich sind gut. Durch positive Emotionen und Glücksgefühle wird unser Leben reicher und farbenfroher. Sie sind nur dort fehl am Platz, wo sie unsere Entscheidungsfähigkeit beeinflussen. Emotionen können manipuliert und ausgenutzt werden. Damit verleihen wir anderen Menschen Macht über uns. Vor wichtigen Entscheidungen und in Konfliktsituationen, sollte man daher versuchen Abstand, Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Dann können wir klare und unbeeinflusste Entscheidungen treffen.

Prinzip 2 für ein selbstbestimmteres Leben: Abgrenzung

"Lerne, deine Handlungen von denen deiner Gegner zu trennen."

Geschlechterkampf, Konkurrenzkampf, Kampf am Arbeitsplatz - wir sind heute zahlreichen „Gefechten“ ausgeliefert. Die wirkungsvollste Gegenwehr besteht in der Abgrenzung. Jeder hat es selbst in der Hand, über sich, seine Zeit und Gefühle zu bestimmen. Denn mit unserem Zorn schaden wir in erster Linie nur uns selbst. Wir können häufig nicht direkt beeinflussen wie uns Menschen behandeln oder welche Dinge passieren, aber uns steht frei, wie wir darauf reagieren möchten. Nehmen Sie sich Zeit um zu überprüfen, ob Sie eine schlechte Nachricht wirklich betrifft oder ob Sie sich völlig unnötig ärgern.

Prinzip 3 für ein selbstbestimmteres Leben: Erwartungslosigkeit

"Lerne, dein Tun von Erwartungen zu befreien."

Viele Leute verhalten sich nicht so wie wir es erwarten. Doch wer nicht tut, was wir erwarten, beeinträchtigt am Ende nur uns selbst. Denn der Ärger über nicht erfüllte Erwartungen ist immer unser eigener. Das können Personen auch gezielt ausnutzen, wenn sie unsere Erwartungen kennen und sich bewusst dagegen verhalten. Wirklich hinderlich wird Erwartung dann auch dort, wo wir uns darauf versteifen, dass eine Sache auf eine exakt bestimmte Art passieren muss. Tritt das nicht ein, dann ist die Frustration häufig sehr groß. Daher sollte man versuchen sich auch ein Stück weit von seinen Erwartungen zu lösen.

Prinzip 4 für ein selbstbestimmteres Leben: Nichts-Tun

"Lerne, das Nicht-Tun Angriff und Verteidigung in einem ist."

In vielen Situationen des täglichen Lebens sind wir verärgert. Doch während wir Europäer der Meinung sind, jeden Angriff umgehend mit einem Gegenangriff parieren zu müssen, haben die Asiaten eher verstanden, dass es anders auch einfacher geht. Am besten reagiert man oft, indem man nicht reagiert. Man kann auch einfach einen Schritt zurücktreten und den Gegner damit der Lächerlichkeit preisgeben. Wer auch immer sein Gegenüber auf egal welche Art attackiert, möchte einen in eine Auseinandersetzung hineinziehen. Bleibt aber nun der erwartete und für einen Kampf benötigte Widerstand einfach aus, bekämpfen wir den Gegner mit seiner eigenen Kraft. Und können ihn auf diese Art meist kampflos besiegen.

Prinzip 5 für ein selbstbestimmteres Leben: Standhaftigkeit

"Lerne, ausschließlich nach deinen Überzeugungen zu handeln."

Häufig bekämpfen wir uns auch selbst, indem wir gegen unsere Vorstellungen und Wünsche handeln. Das aber tun wir meistens gar nicht, weil uns tatsächlich jemand zwingt, sondern vielmehr, weil wir glauben, dass ein anderer es so möchte. Oft handeln wir auf eine Art, weil wir hoffen, dass andere dies gut finden. Dabei schaden wir uns manchmal mit diesem Verhalten selbst – etwa wenn man ohne Auftrag länger im Büro bleibt, oder etwas anderen zuliebe besonders aufwendig dekoriert, oder in viele verschiedene Geschäfte läuft um das "perfekte" Geschenk zu finden. Häufig werden diese Extrastunden nicht wertgeschätzt. Daher ist es kraftschonender, etwas nur zu tun, weil man es selbst richtig findet und es tun will und nicht um anderen zu gefallen.

Prinzip 6 für ein selbstbestimmteres Leben: Gegenwehr

"Lerne, Kämpfe zu beenden, bevor sie begonnen haben."

Gegenwehr bedeutet, die mentalen Vorbereitungen rechtzeitig zu treffen, um im Falle des Falles über ein gut eingeübtes Arsenal an Antworttechniken zu verfügen. Durch gute Vorbereitung auf mögliche verbale Angriffe, kann man Kämpfe schon verhindern, bevor sie ausarten. Wir können unseren Geist auch fit machen für die Möglichkeit einer Auseinandersetzung. Hilfreich ist dabei das Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten und das Wissen um die Tatsache, dass auch wir unserem Gegner durchaus gefährlich werden können. Spielen Sie bestimmte Auseinandersetzungen schon vorher im Kopf durch und überlegen Sie, wie Sie reagieren und antworten möchten.

Prinzip 7 für ein selbstbestimmteres Leben: Selbstbeherrschung

"Lerne, deine Gefühle nur selbst zu kontrollieren."

Selbstbeherrschung ist die Fähigkeit, jederzeit das eigene Gefühlsleben nach den persönlichen Vorstellungen zu gestalten und es eben nicht durch andere gestalten zu lassen. Emotionen sind in vielen Situationen nicht selbst- sondern fremdbeherrscht. Dabei muss man ein Prinzip verstehen, dass sich auch in der Standhaftigkeit zeigt: "Wer nicht selbst gestaltet, der wird gestaltet." Denn wir können uns entscheiden wie nahe wir Attacken an uns heranlassen. Hilfe bietet dabei wieder ein bereits bekanntes Prinzip: Spielen Sie verschiedene und ungewohnte Situationen in Gedanken durch. Damit wird man vertrauter mit Gegebenheiten ohne sie erlebt zu haben. Diese Technik der Simulation versetzt uns gedanklich in eine Lage, in der wir geübter und bewusster reagieren können.

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Quellen

  • Moestl, Bernhard: Denken wie ein Shaolin, Knaur Verlag, München, 2016

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