Schwerhörigkeit im Alter

Altersschwerhörigkeit ist ein relativ weit verbreitetes Phänomen. (Ingo Bartussek - Fotolia.com)

Mit den Lebensjahren nimmt die Hörfähigkeit bei den meisten Menschen ab, was zu sozialer Isolation und Depressionen führen kann. Doch es gibt mehrere Möglichkeiten, wieder in die Welt der Töne einzusteigen.

Schwerhörigkeit im Alter ist eine häufige Erscheinung, die etwa ab dem 50. Lebensjahr einsetzt: In Europa leben etwa 30 Prozent der 70-jährigen Männer und 20 Prozent der gleichaltrigen Frauen mit Hörverlust, im Alter von 80 Jahren sind es 55 bzw. 45 Prozent.

Hörverlust erkennen

In der Regel gehen zuerst die hohen Töne verloren. Dazu gehören Alarmsignale oder Telefonläuten – aber auch Sprache, denn sie enthält viele hohe Frequenzen. Besonders trifft das auf Konsonanten zu wie etwa s, t, k, p und f. Sie zu verstehen, kann schwierig werden. Ein weiterer Indikator für Schwerhörigkeit im Alter ist, dass Männerstimmen deutlicher erscheinen als Frauenstimmen, da bei den Frauen der Anteil an hohen Frequenzen in der Sprache höher ist. Generell ist es schwierig, in lauter Umgebung gut zu hören. Stimmen können sich verzerrt und genuschelt anhören; zudem kann es zu Klingeln in den Ohren kommen, ebenso zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen. Wenn diese Symptome auftreten, sollte jedenfalls der Gang zum Arzt am Programm stehen.

Ursachen des altersbedingen Hörverlusts

Gründe für die Schwerhörigkeit im Alter sind meist altersbedingte Veränderungen im Hörsystem wie etwa der Verlust von Nervenzellen im Innenohr. Eine Rolle spielen auch Lärmbelastung aktuell oder in früheren Jahren und vorangegangene Erkrankungen wie Mittelohrentzündungen oder bestehende Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus. Raucher leiden eher an altersbedingter Schwerhörigkei als Nichtraucher. Auch einige Medikamente können das Gehör schädigen.

Folgen von Schwerhörigkeit im Alter

Schwerhörigkeit sollte so früh wie möglich behandelt werden, da sie ernste Folgen haben kann. Die frühe Behandlung bleibt allerdings meist aus, denn zu Beginn ist der Hörverlust kaum merkbar und lässt sich relativ gut kompensieren: Der Radio wird lauter gestellt und bei der Kommunikation verstärkt auf Mimik und Gestik gesetzt. 

Doch die Schwerhörigkeit schreitet in den allermeisten Fällen voran und bringt mehrere Nachteile und auch Gesundheitsrisiken mit sich: Zuerst leidet natürlich die Kommunikation mit Verwandten, Freunden, aber auch anderen wichtigen Personen wie etwa dem Arzt. Telefonieren wird immer schwieriger, da das Ablesen von den Lippen des Gegenübers nicht als Hilfestellung verwendet werden kann.

In weiterer Folge werden Sozialkontakte gemieden. Viele Menschen mit unbehandeltem Hörverlust ziehen sich zurück und nehmen immer seltener am sozialen Leben teil. Studien zeigen, dass Schwerhörigkeit das Risiko von Depressionen, Demenz und auch Stürzen erhöht. Da schwerhörige Menschen Alarmsignale nicht mehr wahrnehmen können, steigt auch das Unfallrisiko im Straßenverkehr.

Ohren schützen und Hörverlust behandeln

Doch es gibt Wege, seine Ohren zu schützen, indem zu laute Musik oder Lärmbelastung während der Arbeit schon in jungen Jahren vermieden werden. Wer gerne auf Konzerte geht, sollte immer einen Gehörschutz dabeihaben. Auch regelmäßige Bewegung und das Vermeiden von Tabakrauch und übermäßigem Alkoholkonsum helfen, die Ohren gesund zu halten.

Ist die Schwerhörigkeit bereits vorhanden, gibt es verschiedene technische Hilfsmittel: 

  • Hörgeräte sind in der Regel das erste Mittel der Wahl bei Schwerhörigkeit im Alter. Sie nehmen den einkommenden Schall aus der Umgebung auf, verstärken ihn und geben ihn in den Gehörgang ab. Auf dem Markt gibt es so genannte HdO-Hörgeräte (Hinter dem Ohr), IdO-Geräte (Im Ohr) und RIC-Hörgeräte (Receiver in Channel). Die Kosten werden zum Teil von der Krankenkasse getragen.
  • Wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen, gibt es die Möglichkeit eines Hörimplantats. Das Implantat ist das bisher einzige System, das einen menschlichen Sinn ersetzen kann. Es besteht aus dem eigentlichen Implantat, das chirurgisch hinter dem Ohr unter der Haut eingesetzt wird, und einem Prozessor, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird. Derzeit stehen mehrere Implantat-Systeme zur Verfügung, wie etwa das Cochleaimplantat, das Mittelohrimplantat und die Elektrisch Akustische Stimulation. Welches Gerät im individuellen Fall sinnvoll ist, wird nach einer genauen Untersuchung beim HNO-Spezialisten eruiert. Die Operation ist ein Routineeingriff und kann unabhängig vom Alter durchgeführt werden. Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Hörimplantationen werden in Österreich an 14 Kliniken durchgeführt, u.a. am AKH Wien, LKH St. Pölten, Klinikum Wels-Grieskirchen und der Klinik Innsbruck. Eine vollständige Liste finden Sie auf www.medel.com/at/clinic-finder.

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