Schwangerenvorsorge durch Hebammen

Schwangerenvorsorge durch Hebammen: Schwangere mit Babybauch
Die Hebamme spielt bei der Geburt eine ebenso große Rolle wie der Arzt. (Margarita Borodina - Fotolia.com)
Seit 1. November 2013 haben schwangere Frauen in Österreich das Recht auf einen Beratungstermin bei einer Hebamme im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. Was bei uns völlig neu ist, ist bei unseren deutschen Nachbarn schon lange Usus.

Dort können sogar sämtliche Vorsorgeuntersuchungen wahlweise von Arzt oder Hebamme durchgeführt werden. Für viele Frauen ist die Betreuung durch Hebammen ein völlig anderes Gefühl, da diese nicht mit Ultraschall die Lage und das Befinden des Babys erkundet, sondern mit Händen und einem Hörrohr aus Holz. Doch das ungewöhnliche Equipment bedeutet nicht unbedingt, dass weniger erkannt werden kann.

Ist das erste Kind unterwegs, denken viele in erster Linie, dass sie sich um einen guten Arzt für die Geburt kümmern müssen. Spätestens im Kreißsaal wird schnell klar, dass die Hebamme bei diesem großen Ereignis eine viel wichtigere Rolle spielt. Zumindest so lange es sich nicht um einen Kaiserschnitt handelt.

Die "weisen Frauen", wie sie früher genannt wurden, waren es schließlich auch, die jahrhundertelang Mütter bei ihrer Niederkunft betreut haben. Und auch heute ist ihr Wissen alles andere als verstaubt. Vielmehr bedienen sie sich moderner Mittel, wie zum Beispiel Harnuntersuchungen und kombinieren diese mit Tast-Untersuchungen und Abhorchen mit dem Hörrohr. Zudem hat eine Schwangerenbetreuung durch die Hebamme auch einen psychologischen Charakter. Hebammen geben Tipps für den Alltag und das Zusammenleben mit Partner und Geschwisterkindern während der Schwangerschaft.

Wer heute Hebamme werden möchte, absolviert ein 6-semestriges Bachelor-Studium an einer Fachhochschule, in dessen Rahmen Fächer wie Anatomie, Physiologie, Pflege, Anästhesie, Entwicklung oder etwa Ernährung aber auch Praktika am Lehrplan stehen.

Was macht eine Hebamme?

Schwangerschaftsvorsorge durch eine Hebamme beinhaltet nicht nur die medizinische Betreuung, sondern auch Beratung und Information über Alltagsdinge für die werdende Mutter. So lange eine Schwangerschaft normal verläuft, kann die Hebamme in sämtlichen Angelegenheiten kontaktiert werden.

Laut dem österreichischen Hebammengesetz gehören folgende Aufgaben zur Betreuung von Schwangeren durch Hebammen:

Familienplanung

Kaum jemand kennt sich so gut mit dem Körper der Frau aus, wie Hebammen. Somit sind sie der ideale Ansprechpartner, wenn es um das Thema Verhütung geht. Einerseits können sie über die Methoden der natürlichen Familienplanung und die möglicherweise damit verbundenen Schwierigkeiten informieren. Andererseits wissen sie auch genau über die hormonelle Verhütung und deren Methoden Bescheid. Hebammen sind aber keine Ärzte und können keine Medikamente wie die Pille verschreiben. In punkto Kinderplanung informieren sie Frauen, die gerne schwanger werden wollen, was diese dabei beachten müssen, wie z.B. Folsäure bereits mindestens einen Monat vor Eintritt der Schwangerschaft einnehmen, oder welche Impfungen notwendig sind. Auch wenn eine Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum nicht eintreten will, kann bei ihnen um Rat gefragt werden.

Betreuung während der Schwangerschaft

Einer Hebamme steht im Unterschied zum Arzt kein Ultraschallgerät zur Verfügung, um festzustellen, ob eine Frau schwanger ist. Hebammen testen vielmehr mittels Teststreifen im Urin, ob eine intakte Schwangerschaft vorliegt. Hebammen können dann gleich umfassend über natürliche Methoden zur Bekämpfung der Symptome in der Frühschwangerschaft wie Übelkeit, eigenartige Gelüste, Geruchsempfindlichkeit etc. informieren.

Im weiteren Schwangerschaftsverlauf kann die Hebamme das Wachstum des Kindes mit den Leopold’schen Handgriffen überwachen. Denn durch dieses Abtasten des Bauches kann sie nicht nur die Lage des Kindes bestimmen, sondern auch die Größe. Gegen Schwangerschaftsende werden solche Aussagen freilich immer leichter. Da es bis in die 1970er Jahre keine Ultraschallgeräte gegeben hat, war diese Untersuchung damals Standard. Ein großer Vorteil ist, dass sie ohne Strom und Technik auskommt. Viele Eltern sind heute ganz beeindruckt, wenn die Hebamme ihnen zeigt, wie sie selbst feststellen können, wo sich Popo, Kopf oder Rücken des Babys erfühlen können.

Mittels Dopton, einem kleinen elektronischen Gerät, und Hörrohr können auch die Herztöne des Kindes hörbar gemacht und so der Zustand des Babys beurteilt werden.

Die Hebamme behält aber auch Blutdruck und Gewicht der Schwangeren im Auge. Auch der Harn wird regelmäßig auf Eiweiß untersucht, um Infektionen sowie beginnende Schwangerschaftserkrankungen wie Gestose (Schwangerschaftsvergiftung), die oft mit Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, erhöhtem Blutdruck verbunden sind, so früh wie möglich zu erkennen. In Gesprächen werden Alltagswehwehchen und -probleme zur Sprache gebracht, und die Hebamme hilft mit Tipps zu natürlichen Heilmethoden, erklärt, was im Körper vor sich geht und erteilt Ratschläge bei partnerschaftlichen Problemen. Sie informiert über Sinn und Möglichkeiten von Methoden der Pränataldiagnostik und verweist bei Problemen und Verdacht auf Erkrankungen auf weiterführende Ansprechpartner.

Geburtsvorbereitung

Üblicherweise informieren sich die werdenden Eltern im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen über die bevorstehende Geburt. Diese werden entweder wöchentlich oder in Blöcken am Abend oder am Wochenende von Hebammen abgehalten. Dabei erfahren die Eltern, was bei der Geburt und in der Zeit danach auf sie zukommt, also: Was passiert physiologisch bei der Geburt, wie fühlt sich das an, wie geht man mit den Schmerzen um, welche Möglichkeiten der Schmerzlinderung gibt es, aber auch wie funktioniert Stillen, wie pflege ich mein Baby und was braucht mein Baby eigentlich? Zentrale Punkte sind auch die Schulung der Körperwahrnehmung und das Erlernen von Atemübungen, die es ermöglichen mit den Schmerzen während der Geburt besser umzugehen. Bei Kursen in Krankenhäusern gehört dazu für gewöhnlich eine Besichtigung der Geburtenstation und des Kreißsaales.

Mutter-Kind-Pass und Hebammen

In Österreich müssen die 5 Kontrolluntersuchungen im Rahmen des Mutter-Kind-Pass von Gynäkologen durchgeführt werden, da an deren Besuch auch der Erhalt des Kinderbetreuungsgeldes gekoppelt ist.

Seit 1. November 2013 haben schwangere Frauen jedoch die Möglichkeit, einmal im Verlauf ihrer Schwangerschaft eine kostenlose Beratung von einer Hebamme in Anspruch zu nehmen. Diese sollte zwischen der 18. und der 22. Schwangerschaftswoche erfolgen und ist nicht verpflichtend.

Kosten der Schwangerenvorsorge durch Hebammen

Eine Beratung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes ist grundsätzlich kostenlos. Die Kosten jeder weiteren Betreuung während der Schwangerschaft durch eine Hebamme sind selbst zu tragen. Diese variieren je nachdem, ob man selbst in die Ordination der Hebamme geht oder ob die Hebamme einen Hausbesuch macht.

Ausnahme: Ist eine ambulante Geburt geplant, stehen der Frau zwei Hausbesuche oder Besuche in der Ordination während der Schwangerschaft zu, bei einer geplanten Hausgeburt sind es sogar vier Besuche. Bei einer Hebamme mit Kassenvertrag verrechnet die Hebamme die Kosten direkt mit der Krankenkasse. Für Hausbesuche und Ordinationen gibt es unterschiedliche Tarife. Für Sonn- und Feiertage gibt es einen Aufschlag. Bei einer Wahlhebamme muss die Schwangere die Kosten erst selbst tragen und bekommt dann 80 % des Kassentarifes rückerstattet.

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