Schwanger und Partner - eine Familie werden

Schwanger und Partner - eine Familie werden: Partner halten gemeinsam Babybauch
Die Beziehung muss in der Schwangerschaft nicht leiden: Selbst Sex ist weiterhin möglich. (Johannes Hloch)
Eine Schwangerschaft ist eine der intensivsten Phasen in der Beziehung zum Partner: Sie ist gekennzeichnet von Höhepunkten, denn für die meisten Paare ist "Eltern-Werden" eine bewusst gewählte gemeinsame Entscheidung und Erfahrung, die sie einander sehr nahe bringt.

Doch die Vorfreude wird auch begleitet von Sorgen um die Zukunft, das noch nicht geborene Kind, Stimmungsschwankungen der Frau oder Veränderung von sexuellen Bedürfnissen. All das kann für Missverständnisse sorgen, aus denen leicht Beziehungsstress entsteht. Die Liebe von Mann und Frau zueinander kann in der Schwangerschaft also stark schwanken - oft auch abhängig vom jeweiligen Schwangerschaftsstadium.

Liebe in Trimestern

Im Körper der Frau reift neues Leben heran und dafür stellt er sich hormonell um. Das hat Auswirkungen auf die Befindlichkeiten der Frau. Je nachdem, in welchem Trimester sie sich befindet, können diese ganz verschieden ausfallen.

Erstes Trimester

Wenn die Frau ihrem Liebsten mitteilt, dass sie schwanger ist - insbesondere wenn das Paar darauf schon lange sehnsüchtig wartet -, ist das ein ganz besonderer Augenblick, der meist zu Höhenflügen in der Partnerschaft führt. Doch für die werdenden Eltern sind die ersten 3 Monate oft auch eine schwierige Phase: Für den Partner der Schwangeren ist noch nichts vom Kind zu sehen oder zu spüren. Dennoch wächst neues Leben in ihr heran, und so scheint die Frau manchmal wie verwandelt und ist viel sensibler. Sie ist nun mal "in anderen Umständen" und Männer sollten Verständnis für die manchmal nicht verständlichen Gefühlsausbrüche ihrer Partnerin haben und liebevoll darauf eingehen.

Nicht selten haben Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft vermehrt mit typischen Anfangsproblemen wie Übelkeit und Erschöpfung zu tun. Es dauert seine Zeit, bis sich der Körper auf die Schwangerschaft einstellt. Wenn es der Frau dadurch nicht gut geht oder sie ständig müde ist, hat sie auch nicht besonders viel Lust auf Sex. Männer sollten auch dafür Verständnis haben und sich statt wilder Liebesspiele lieber mit ihrer Frau unter eine Decke kuscheln und sie zärtlich verwöhnen.

Zweites Trimester

Im zweiten Drittel der Schwangerschaft geht es den meisten werdenden Müttern hingegen richtig gut. Der Körper hat sich auf die besonderen Umstände eingestellt: Die Augen leuchten, das Haar glänzt, die Haut ist rosig, die Brüste sind prall. Dennoch fühlen sich manche Schwangere oft einfach nur dick und fragen sich, ob der Partner sie "so" noch attraktiv findet. Doch darüber müssen sich Schwangere keine Sorgen machen: Seit Jahren kommen alle Umfragen zum Thema "Babyrundungen" unter Männern zu dem gleichen Ergebnis: Sie finden ihre schwangere Partnerin wunderschön. Mann und Frau haben sich auch mental auf die anderen Umstände eingestellt und die Geburt liegt noch in weiterer Zukunft - ihre Liebe zueinander festigt sich.

Die meisten werdenden Mütter fühlen sich im zweiten Trimester sehr wohl in ihrer Haut, tragen stolz ihren Babybauch vor sich her und haben eine besonders positive Ausstrahlung. Es ist auch möglich, dass sich ihre Libido steigert, da körperliche Veränderungen etwa für eine bessere Durchblutung der Klitoris und Vagina sorgen und auch die größer werdenden Brüste sensibler auf Reize reagieren - beste Voraussetzungen für guten Sex. Auch das Thema Verhütung spielt jetzt keine Rolle mehr, beide Partner können sich fallen lassen. Für viele Paare ist dies die schönste Zeit der Schwangerschaft mit vielen Höhepunkten.

Der Freude am Sex steht medizinisch gesehen nichts im Wege, wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, der Gebärmutterhals fest verschlossen ist, keine Blutungen auftreten und kein Fruchtwasser austritt. Im Einzelfall - etwa mehrere Aborte vor der bestehenden Schwangerschaft - wird der Arzt Paare darauf hinweisen, falls Vorsicht beim Sex geboten ist. Normalerweise lösen Geschlechtsverkehr und Orgasmus samt Kontraktionen der Gebärmutter keine frühzeitigen Wehen aus; sie steigern nicht das Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt. Erlaubt ist, was Spaß macht und nicht wehtut. Der Penis kann das Kind im Mutterleib nicht berühren. Es ist in Fruchtblase und der weichen Gebärmutter wohl geschützt. Stöße können es nicht erschüttern.

Drittes Trimester

Im letzten Drittel der Schwangerschaft geht es im wahrsten Sinne des Wortes rund: Wachsender Bauch und die mögliche steigende Libido erfordern Fantasie im Bett. Stellungen, bei denen der Mann nicht auf den Babybauch drücken kann, sind dann günstig - etwa sitzende oder stehende Haltungen oder die "Löffelchenposition". Die meisten Beziehungen werden im Endstadium der Schwangerschaft besonders intensiv, denn die Elternschaft steht kurz bevor - eine aufregende Zeit, die intensive Gefühle zulässt. Paare sollten sie nutzen, um Bedürfnisse, Erwartungen und Ängste über ihre Zukunft als Familie anzusprechen. Die letzten Schwangerschaftsmonate sollten deshalb hauptsächlich für die Zweisamkeit reserviert sein - denn in den ersten Wochen nach der Geburt ist die stillende Mutter quasi rund um die Uhr mit ihrem Kind beschäftigt. Für Väter bedeutet dies eine zeitweilige Vernachlässigung.  

Durch den immer dicker werdenden Bauch treten körperliche Einschränkungen der Frau zunehmend in den Vordergrund. Jeder Handgriff, den sie nicht tun muss, ist eine Erleichterung. Männer können das Vertrauen ihrer Partnerin zu ihnen stärken, indem sie sich jetzt engagieren: Putzen und Einkaufen gehören dazu genauso wie Massagen, die dem Körper der Frau gut tun. Denn schwere Beine und Füße sowie Rückenschmerzen sind in der letzten Phase der Schwangerschaft keine Seltenheit. Indem sich der Mann verstärkt um seine kurz vor der Entbindung stehende Partnerin kümmert, entsteht Harmonie. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die momentane Beziehung, sondern auch auf die bevorstehende Elternschaft und damit auf das Kind aus.

Reden schafft Missverständnisse aus der Welt

Männer und Frauen verleihen ihren Gefühlen sehr unterschiedlich Ausdruck. Während die Frau gerade in der Schwangerschaft hormonbedingt sehr emotional reagiert, zeigen Männer ihre Vorfreude auf das Baby oft nicht deutlich bzw. unverständlich für die Schwangere. Unterschiedliche Verhaltensweisen von Frau und Mann können zu Missverständnissen führen, die in Beziehungsprobleme münden. Das bedeutet Stress - und Stress ist weder gut für Mutter und Vater, noch für das Kind. Partner sollten versuchen, viel miteinander zu sprechen, um das Konfliktpotenzial in der Schwangerschaft zu entschärfen.

Es ist wichtig, Beziehungsprobleme möglichst in der Schwangerschaft zu lösen. Ist das Baby erst einmal auf der Welt, kommen dazu noch schlaflose Nächte - für die Lösung von Beziehungsproblemen bleibt dann erst mal wenig Zeit.

Wenn die Beziehungsprobleme größer sind, sollten werdende Eltern nicht den Weg zu Beratungsstellen scheuen.In Österreich gibt es über 390 Familien- und Partnerberatungsstellen von unterschiedlichsten Trägerorganisationen, die aus dem Budget des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend gefördert werden.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Beate Lenzhofer

Hebamme

Quellen

  • Die Hebammen-Sprechstunde, I. Stadelmann, Stadelmann Verlag, 8. korr. Auflage, Wiggensbach, 2005
  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer, 7. Auflage, München, 2013
  • Schwangerschaft und Geburt, B. Gebauer-Sesterhenn, T. Villinger, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2012

Mehr zum Thema