Schwanger in warme Gebiete reisen

Schwanger in warme Gebiete reisen: schwangere Frau am Strand
Bevor Schwangere in heiße Regionen reisen, sollten sie genau planen. (dubova - Fotolia.com)
Häufig fahren werdende Eltern während der Schwangerschaft in den Urlaub. Meistens geht es ab in den Süden, ein bisschen Sonnen tanken und Relaxen stehen dann am Programm. Wer schwanger in die Wärme reist, muss allerdings einige Punkte beachten.

Was gehört in den Koffer, wie soll die Mutter in spe mit großer Hitze umgehen und was sollte sie in dieser Zeit eher vermeiden? Denn die Haut einer Schwangeren ist empfindlich. Auch ist das Baden im Meer in dieser Zeit einem Pool zu bevorzugen. Nicht zuletzt auch deshalb ist die Planung besonders wichtig. Zeitpunkt und Ziel der Reise wollen gut gewählt sein. Möglichst nicht zu weit weg, damit die Anreise nicht zu beschwerlich wird und die medizinische Versorgung gewährleistet ist.

Wahl von Urlaubsort und Zeitraum

In den ersten Wochen der Schwangerschaft geht es Frau meistens ohnehin nicht so gut, sie ist häufig müde. Nicht gerade der beste Zeitpunkt, um einen Urlaub zu zweit optimal auszukosten. Besser sind das 2. oder sogar das 3. Schwangerschaftsdrittel, um noch einmal wegzufahren. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel (13. bis 24. SSW) fühlt sich die werdende Mutter sehr wohl in ihrer Haut und kann sich noch gut bewegen. In dieser Zeit gibt es auch noch keine Probleme mit dem Fliegen, Schifffahrtsgesellschaften verweigern die Mitreise allerdings oft schon ab der 24. Woche. Nach der 30. Schwangerschaftswoche ist es wichtig, auf ein gutes Krankenhaus im Reiseort zu achten. Auch kurz vor dem Geburtstermin ist eine Reise noch möglich. Dann aber nur noch im Auto oder per Bahn.

Generell sollte man folgende Punkte bei der Planung beachten:

  • Möglichst innerhalb Europas
  • Fernreisen: sind eher zu vermeiden, da sie oft auch Impfungen erfordern, welche in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden können
  • Auf gute Erreichbarkeit achten: Bahnreisen werden meist am angenehmsten empfunden, da kein stundenlanges Sitzen erforderlich ist wie bei Flug- oder Autoreisen. Ansonsten gilt es viele Pausen zu machen. Siehe: Wahl des richtigen Verkehrsmittels
  • Hygienestandards: im Urlaubsland sollten gute Hygieneverhältnisse sein
  • Keine Experimente beim Essen: die Ernährung sollte nicht allzu sehr von der gewohnten abweichen (z.B. keine ungewohnten Gewürze), um Durchfall vorzubeugen
  • Krankenhaus in der Nähe: ein Krankenhaus sollte gut erreichbar sein, wenn möglich mit Perinatalstation
  • Mutter-Kind-Pass: Der Mutter-Kind-Pass sollte unbedingt mit ins Gepäck
  • Urlaubsapotheke: Die Reiseaoptheke sollte am besten gemeinsam mit dem Arzt packen und bei der Versicherung nachfragen, ob der Versicherungsschutz im Ausland gedeckt ist 
  • Viel Ruhe: Bei Reisen in der Schwangerschaft keine stressigen Programme erstellen, sondern die Tage in Ruhe genießen

Wie viel Hitze ist zu viel?

Die direkte Sonne sollte gerade in der Schwangerschaft eher vermieden werden, vor allem um die Mittagszeit. Denn dabei kann es nicht nur zu einer Schädigung der Haut in Form von Sonnenbrand oder Flecken kommen, sondern auch der Körper wird erwärmt. Und das wiederum kann den Kreislauf belasten. Außerdem reduziert UV-Strahlung den Anteil an Folsäure im Körper, welche in der Schwangerschaft wichtig ist, um einen offenen Rücken (Spina bifida) beim Kind zu vermeiden. Daher gilt:

Sonne und Haut

Die Haut ist in der Schwangerschaft besonders empfindlich. Schuld daran ist eine stärkere Produktion des melanozytenstimulierenden Hormons Melanotropin, welches die Bildung des Pigments Melanins anregt. Dieses ist für eine dunklere Färbung der Haut zuständig. Die Färbung verläuft aber nicht zwingend gleichmäßig, sondern gerade in der Schwangerschaft kommt es vielfach zum Auftreten unschöner Flecken. Vor allem das Gesicht ist gerne betroffen. Durch das Vermeiden der starken Mittagshitze und dem Auftragen von hohem Lichtschutzfaktor, kann die Gefahr reduziert werden. Im Normalfall verschwinden entstandene Punkte und Flecken einige Zeit nach der Geburt wieder. Es handelt sich in jedem Fall um ein rein optisches Problem.

Ernährung im Urlaub

Die alte Regel "Cook it, boil it, peel it or leave it", also "koch es, brate es, schäle es oder lass es" hat bis heute nicht an Gültigkeit verloren. Die Qualität des Trinkwassers ist in den Mittelmeerländen nicht überall gleich hoch und wenn der Darm schlechteres Wasser nicht gewöhnt ist, kann Durchfall die Folge sein. Schwangere Urlauberinnen sollten besonders vorsichtig sein. Deshalb gibt es folgende Regeln zu beachten:

  • Obst und Gemüse vor dem Verzehr immer schälen
  • Kein Leistungswasser trinken und auch kein Wasser mit Eiswürfeln, da diese aus Leitungswasser bestehen könnten
  • Getränke generell nicht zu kalt genießen
  • Auf gute Fleischqualität und frisches Fleisch achten

Beachten Sie auch die Verbote beim Essen in der Schwangerschaft und verzichten Sie z.B. auf Rohmilchprodukte, Weichkäse, rohen Fisch und rohes Fleisch etc.

Pool als Quelle für Scheidenpilz?

Beim Baden in Hotelpools besteht die Möglichkeit sich eine Scheideninfektion zuzuziehen. Solche Pilzinfektionen können im schlimmsten Fall eine Frühgeburt auslösen. Ob ein Pool mit Keimen belastet ist oder nicht, ist mit freiem Auge leider nicht ersichtlich. Der Schutzmechanismus der Scheide ist während der Schwangerschaft zwar etwas herabgesetzt, aber dennoch vorhanden. Und das Schwimmen selbst tut der werdenden Mutter sehr gut, deswegen muss nicht darauf verzichtet werden. Tabu sind hingegen Whirlpools, denn diese sind in vielen Fällen richtige Keimschleudern.

Das Baden im Meerwasser ist hingegen völlig unbedenklich, da sich die Pilze im Salzwasser nicht gut vermehren können.

Auch der Besuch einer öffentlichen Toilette kann zur Pilzfalle werden. Deswegen gilt es auf ausreichend Hygiene zu achten, sich nicht auf öffentliche Toiletten zu setzen und nach dem Besuch die Hände gut zu waschen. Sollte die schwangere Frau tatsächlich ein Jucken im Intimbereich verspüren, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen, der ihr dann entsprechende Medikamente verschreiben kann.

Tampons schützen nicht vor einer Infektion

Der Rat einen Tampon zum Schwimmen zu verwenden ist unsinnig, da ein normaler Tampon das Poolwasser aufsaugen würde und die Keime noch besser in Kontakt mit dem Gebärmutterhals bringen würde, was die Gefahr einen Infektion eher noch erhöhen würde. Speziell wasserabweisende Tampons können die Scheide völlig verschließen und haben deswegen auch keinen größeren Nutzen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Der Brockhaus Gesundheit, F.A. Brockhaus GmbH., 7. Auflage, Leipzig, Mannheim, 2006
  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 300 Fragen zur Schwangerschaft, B. Holzgreve, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 1001 Verbote in der Schwangerschaft, I. Müller-Hartburg, Goldegg Verlag, 3. Auflage, Wien, 2009
  • Warum Schwangere nicht umkippen..., V. Ragosch, B. Zebothsen, Südwest-Verlag, 1. Auflage, München, 2009
  • Fragen und Antworten zur Schwangerschaft (03.07.2014)

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