Schlaganfall trifft zunehmend Jüngere

Bluthochdruck (Hypertonie): Hand, die ein Messgerät hält
Bluthochdruck ist einer der Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall - auch bei Jüngeren. (apops - Fotolia.com)

Fast jeder 10. Betroffene ist erst unter 50 Jahre alt. Hauptursachen für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol.

Jährlich erleiden ungefähr 24.000 Menschen in Österreich einen Schlaganfall (Insult), das Durchschnittsalter der Schlaganfall-Patienten liegt bei 74 Jahren, aber die Zahl der Schlaganfälle bei 45- bis 50- Jährigen nimmt stetig zu. Auch weltweit gesehen sind zunehmend Jüngere mit einem Schlagfall konfrontiert: Wie aus der kürzlich veröffentlichten  weltweiten "Global Burden of Disease"-Studie hervorgeht, betrug der Anteil der 20- bis 64-Jährigen Schlaganfallbetroffenen 1990 noch 25 %, 2010 entfielen bereits 31 % aller Schlaganfälle auf diese Altersgruppen. Weltweit tritt bereits jeder 20. Schlaganfall bei Jugendlichen auf.

Risikofaktor Lebensstil

Die Studie hat zwar nicht die Gründe für die Zunahme bei Jüngeren erforscht, Wissenschafter gehen aber davon aus, dass bestimmte Risikofaktoren immer öfter auch bei den unter 50 jährigen einen Insult auslösen. "Dazu zählen Bluthochdruck, hohes LDL-Cholesterin, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, zu viel Alkohol und auch Rauchen. Bei vielen ist noch dazu die genetische Veranlagung gegeben, besonders wenn schon Schlaganfälle in der Familie aufgetreten sind. Dieser Mix aus verschiedenen Ursachen trägt wesentlich dazu bei, dass  zunehmend auch Jüngere einen Schlaganfall erleiden. Früher war der Schlaganfall in erster Linie eine Erkrankung des höheren Alters", erklärt Prim. Dr. Philipp Werner, Leiter des Instituts für Akutneurologie und Schlaganfall (IANS) mit Stroke Unit, LKH Feldkirch.

Bei jungen Menschen denkt keiner an Schlaganfall

Besonders Jüngere denken bei Beschwerden wie Lähmungserscheinungen, plötzlichem Schwindel oder Taubheitsgefühlen nicht an einen Schlaganfall und suchen viel zu spät ärztliche Hilfe. Allerdings sind die ersten 4,5 Stunden nach dem Ereignis entscheidend um u.a. mit Hilfe der Thrombolyse möglichst viel Gehirngewebe zu retten und Folgeschäden wie Lähmungen und Sprachstörungen so gering wie möglich zu halten.

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Philipp Werner

Neurologie

Leiter des Instituts für Akutneurologie und Schlaganfall (IANS) mit Stroke Unit, LKH Feldkirch

Quellen

  • Feigin VL et al.: Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study 2010 (GBD 2010) and the GBD Stroke Experts Group. Global and regional burden of stroke during 1990-2010. In: Lancet 2014; 18 (1): 245-254
  • Interview mit Prim. Dr. Philipp Werner, Leiter des Instituts für Akutneurologie und Schlaganfall (IANS) mit Stroke Unit, LKH Feldkirch