Schichtarbeit lässt Gehirn viel schneller altern

Schichtarbeit lässt Gehirn schneller altern: Müder Mann lehnt sich über PC-Keyboard
Schichtarbeit wirkt sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus. (olly - Fotolia.com)

Wer regelmäßig schichtarbeitet, schneidet in einem Gedächtnistest ab wie ein um 6,5 Jahre älterer Mensch. Das liegt vermutlich an dem schädlichen Effekt eines gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus, so eine neue Studie.

Über 3.000 Arbeiter im Alter zwischen 32 und 62 wurden im Rahmen der Studie befragt und untersucht. Häufiges Schichtarbeiten kann sich in vielerlei Hinsicht schädlich auf die Gesundheit auswirken. Das Risiko für Magengeschwüre, Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird erhöht. Auch auf das Sozialleben und einen gesunden Schlaf können unregelmäßige Arbeitszeiten ungünstig wirken. Die französische Studie befasste sich nun mit der Auswirkung von Schichtarbeit auf das Gehirn. Die gute Nachricht: Gehirnschäden durch Schichtarbeit können rückgängig gemacht werden.

Was ist Schichtarbeit?

Die Studie beschäftigte sich mit Arbeitern in Südfrankreich, die in unterschiedlichen Branchen tätig waren. In einem Test wurde ihre kognitive Fähigkeit, also die Gehirnleistung, gemessen. Menschen, die regelmäßig Schichtarbeit leisteten, schnitten dabei deutlich schlechter ab. In dem Test wurden Geschwindigkeit und Gedächtnisleistung gemessen. Besonders verheerend waren die Auswirkungen, wenn das unregelmäßige Arbeiten bereits 10 oder mehr Jahren andauerte. Jean-Claude Marquié und sein Team verwendeten für die Studie einen relativ umfassenden Begriff für die Definition von Schichtarbeit.

Laut Studie gelten Personen als Schichtarbeiter, die arbeitsbedingt:

  • Vor 5 Uhr früh aufstehen müssen
  • Nicht vor Mitternacht schlafen gehen können
  • Einen wechselnden Stundenplan hatten
  • In der Nacht arbeiten müssen

Demnach würde jemand mit regelmäßigen Arbeitszeiten als Schichtarbeiter gelten, wenn er z.B. durch Pendeln in die Arbeit sehr früh aufstehen muss. In der Auswertung der Studie wurde übrigens die Schlafdauer mit berücksichtigt. Schichtarbeit wirkte sich selbst dann negativ auf das Gehirn aus, wenn die Befragten regelmäßig die empfohlenen 7 bis 9 Stunden Schlaf einhielten.

Gründe für die negativen Effekte von Schichtarbeit

Warum schichtarbeiten sich negativ auf das Gehirn auswirkt, hat vermutlich mehrere Ursachen. Einerseits ist die Hormonausschüttung verändert, wenn der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist. Das macht sich schon bei einem Jetlag bemerkbar, der u.a. die Tätigkeit des Darms stört. Zudem kann Schichtarbeit einen Teufelskreis auslösen: Durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten können soziale Kontakte belastet werden. Da zwischenmenschliche Kommunikation für die psychische und mentale Gesundheit aber unabdingbar ist, kann unter dem Verlust sozialer Kontakte auch die Gesundheit leiden.

Zudem verpassen Menschen durch Schichtarbeit häufig die Sonnenstunden des Tages, was einen Vitamin-D-Mangel auslösen kann. Ein solches Defizit steht u.a. auch mit Demenz in Verbindung, also ist auch eine vorübergehende Einschränkung der kognitiven Fähigkeit denkbar.

Wie Sie Ihr Gehirn trotz Schichtarbeit fit halten können

Die Studie von Jean-Claude Marquié und seinem Team muss aber nicht notwendigerweise eine Negativ-Botschaft für Schichtarbeiter darstellen. Vielmehr tun sich aus den gewonnenen Erkenntnissen Möglichkeiten auf, Ihre Gehirn-Gesundheit positiv zu beeinflussen.

Folgende Punkte können bei Schichtarbeit helfen:

  • In abgedunkeltem Zimmer ohne künstliche Lichtquelle schlafen
  • Soziale Kontakte aktiv pflegen
  • Vitamin-D-Spiegel messen lassen und bei Mangel in Absprache mit dem Arzt ein Nahrungsergänzungsmitteln in Erwägung ziehen
  • In Absprache mit dem Vorgesetzten später mit der Arbeit beginnen oder früher aufhören, um Schlaf zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens zu ermöglichen

Die gute Nachricht für Schichtarbeiter ist aber, dass die schädliche Wirkung auf das Gehirn rückgängig gemacht werden kann. 5 Jahre nach dem Ende der Schichtarbeit schnitten die Arbeiter im Test genauso gut ab wie jene, die durchgehend regelmäßig gearbeitet hatten. Die "Gehirnalterung" durch Schichtarbeit hält also nicht dauerhaft an.

Quellen

Mehr zum Thema