Sport bei Scheidenpilz

Sport bei Scheidenpilz: zwei Frauen beim Nordic Walking
Scheidenpilz ist kein Grund auf Sport zu verzichten. Eine 2 bis 3-tägige Sportopause kann aber die Symptome lindern. (Jacek Chabraszewski - Fotolia.com)

Sport bei Scheidenpilz? Bei akuten Pilzinfektionen der Scheide gibt es kein "Sport-Verbot", eine 2- bis 3-tägige Trainingspause kann jedoch bei starkem Juckreiz Erleichterung bringen.

Wird Sport bei Scheidenpilz ausgeübt, sind einige Hygiene-Grundregeln zu beachten. Atmungsaktive Kleidung hilft, die Pilzvermehrung einzuschränken. Häufig wiederkehrende Pilzinfektionen gelten allerdings als Zeichen einer beeinträchtigten Immunabwehr: gerade dann hilft moderater Sport genauso wie Entspannungstraining dabei, das Immunsystem zu stärken.

Scheidenpilz vermeiden: 5 Tipps

Vermeidung von Scheidenpilz: Eigenes Handtuch

Ob Filmmotiv, mit Herzchen oder einfach nur einfarbig - Individuell gestaltete Handtücher gibt es mittlerweile für jeden Geschmack. Das sollten Sie auch ausnützen und ein Badetuch für sich alleine haben. Denn: Wer das Handtuch mit jemand anderen teilt, riskiert, dass sich ein Scheidenpilz schnell ausbreitet. (hetwig - Fotolia.com)

Der Trainingseinstieg

Viele Frauen kennen die Symptome nur zu gut: starker Juckreiz im Genitalbereich und zugleich weißlich-bröckeliger Ausfluss deuten auf eine Pilzinfektion der Scheide hin. Dürfen sie nun während der Infektion Sport ausüben? Ja, sie dürfen! Ein Scheidenpilz - meist verursacht durch den Erreger Candida albicans - ist kein Grund, einer Patientin vom Sport abzuraten. Für die meisten Frauen ist der starke Juckreiz allerdings so unangenehm, dass eine 2- bis 3-tägige Sportpause etwas Erleichterung bringen kann. Der Besuch eines Schwimmbades ist aus hygienischen Gründen zu vermeiden, da sich Pilze im Wasser leicht vermehren und auf andere Besucherinnen übertragen werden könnten.

Während einer akuten Pilzinfektion sollten zudem Sportarten, die zu einer Beanspruchung des Gesäßes führen - Radfahren, Reiten oder das Training auf dem Heimtrainer - nur mit Vorsicht ausgeübt werden: Das beim Sport entstehende Scheuern der Haut kann die bereits entzündete Haut noch zusätzlich schädigen.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Angst vor einer möglichen Pilzinfektion sollte keinesfalls dazu führen, auf regelmäßiges Schwimmen - oder womöglich überhaupt auf Sport - zu verzichten: die positiven Aspekte dieses Sports im Hinblick auf Ausdauer oder Schonung der Gelenke stehen im Vordergrund. Insgesamt ist es stets eine Frage der Immunsituation, wie anfällig eine Frau für Pilzinfektionen der Scheide ist. Regelmäßige körperliche Bewegung ohne Extrembelastungen gilt als eines der besten Mittel zur Stärkung des Immunsystems. Spezielle "Schwimmtampons" bieten allerdings keinen 100-prozentigen Schutz vor Infektionserregern im Wasser, da sie das Eindringen des Wassers in den Bereich der Scheide nicht verhindern können.

Wie trainieren?

Wird trotz Pilzinfektion trainiert, so ist auf ausreichende, aber keinesfalls übertriebene Hygiene zu achten. Das bedeutet konkret, feuchte und verschwitzte Kleidung sofort nach dem Training zu wechseln, eventuell zu duschen und den Intimbereich sorgfältig abzutrocknen. Von der Verwendung von Intimsprays, Feuchttüchern oder speziellen Reinigungsmitteln raten sowohl Gynäkologen als auch Hautärzte ab: es genügt, pH-neutrale, hautschonende Duschgels oder Seifen zu benützen, und eventuell spezielle Cremen aufzutragen.

Alleiniger Juckreiz muss übrigens nicht unbedingt Zeichen einer Pilzinfektion sein: bei Frauen in den Wechseljahren kann auch die Trockenheit der Schleimhaut Juckreiz hervorrufen und dadurch eine Pilzinfektion vortäuschen; in dieser Situation bringen Feuchtigkeits-Lotionen Linderung.

Die richtige Ausrüstung

Die Empfehlung zum Tragen von Sport-Funktions-(Unter)Wäsche gilt auch im Zusammenhang mit möglichen Pilzinfektionen: Kleidung, die Schweiß und Feuchtigkeit rasch nach außen transportiert, minimiert das beim Sport entstehende feuchte Milieu auf der Haut und nimmt Pilzen eine Grundlage zur Vermehrung. Frauen sollten zudem beim Sport keine Slipeinlagen tragen und während der Menstruation lieber Tampons statt Binden verwenden. Slipeinlagen oder Binden schaffen sonst ein feuchtes Milieu und begünstigen die Vermehrung der Pilze, bei manchen Sportarten entsteht auch zusätzliche Reibung und damit Haut- bzw. Schleimhaut-Schädigung im Genitalbereich.

Risiken für die Gesundheit

Ist Sport bei Scheidenpilz an sich mit keinem Gesundheitsrisiko behaftet, so gilt es, mögliche andere Grunderkrankungen zu berücksichtigen: Die Einnahme von Antibiotika, aber auch anhaltender Stress, können eine Veränderung der natürlichen Scheidenflora hervorrufen, die normalerweise vor Infektionen schützt, und damit Pilzinfektionen der Scheide begünstigen. In diesem Fall hängt ein mögliches gesundheitliches Risiko durch den Sport von der Erkrankung ab, die zur Antibiotika-Einnahme geführt hat - nicht aber vom Scheidenpilz.

Häufig wiederkehrende Pilzinfektionen als Zeichen einer verminderten Immunabwehr in Folge von zu viel Stress im Alltag, können auch ein Signal dafür sein, die eigene "Work-Life-Balance" zu hinterfragen. Sport in der Freizeit darf keinesfalls eine zusätzliche Stress-Belastung darstellen - mitunter ist es vielleicht gesünder, Pausen einzuplanen statt jeden Tag vom Arbeitsplatz ins Fitness-Studio zu hetzen. Auch Entspannungs-Training wie Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung tun dem Immunsystem und damit der Gesundheit gut.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Christian Matthai

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Ernährungs-, Sport- und Vitalstoffmediziner

Gesundheitskompass

Quellen

  • Interview mit Mag. Andrea Engleder, Klinische und Gesundheits- sowie Sportpsychologin, 13.02.2014
  • Interview mit Dr. Imma Müller-Hartburg, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, 11. Februar 2014
  • Interview mit Dr. Barbara Gilly, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, 17. Februar 2014
  • Corsello S. et al.: An epidemiological survey of vulvovaginal candidiasis in Italy, In: Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2003 Sep 10;110(1):66-72.
  • Gynäkologie von Frau zu Frau, M. Hengstberger, Springer, 2. Aufl., Wien New York, 2005/2007
  • Pray, S.: Treatment of Vaginal Fungal Infection, In: US Pharmacist. 2001;26(9)

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