Querschnittslähmung durch Geruchszellen geheilt

Querschnittslähmung durch Geruchszellen geheilt: Frau geht neben Rollstuhl auf Krücken
Es ist fast wie ein Wunder, aber dank der Implantation von Geruchszellen ins Rückenmark kann ein einst gelähmter Mann wieder gehen. (Dan Race - Fotolia.com)
Nach einem Messerangriff war ein Mann aus Bulgarien brustabwärts gelähmt. Dank einer Transplantation von Geruchszellen ins Rückenmark kann er heute wieder gehen.

Vier Jahre lang war der Bulgare Darek Fidyka querschnittsgelähmt, doch nun kann er wieder gehen. Grund dafür war eine Rückenmarksoperation, bei der ihm körpereigene olfaktorische Zellen implantiert wurden. Diese Zellen wurden der Nase des Mannes entnommen und dienen eigentlich der Geruchswahrnehmung. Doch im Rückenmark konnten sie eine neue Aufgabe übernehmen, und verhalfen Darek Fidyka so, seinen Körper wieder spüren und bewegen zu können.

Körperfunktionen und Gehvermögen wiedererlangt

Fidyka war der erste Mensch, bei dem die Geruchszellentransplantation erfolgreich verlief. Er spricht davon, seine Lebensqualität durch den operativen Eingriff wiedererlangt zu haben und sein Leben nun von vorne beginnen zu können. Er kann nicht nur selbstständig mit einer Stütze gehen, sondern hat auch teilweise das Gefühl in der Blase und sexuelle Funktionsfähigkeit wiedererlangt.

Professor Geoff Raismann und sein Team an der University College London forschen bereits seit 30 Jahren an Technologien zur Regeneration von Nervenzellen bei Querschnittslähmung. Vor der Transplantation in das menschliche Rückenmark hatten Geruchszellen bereits einem Hund und Mäusen geholfen, ihre Mobilität wiederzuerlangen.

Nervenzellen eine Brücke bauen

Professor Raismann verglich den Durchbruch, der mit der erfolgreichen Transplantation im Menschen gelungen ist, mit dem Spaziergang am Mond. Nervenzellen im Rückenmark galten bis vor kurzem praktisch als nicht regenerierbar. Die Implantation der olfaktorischen Zellen erfolgte oberhalb der verletzten Stelle. Dadurch wurde den durchtrennten Nervenzellen eine Art Brücke gebaut. Über diese Überbrückung konnten sie sich selbst wieder verbinden.

In Polen, wo die Operation vorgenommen wurde und Großbritannien werden nun bereits klinische Versuche an 10 weiteren Menschen geplant. Verlaufen auch diese erfolgsversprechend, könnte eine Querschnittslähmung eines Tages als gut heilbar gelten.

Quellen

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