Je gieriger, desto risikofreudiger

Je gieriger, desto risikofreudiger: Mann wirft mit Geld um sich
Ist die Belohnung höher, gehen gierigen Menschen größere Risiken ein. (BlueSkyImages - Fotolia.com)
Wer gierig ist, geht größere Risiken ein, um sich materiell zu bereichern - oft auch auf Kosten anderer. Das wiesen nun Forscher der Universität Würzburg in einer Verhaltensanalyse mit Wirtschaftsstudenten nach.

Die Studenten wurden gebeten, auf einem Computerbildschirm virtuell einen Ballon aufzublasen. Je praller der Ballon gefüllt war, desto mehr echtes Geld erhielten sie. Platzte der Ballon jedoch, gingen sie leer aus. Wer davor in einem psychologischen Test viele Merkmale eines gierigen Charakters gezeigt hatte, ignorierte Warnsignale eher und blies den Ballon stärker auf. Die Chance, mehr Geld zu verdienen, überwog der Gefahr, leer auszugehen. Interessanterweise veränderten sich das Stresslevel bei gierigen Studenten nicht, auch wenn der Ballon platzte und sie alles verloren.

Lernen aus Fehlern eingeschränkt

Während die Studenten Risiken im Ballon-Aufblasen eingingen, maßen die Forscher ihre Gehirnaktivität mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG). Dabei stellte sich ein erstaunlicher Zusammenhang heraus: Je gieriger die Studenten in dem psychologischen Test abgeschnitten hatten, desto geringere Unterschiede zeigten sich in ihrer Gehirnaktivität während dem Ballon-Test. Auch, wenn sie alles verloren, kam es zu keiner Veränderung.

Das könnte bedeuten, dass gierige Menschen aufgrund ihrer persönlichen Biochemie einen Verlust als nicht besonders negativ empfinden. Da Menschen aber normalerweise aus Negativ-Erfahrungen durch die Ausschüttung von Stress-Hormonen lernen, könnte dieser Prozess bei gierigen Menschen stark eingeschränkt sein. Ein Lern-Effekt bleibt also trotz Scheitern aufgrund eines riskanten Verhaltens aus.

Mehr Risiko bei höherer Belohnung

Die Bereitschaft zu riskantem Verhalten steigt mit der Höhe der Belohnung an. Das ist scheinbar widersprüchlich: Je mehr es zu gewinnen gibt, desto mehr sind gierige Menschen auch bereit zu verlieren. Die Aussicht auf einen noch größeren Gewinn überwiegt der Gefahr eines sehr großen Verlustes. Dies könnte sich vor allem in Berufsbranchen auswirken, wo die Bezahlung durch Bonuszahlungen und Prämien gesteuert ist, statt eines fixen Gehalts. Verlust ist bei nicht-gierigen Menschen mit Stress verbunden, bei gierigen Menschen aber nicht. Daher kann es sein, dass gierige Menschen bewusst eher in Berufe gehen, wo es viel zu verlieren und zu gewinnen gibt, etwa in die Investmentbranche.

Wirtschaftskrise dadurch erklärt?

Gierige Menschen sind eher bereit, ihre Anstellung oder die Gelder anderer zu verlieren, um einen höheren Bonus einzustreichen. Wenn es tatsächlich zu einem Verlust kommt, nehmen sie diesen gelassener hin als nicht gierige Menschen, sodass auch in der Zukunft mit einer Verhaltensänderung nicht zu rechnen ist. Dieses Phänomen könnte laut den Würzburger Wissenschaftern als Erklärungsansatz für die Wirtschaftskrise 2008 dienen, die bis heute Auswirkungen auf die internationalen Märkte hat. Spekulanten ignorierten damals nicht nur individuelle Risiken; es war auch die kollektive Risikowahrnehmung in der gesamten Branche eingeschränkt.

Quellen

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