Befreiung von der Rezeptgebühr

Rezeptgebühren: Tabletten liegen in einem eingerollten 50-Euro-Schein.
Aufgrund zu geringen Einkommens sind 550.000 Österreicher Rezeptgebühren befreit. (Kautz15 - Fotolia.com)

Aufgrund ihres geringen Einkommens sind in Österreich ungefähr 550.000 Menschen für Medikamente bei Kassen- und Privatrezepten von der Rezeptgebühr befreit.

Für Rezepte, die ein Arzt ausstellt, ist in der Apotheke eine Art Selbstbehalt zu zahlen. Dieser liegt bei Kassenrezepten pro Packung bei 5,55 Euro. Für Privatrezepte von einem Wahlarzt oder Krankenhaus muss der Versicherte zur Gänze selbst aufkommen. Es gibt aber die Möglichkeit, dass ein Kassenarzt das Privatrezept umschreibt, dann ist nur die Kassenrezeptgebühr zu entrichten. Bei manchen Produkten wie etwa der "Pille" zur Empfängnisverhütung ist das allerdings nicht möglich.

Kostet ein rezeptpflichtiges Medikament weniger als 5,55 Euro, so wird in der Apotheke nicht die Rezeptgebühr, sondern der niedrigere Verkaufspreis eingehoben. In jedem Fall muss jedoch bei einem rezeptpflichtigen Medikament, auch wenn es weniger als 5,55 Euro kostet, vom Arzt ein Rezept ausgestellt werden.

Wer ist von der Rezeptgebühr befreit?

Dazu zählen etwa...

  • Pensionisten mit Anspruch auf Ausgleichszulage (Ausnahme: Sozialversicherungsanstalt der Bauern) bzw. Ruhe- oder Versorgungsgenuss mit Ergänzungszulage
  • Chronisch kranke Menschen mit anzeigepflichtigen, übertragbaren Krankheiten (wie z.B. Hepatitis, Aids…). Sie benötigen langfristig bestimmte oft sehr teure Medikamente zur Behandlung dieser Erkrankungen
  • Zivildiener und deren Angehörige
  • Asylwerber

Sie werden automatisch auch ohne Antrag bei der zuständigen Krankenkasse von der Rezeptgebühr befreit.

Sobald die e-card beim Arzt in das Kartenlesegerät gesteckt wird, zeigt sie an, dass eine Befreiung vorliegt. Die Freistellung von der Gebühr wird mit 2 Stempeln auf dem Rezept vermerkt, somit weiß auch der Apotheker Bescheid.

Ansprüche auf Kostenbefreiung

Auch andere Personen mit geringem Monatseinkommen haben Anspruch auf Kostenbefreiung. Dafür ist ein Antrag bei der zuständigen Krankenkassenstelle notwendig, es dürfen dabei folgende Nettoeinkommen aller Mitglieder in einem Haushalt nicht überschritten werden:

Richtsätze 2015

Alleinstehende

872,31 Euro

Alleinstehende mit erhöhtem Medikamentenbedarf

986,39 Euro

Personen in Lebensgemeinschaft, Ehepartner

1.307,89 Euro

Personen in Lebensgemeinschaft, Ehepartner mit erhöhtem Medikamentenbedarf

1.504,07 Euro

Jedes mitversicherte Kind erhöht den Richtsatz um

134,59 Euro

Obergrenze für Rezeptgebühr

Wer sehr viele Medikamente beziehen muss, ein geringes Einkommen hat, aber damit über den gültigen Richtsätzen für eine Rezeptgebührenbefreiung liegt, hat folgende kostensparende Möglichkeit: Für jeden Versicherten wird von der Sozialversicherung ein Konto der bezahlten Rezeptgebühren geführt. Seit 2008 muss jeder Versicherte im Laufe eines Jahres nur so lange die Rezeptgebühr entrichten, bis er mit diesen Zahlungen einen Betrag von 2 % seines Jahres-Nettoeinkommens erreicht hat.

Ist das der Fall, so ist er - ohne bei der Krankenkasse einen Antrag zu stellen - für den Rest des Jahres von der Rezeptgebühr enthoben. Sobald diese Befreiung im System errechnet wurde, wird sie dem Arzt über das e-card-System beim Ausstellen eines Rezepts angezeigt. Der Arzt vermerkt die Befreiung auf dem Rezept, der Versicherte muss in der Apotheke keine Rezeptgebühr mehr bezahlen.

Als Richtsatz gilt: Die Obergrenze wird wirksam, wenn im laufenden Kalenderjahr mindestens 37 Rezeptgebühren bezahlt wurden, jene von mitversicherten Personen eingeschlossen.

Quellen

Mehr zum Thema