Ein Weg aus der Krise - Resilienz & Coping

Ein Weg aus der Krise - Resilienz & Coping: Frau verschränkt entschlossen Arme
Auch in Zeiten von Krisen gibt es ein Licht am Ende des Tunnels - Strategien der Resilienz und des Copings helfen bei der Bewältigung. (hikrcn - Fotolia.com)
Die Fähigkeit, aus negativen Erlebnissen etwas Positives zu gewinnen - das bedeutet Resilienz. Das Leben hält manchmal schlimme Dinge für uns bereit: Krankheit, Todesfälle oder zwischenmenschliche Brüche (z.B. eine Scheidung).

Es fällt nicht immer leicht, Mut und Lebensfreude zu bewahren, aber es gibt bestimmte Bewältigungsstrategien aus der Psychologie, Coping genannt, die helfen, gestärkt aus widrigen Lebensumständen hervorzugehen. Jeder geht anders mit Problemen um: Der eine verdrängt sie und zieht sich zurück, ein anderer wird wütend und wieder ein anderer setzt sich konstruktiv damit auseinander. Wir können lernen, das Beste aus dem Schlimmsten herauszuholen und schwierige Phasen so handzuhaben, dass sie uns im Leben nicht blockieren.

Resilienz - Krisen gehören zum Leben

Schicksalsschläge treffen uns oft unerwartet und können uns gewaltig aus der Bahn werfen. Das ist auch völlig in Ordnung, denn Trauer braucht Zeit. In verschiedenen Kulturen wird die Trauerzeit z.B. nach dem  Tod eines nahestehenden Menschen sogar genau bemessen: 6 Wochen für die intensive Trauer und darauf folgend ein Trauerjahr - dann sollte das Leben einigermaßen weitergehen. So einfach ist das natürlich nicht immer, Gefühle lassen sich nicht so mir nichts, dir nichts in Zeiteinheiten teilen.  Jeder Mensch braucht sein eigenes Ausmaß an Zeit, um einen Verlust zu überstehen. Dennoch gilt: Die Zeit heilt (fast) alle Wunden.

Aus einer Krise oder einem Trauma etwas Positives mitzunehmen oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen, ist eine große Herausforderung. Mit der richtigen Strategie und einer gesunden Portion Mut, ist es dennoch möglich resilient (widerständig) zu werden. Wir müssen uns nicht unserem Schicksal fügen, wir können es selbst in die Hand nehmen. Bis zu einem gewissen Grad sind wir nämlich selbst für unser Glück verantwortlich. Indem wir Krisen als notwendigen Teil des Lebens anerkennen, an dem wir wachsen können, gehen wir einen ersten Schritt in Richtung Lebenszufriedenheit. Resilienz bedeutet aber nicht, völlig unverwundbar zu sein. Es geht darum, Wege zu finden mit einer Krise so umzugehen, dass sie uns nicht "niederreißt“ und auf ewig an unserem Glück hindert.

Resilienz kann man lernen

Jeder kann mit gewissen Strategien seine eigene Fähigkeit zur Resilienz steigern bzw. verbessern:

  • Auf sich achten:  Körperpflege, gesunde Ernährung und Bewegung (z.B. Schwimmen oder Radfahren)
  • Über den eigenen Schatten springen, Neues lernen (z.B. eine Sprache, eine neue Sportart)
  • Die eigene Kreativität fördern (z.B. Gartenarbeit, malen, schreiben )
  • Werte und Ziele für das eigene Leben überlegen
  • Aus der Isolation ausbrechen: soziale Kontakte, die einem gut tun pflegen
  • Langeweile zulassen, "Nichtstun" genießen, mit sich allein sein
  • Nein sagen lernen

Coping - Jeder geht anders mit Krisen um

Wie wir mit Stresssituationen und schwierigen Lebenssituationen umgehen, ist individuell sehr unterschiedlich. Die Psychologie beschreibt 2 verschiedene Ansätze von Coping (Bewältigungsstrategien):

  • Problemorientiertes Coping: Durch direkte Handlungen oder problemlösende Aktivitäten den Stressauslöser verändern, z.B. durch Kampf (Bedrohung zerstören, beseitigen, abbrechen), Flucht (sich aus der Krisensituation zurückziehen, Isolation), leugnen, verhandeln oder Kompromisse schließen.
  • Emotionsorientiertes Coping: Das eigene Verhalten wird verändert, nicht der Stressauslöser, z.B. durch Aktivitäten, die am Körper ansetzen (Psychopharmaka, Entspannungstraining, Biofeedback, Atemübungen etc.), Handlungen, die an der Psyche ansetzen (Ablenkung, Fantasien, sich Gedanken über sich selbst machen) oder Psychotherapie, um mit Ängsten und Krisen umgehen zu lernen.

Angriff oder Flucht (problemorientiertes Coping) lassen ein Problem oder ein schlimmes Erlebnis nicht verschwinden. An sich selbst zu arbeiten (emotionsorientiertes Coping), ist die gesündere Alternative, um gestärkt aus einem widrigen Lebensumstand hervorzugehen. Das braucht Zeit und viel Geduld mit sich selbst. Wichtig ist, sich zu trauen nach Hilfe zu fragen und diese auch anzunehmen.

Weiterführende Informationen

  • Weck den Optimisten in dir, A. Rohwetter, Gräfe und Unzer, München, 2013

Medizinischer Experte

Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin

Dr. Christine Allen

ÖAK Diplome: Akupunktur, Ernährungsmedizin, Orthomolekulare Medizin, Palliativmedizin, Psychotherapeutische Medizin

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Weck den Optimisten in dir, A. Rohwetter, Gräfe und Unzer, München, 2013
  • Psychologie, R .J. Gerrig, P. G. Zimbardo, Pearson Studium Verlag, 18. Auflage, München, 2008
  • Strohhalme auf hoher See, Workshop mit B. Pachl-Eberhart, 25. Niederösterreichischer Pflegefrühling am 10.04.2014 in Horn

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