Reisen in der Schwangerschaft

Reisen in der Schwangerschaft: Schwangere mit Reisekoffer
Reisende Schwangere sollten beim Fliegen oder Zugfahren zwischendurch immer mal wieder aufstehen und einige Minuten gehen. (Johannes Hloch)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Reisemedizin
Bevor das Kind kommt, noch einmal die Zeit zu zweit auskosten? Verreisen und vielleicht sogar fliegen? In der Schwangerschaft kein Problem, unter bestimmten Voraussetzungen.

Urlaub in der Schwangerschaft ist vor allem zwischen dem 4. und dem 7. Monat ideal. In diesem Zeitraum fühlen sich Schwangere so richtig wohl in ihrer Haut, die anfänglichen Beschwerden haben sich gelegt und der Bauch schränkt die Bewegungsfreiheit noch nicht übermäßig ein. Perfekt, um noch einmal auf Reisen zu gehen oder auch zu fliegen.

Die Wahl des Verkehrsmittels

Ob Auto, Bus, Zug, Flugzeug oder Schiff ist im Prinzip egal, Hauptsache die werdenden Eltern planen regelmäßige Pausen ein. In diesen heißt es sich bewegen und auch einige Minuten die Beine hochlegen, um Blutgerinnsel in den Beinen (Thrombosen) vorzubeugen.

In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus, Zug und Flugzeug sorgt ein Gangplatz für etwas mehr Beinfreiheit. Außerdem können Reisende zwischendurch immer wieder aufstehen und einige Minuten gehen. Übungen mit den Füßen, wie z.B. die Füße von der Ferse beginnend bis zur Zehenspitze auf- und wieder abrollen oder im Stand gehen, regen den Kreislauf an. Bei einer Neigung zu Krampfadern unbedingt Stützstrümpfe tragen, wenn über lange Zeiträume Sitzen am Plan steht.

Bei allen Reisen, aber vor allem beim Fliegen in der Schwangerschaft, sollte viel getrunken werden und zwar mindestens ein Viertelliter pro Stunde.

Vorsicht bei Reiserücktrittsversicherungen. Ist die Frau schon bei Abschluss der Versicherung schwanger, ist ein Rücktritt oft vorhersehbar und die Versicherung zahlt nicht.

Auto fahren in der Schwangerschaft

Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte zumindest alle 2 Stunden eine Rast einplanen. Der Beckengurt sollte möglichst tief unter dem Bauch sitzen und der diagonale Schultergurt zwischen Brust und Babybauch verlaufen, um im Falle eines möglichen Aufpralls nicht auf den Bauch zu drücken. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sollte die werdende Mutter im Idealfall nicht mehr selbst Auto fahren, da die Bewegungsfreiheit doch eingeschränkt ist. Airbags sind in Europa keine Gefährdung für ein Ungeborenes, da sie vor Gesicht und Brust ausgelöst werden.

Fliegen in der Schwangerschaft

Die meisten Fluggesellschaften erlauben, dass Mütter bis maximal 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin (Nachweis Mutter-Kind-Pass oder ärztliches Attest) mitfliegen dürfen, Risikoschwangerschaften (auch bei Zwillingen) ausgeschlossen. Am besten erkundigen Sie sich vor Reisebeginn noch einmal bei der Fluggesellschaft.

Sowohl der Kabinendruck im Flugzeug als auch die Strahlenbelastung bei den Sicherheitskontrollen oder bei Langstreckenflügen sind unbedenklich. Bei längeren Flügen mit Zeitumstellung sollten die werdenden Eltern berücksichtigen, dass die Anstrengung die Mutter in spe doch mehr belastet als vor der Schwangerschaft.

Schiff fahren in der Schwangerschaft

Schifffahrten verlaufen in der Regel ruhig, außer die werdende Mutter hat einen schwachen Magen und verträgt die raue See nicht. Da die Schiffe oft länger nicht anlegen, nehmen viele Schifffahrtgesellschaften Schwangere ab der 24. Woche nicht mehr mit.

Krank während der Schwangerschaft im Urlaub

Um Magen-Darm-Erkrankungen (Durchfall, Erbrechen…) vorzubeugen, gilt es, kein Leitungswasser zu trinken und vor allem bei Obst, Gemüse und Fleisch nur zu jenen Produkten zu greifen, die gekocht, gebraten oder geschält sind.

Wird die werdende Mutter im Urlaub krank und konsultiert einen Arzt, sollte sie immer auf die Schwangerschaft hinweisen und auch beim Verschreiben von Medikamenten noch einmal nachhaken, ob diese unbedenklich für das Ungeborene sind. Eine mitgebrachte Reiseapotheke hilft bei kleineren Beschwerden. Diese immer in Absprache mit dem Arzt zusammenstellen, da auch viele rezeptfreie Medikamente nicht für Schwangere geeignet sind! Wichtig: Der Mutter-Kind-Pass sollte auf Reisen immer mit dabei sein.

Reisen und Impfungen während der Schwangerschaft

Grundsätzlich sollte eine Frau den Impfstatus am besten vor Eintritt einer Schwangerschaft überprüfen.

Plant eine Frau eine Fernreise, die besondere Impfungen erfordert, bevor sie schwanger wird, sollte sie sich rechtzeitig impfen lassen. Während einer Schwangerschaft sind zwar Impfungen mit Totimpfstoffen möglich und können teilweise sinnvoll sein. Von Impfungen mit Lebendimpfstoffen wird grundsätzlich abgeraten, auch wenn von vielen Impfungen bis jetzt keine Probleme bekannt sind. Aber Lebendimpfstoffe sind Krankheitserreger in einer abgeschwächten Form und wenn nicht notwendig, ist ein Kontakt mit solchen zu vermeiden.

Für Urlaube in Mitteleuropa übliche Impfungen sind Diphterie, FSME, Hepatitis A und B, Masern, Meningokokken, Kinderlähmung, Tetanus und Tollwut, von denen auch in der Schwangerschaft alle bis auf die Masernimpfung gegeben werden könnten.

Anders schaut es mit einer Malaria-Prophylaxe aus. Nicht alle Medikamente, die dafür notwendig wären, dürfen verabreicht werden. Und die Erkrankung mit Malaria verläuft wegen des geschwächten Immunsystems in der Schwangerschaft häufig sehr schwer und endet oft in einer Fehlgeburt. Bei Urlauben fernab der Zivilisation ist zu bedenken, dass das nächste Krankenhaus im Notfall vielleicht (zu) weit weg ist.

Welche Impfungen für bestimmte Destinationen erforderlich sind und ob diese während einer Schwangerschaft möglich sind, darüber informieren reisemedizinische Zentren.

Wandern und andere Sporturlaube

Bewegung in der Schwangerschaft ist gut und förderlich. Es beugt Schwangerschaftsdiabetes vor, verbessert das Wohlbefinden, stärkt das Immunsystem, verbessert die Haltung und hilft somit den typischen Schwangerschaftsgang mit nach vorne gestrecktem Bauch zu vermeiden. Außerdem beugt es einer übermäßigen Gewichtszunahme vor. Allerdings ist für die Frau eher moderates Training zu empfehlen. Schmerzen, Schwindelgefühle, Übelkeit oder Atemprobleme sind eindeutige Zeichen, dass es zu viel ist. Risikoschwangere sollten sich mit ihrem Arzt absprechen.

Beim Wandern sollte die Schwangere unter der 2.000-Meter-Höhe bleiben, da weiter oben die Luft für sie zu dünn wird und der Sauerstoffgehalt zu gering ist. Vor allem aber sollte ein schneller Höhenunterschied wie bei einem Aufstieg mit einer langen Seilbahn vermieden werden, weil der Körper sich auch erst an den Unterschied gewöhnen muss. Vorsicht auch bei schmalen Wanderwegen, da der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt ist.

Gleichmäßige Sportarten wie Schwimmen oder Yoga tun Mutter und Kind gut. Bewegungen, die Erschütterungen auslösen, wie beim Laufen oder Radfahren über holpriges Gelände, sind nicht ideal, auch wenn das Kind in der Plazenta gut abgeschirmt ist. Aber der verminderte Gleichgewichtssinn könnte einen Sturz mitverursachen.

Sportarten wie Skifahren oder Reiten, bei denen es zu Stürzen kommen kann, sollten ebenfalls auf die Zeit nach der Schwangerschaft verschoben werden, da ein Sturz eine Fehlgeburt auslösen könnte. Extremsportarten wie Marathonlaufen oder Bungee-Jumping sind auf alle Fälle tabu.

Wellness

Bei Wellnessurlauben heißt es Whirlpools wegen der erhöhten Infektionsgefahr meiden. Statt in heiße Saunen und für den Kreislauf sehr belastende Dampfbäder zu gehen, sollten Biosaunen mit 50 bis 60 Grad Celsius bevorzugt werden. Bei Schwindelgefühl oder Unwohlsein sollten Schwangere lieber das Saunieren abbrechen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Beate Lenzhofer

Hebamme

Quellen

  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 300 Fragen zur Schwangerschaft, B. Holzgreve, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 1001 Verbote in der Schwangerschaft, I. Müller-Hartburg, Goldegg Verlag, 3. Auflage, Wien, 2009
  • Wir wünschen uns ein Baby, Z. West, Dorling Kindersley, 1. Auflage, London, 2008
  • https://www.gesundheit.gv.at/ Impfungen_vor_der_Schwangerschaft (27.01.2014)

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