Mit Reanimation Leben retten

Demonstration einer Reanimation
Jeder Handgriff zählt: Mithilfe eines Erste Hilfe-Kurses lässt sich in kurzer Zeit erlernen, wie Sie anderen Menschen das Leben retten können. (Andrey Popov - Fotolia.com)

Wer Erste Hilfe leistet, kann dabei nichts falsch machen. Nur wer untätig ist, riskiert, dass eine verletzte bzw. erkrankte Person stirbt.

Wissen Sie noch, wie man jemanden in stabile Seitenlage bringt oder eine Herzdruckmassage durchführt? Gerade wenn die Führerscheinprüfung schon einige Jahre her ist, fehlen oft wichtige Erste Hilfe-Kenntnisse. Rettungsorganisationen, wie z.B. das Rote Kreuz, bieten deshalb regelmäßige Auffrischungskurse an.

Sie können nichts falsch machen

Im Ersten Hilfe-Kurs lernen Sie auch, worauf Sie bei der Reanimation – dazu gehören Herzdruckmassage und Mund zu Mund-Beatmung – achten sollten. Sie muss eingesetzt werden, wenn Personen bei einem Notfall nicht oder nur mehr sehr unregelmäßig atmen. Die Angst dabei etwas Falsches zu tun, ist hier vollkommen unbegründet. Schon ein Anruf bei der Rettung (Tel: 144 bzw. Notruf 112), kann anderen Menschen das Leben retten. Erste Hilfe zu leisten ist nicht strafbar. Wegsehen und überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen, hingegen schon.

Was tun am Unfallort?

  1. Achten Sie auf Ihren Selbstschutz! Sichern Sie den Notfallort ab.
  1. Sprechen Sie den Betroffenen an und berühren Sie ihn! Kommt keine Reaktion, die Rettung (Tel: 144) rufen bzw. rufen lassen. Einen Verbandskasten holen (lassen).
  1. Bringen Sie die Person aus der Gefahrenzone! Etwa bei Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung sofort lüften bzw. wenn möglich den Raum verlassen.
  1. Machen Sie die Atemwege frei! Dazu überstrecken Sie den Kopf des Betroffenen, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und mit der anderen das Kinn hochziehen. Durch diese Maßnahme kann bereits die Atmung wieder einsetzen. Ob das der Fall ist, zeigt die anschließende Atemkontrolle.
  1. Überprüfen Sie max. 10 Sekunden die Atmung!  Halten Sie Ihr Ohr über den Mund des Patienten: Hören Sie ihn atmen? Fühlen Sie Atembewegung an seinen Wangen? Sehen Sie, dass sich der Brustkorb hebt und senkt? Wichtig ist, dass Sie eine regelmäßige Atmung wahrnehmen.
  1. Bei normaler, regelmäßiger Atmung: Drehen Sie die Person in die stabile Seitenlage! Wenn sich der Brustkorb gleichmäßig hebt und senkt, führen Sie die stabile Seitenlage durch.

So geht die stabile Seitenlage

  • Legen Sie jenen Arm des Bewusstlosen, der sich auf Ihrer Seite befindet im rechten Winkel weg von seinem Körper.
  • Ziehen Sie das gegenüberliegende Knie hoch und legen das Handgelenk des anderen Arms drauf.
  • Jetzt drehen Sie die Person zu sich.
  • Überstrecken Sie den Kopf der Person leicht und öffnen Sie ihren Mund , damit Speichel und eventuell vorhandenes Blut oder Erbrochenes herausfließen können.

Wenn Sie nur unregelmäßiges Atmen, Schnarchen oder langsame, tiefe Atmung bzw. überhaupt keine Atmung feststellen können, dann muss spätestens jetzt die Rettung unter 144 alarmiert werden! Es liegt ein Herz-Kreislaufstillstand vor, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung, fragen Sie nach, ob es in der Nähe einen Defibrillator gibt.

Der Notruf: Das passiert in der Leitstelle

Folgende Fragen werden an Sie dort gestellt:

  • WO ist der Unfall- bzw. Notfallort? Idealerweise nennen Sie die genaue Adresse. Wenn das nicht möglich ist, machen Sie Kilometerangaben auf Schnellstraßen oder Autobahnen. Auch hilfreich: Angabe von Fahrtrichtung, naheliegenden Ausfahrten sowie ggf. "Orientierungspunkte", wie z.B. Brücken, in der Nähe des Unfallortes.
  • WER ruft an? Geben Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer für eventuelle Rückfragen bekannt (z. B. wenn der Notfallort durch die Rettung nicht gefunden werden kann).
  • WAS ist passiert? Ein Autounfall, ein Sturz, eine blutende Wunde…etc. Schildern Sie kurz die Geschehnisse.
  • WER bzw. WIE VIELE Menschen sind betroffen? Angaben zur Person (Kind, Mann, Frau, ungefähres Alter). Sind mehrere Menschen an dem Unfall beteiligt, ist auch diese Information aus organisatorischen Gründen an die Rettungszentrale weiterzuleiten.

Die Person, die dort Ihren Notruf entgegennimmt, gibt Ihnen konkrete Anweisungen und führt Sie ggf. Schritt für Schritt durch die Reanimation. Legen Sie erst dann auf, wenn der Mitarbeiter keine weiteren Fragen mehr an Sie hat.

Wiederbelebung einer Person, die (fast) nicht atmet

Eine Reanimation ist immer dann erforderlich, wenn die Person nicht mehr oder nur sehr unregelmäßig atmet. Ist Letzteres zutreffend, spricht man von einer "Schnappatmung". Auch hier muss sofort die Wiederbelebung eingeleitet werden:

Sie gliedert sich in folgende Schritte:

1. Herzdruckmassage

2. Mund zu Mund-Beatmung

3. Anwendung eines Defibrillators, wenn vorhanden

Sie sind sich nicht sicher, ob noch Atmung vorhanden ist? Beginnen Sie trotzdem mit der Reanimation.

Herzdruckmassage – so geht’s!

  • Legen Sie zunächst einen Handballen auf die Mitte des Brustkorbs.
  • Den Ballen der anderen Hand kommt auf die erste.
  • Dann strecken Sie beide Arme durch und starten mit der Herzdruckmassage.
  • Drücken Sie dazu 30 Mal auf die Mitte des Brustkorbs – einfach tief (idealerweise 5 cm bis max. 6 cm), fest und schnell auf den Brustkorb drücken. Tipp: Musik im Kopf hilft, um den geeigneten Rhythmus zu finden. Denken Sie während der Herzdruckmassage z.B. an den "Radetzky-Marsch" oder "Stayin‘ Alive" von den Bee Gees. Diese Musikstücke haben die empfohlene Geschwindigkeit von 100 bis 120 Schlägen pro Minute.
  • Bei Kindern unter einem Jahr führen Sie die Herzdruckmassage nur mit zwei Fingern durch. Dazu verwenden Sie entweder Ihren Zeige- und Mittelfinger oder den Mittel- und Ringfinger.

Mund zu Mund-Beatmung durchführen

  • Überstrecken Sie den Kopf des Betroffenen.
  • Legen Sie eine Hand auf sein Kinn.
  • Mit der anderen Hand berühren Sie die Stirn und halten die Nase der Person zu.
  • Umschließen Sie Ihren Mund mit dem Mund des Betroffenen und atmen Sie kräftig aus.
  • Diesen Vorgang wiederholen Sie 2x hintereinander.
  • Drehen Sie sich zwischen den Beatmungen vom Mund der Person weg. So können Sie einerseits selber Luft holen und andererseits bemerken Sie dadurch, ob sie wieder atmet.
  • Für Mund zu Mund-Beatmungen im Säuglingsalter (Kinder unter einem Jahr) gilt: Umschließen Sie Mund und Nase des Babys mit Ihrem Mund – der Kopf wird dabei nicht überstreckt – und führen Sie die Beatmung durch.

Sie kennen die Person nicht und haben möglicherweise kein Beatmungstuch in greifbarer Nähe? Dann müssen Sie die Mund zu Mund-Beatmung auch nicht durchführen! Machen Sie diese nur, wenn Sie das wollen und sich diese auch zutrauen. Ist das nicht der Fall, nehmen Sie ausschließlich Herzdruckmassagen vor.

Ansonsten wechseln Sie zwischen beiden Wiederbelebungsmaßnahmen solange ab bis…

  • …das nun eingetroffene Rettungsteam Ihnen sagt, aufzuhören.
  • …Ihre eingeleiteten Schritte Wirkung zeigen, d.h. die Person wieder
       regelmäßig zu atmen beginnt, hustet, sich bewegt.
  • …sie zu erschöpft sind und nicht mehr weiter machen können.

Benützung des Defibrillators

Auf öffentlichen Plätzen und in Gebäuden (z.B. Stephansplatz, Einkaufszentren, Parlament…etc.) ist auch ein halbautomatischer Defibrillator – ein sogenannter "Defi oder AED“ – vorhanden. Dieses Gerät "spricht mit Ihnen" und führt Sie Schritt für Schritt durch die Wiederbelebungsmaßnahmen. Daher ist es auch für Laien ohne vorheriges Training einfach zu bedienen. Sobald ein Defibrillator zu Verfügung steht, soll er auch sofort von Ihnen angewendet werden!

Person atmet, ist aber nicht ansprechbar...

Wenn die Person atmet, aber nicht ansprechbar ist (z. B. bei einer Ohnmacht) können Sie bis zum Eintreten der Rettung folgendes tun:

  • Lagerung: Lagen Sie den Betroffenen immer so, dass dieser möglichst wenig Schmerzen hat. Ideal ist die stabile Seitenlage.
  • Psychische Unterstützung: Wenn die verletzte Person ansprechbar ist, versuchen Sie sie zu beruhigen, indem Sie ihr gut zureden. Wenn möglich, sorgen Sie für Ruhe und bleiben Sie bei ihr bis die Rettung kommt. Achten Sie darauf, dass die Person ruhig und regelmäßig atmet.
  • Frischluft: Öffnen Sie beengende Kleidung und ggf. auch ein Fenster.
  • Wärme: Decken Sie den Verunfallten zu, sofern ihm kalt ist und schützen Sie ihn bei Hitze vor Sonne.

Erste Hilfe-Kurse: So können Sie Leben retten!

Wenn Sie medizinisch unerfahren sind, dann sollten Sie Ihr Wissen rund um Erste Hilfe mindestens alle 3 Jahre auffrischen. Für medizinisches Fachpersonal (Spitalsangestellte) gilt die Empfehlung, dies halbjährlich zu tun. Neben dem "Roten Kreuz" und dem "Arbeiter-Samariterbund" bieten auch die "Johanniter" und die "Malteser" maßgeschneiderte Kurse an.

Wiederholungskurse können Sie schon in nur 4 oder 8 Stunden absolvieren. Bereits in dieser kurzen Zeit lernen Sie, wie Sie anderen Menschen das Leben retten können. Spezielle Angebote gibt es auch für Schüler sowie für hör- und sehbeeinträchtigte Menschen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich für Kinder- und Säuglingsnotfälle schulen zu lassen. Außerdem können Sie auch den richtigen Umgang mit einem Defibrillator ("Defi") trainieren. Je nach gewähltem Angebot kostet ein Erste-Hilfe-Kurs durchschnittlich zwischen 35 und 55 Euro.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Assoc. Prof.

Dr. Thomas Uray, MPH

Facharzt für Innere Medizin, Additivfach Intensivmedizin, Notarzt

Universitätsklinik für Notfallmedizin, Medizinische Universität Wien

Quellen

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