Jungs in der Pubertät

Pubertierender Bub sitzt vor seinem Laptop, links daneben ein Skateboard
Hormone sorgen in der Pubertät bei Jungs für einschneidende körperliche aber auch seelische Veränderungen. (Chepko Danil - Fotolia.com)

Jungs kommen zwischen 11 und 15 Jahren in die Pubertät, das ist etwa 1 ½ Jahre später als Mädchen. Erste sichtbare Anzeichen sind ein rasches Körperwachstum und eine Veränderung der Proportionen.

Dieser Umbauvorgang wird von männlichen Hormonen gesteuert. Die Veränderungen betreffen jedoch nicht nur den Körper und die Sexualentwicklung, sondern auch die Psyche. Die Umbauprozesse beeinflussen auch die Körperwahrnehmung, der Hang zu Risiko und Aggression ist aufgrund des Hormonungleichgewichts höher.

Körperliche Veränderungen bei Jungs

Zwischen 11 und 15 Jahren beginnen Buben sich zu jungen Männern zu entwickeln, sie werden geschlechtsreif. Der genaue Zeitpunkt, wann dieser Veränderungsprozess beginnen soll, ist hormonell gesteuert und genetisch bedingt.

Was passiert wann?

Vorgang bei Buben/ Jugendlichen

Durchschnittliches Alter

Körperwachstum

Ab 12 Jahren

Wachstum der Hoden

10 bis 13,5 Jahre

Schambehaarung

10 bis 15 Jahre

Wachstum des Penis

Zirka 14 Jahre

Stimmbruch

Ab zirka 14 Jahren

Sexuelles Bewusstsein

Ab zirka 14 Jahren

Erster Samenerguss

Ab zirka 14 Jahren

Wachstum & Körperformen bei Jungs

Schon bevor die äußeren Veränderungen beginnen, setzt die männliche Hormonproduktion ein. Burschen wachsen um das 12. Lebensjahr rasch und ihre Körperformen beginnen sich zu verändern. "Schuld" daran ist die Produktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH) sowie des Insulin-like growth factor 1 (IGF-1). Der männliche Körper wächst und reift, die Muskelmasse nimmt zu, die Schultern verbreitern sich.

Stimmbruch

Aufgrund der hormonellen Einflüsse vergrößert sich auch der männliche Kehlkopf. Bis das Wachstum abgeschlossen ist, kann die Stimme mitunter kippen, krächzen oder heiser wirken. Ist dieser Prozess abgeschlossen, hat der junge Mann eine deutlich tiefere Stimme.

Bartwuchs und Behaarung

Manche Burschen wird es zunächst vielleicht erstaunen, dass nun Haare sprießen, dort, wo zuvor keine gewachsen sind. Das Wachstum ist bei Jungs unterschiedlich, meist beginnen die ersten Haare am Penisansatz, später in den Achseln zu wachsen.

Auch der Bartwuchs beginnt im Zuge der Testosteron-Ausschüttung. Aufgrund der hormonellen Veränderungen kann auch Akne auftreten, die jedoch üblicherweise wieder vergeht, wenn sich die Hormone eingependelt haben.

Veränderung der Geschlechtsorgane

Im Zuge der hormonellen Veränderungen werden im männlichen Körper sowohl männliche (Androgene) als auch weibliche Hormone (Östrogen) gebildet. Auch Testosteron ist ein Androgen, es wird bei Burschen in höherem Ausmaß gebildet als bei Mädchen. Dank Testosteron-Produktion wachsen die Muskeln. Die sekundären Geschlechtsorgane beginnen zu wachsen, zunächst die Hoden, die sich mitunter auch verfärben können, und etwas dunkler werden. Auch der Penis wächst, im Schnitt von ca. 5 auf 12 Zentimeter.

Erster Samenerguss

Der erste Samenerguss zeigt, dass der Junge nun zeugungsfähig ist. Meist tritt der erste Samenguss nachts auf, stimuliert durch Träume oder auch durch Selbstbefriedigung. Der Penis richtet sich auf (Erektion) und im Zuge des Samenergusses tritt Samen aus dem Penis.

Psychische Veränderungen bei Jungs

Im Gehirn verändern sich viele Zellverbindungen - für kurze Zeit sind "neuronale Fenster" offen, um neue Verknüpfungen zu erstellen, um besondere Fähigkeiten zu lernen. Dazu zählen die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses, die Aufmerksamkeit, die Informationseinbettung. Darüber hinaus verändert sich in dieser Phase auch der Schlaf-Wach-Rhythmus. Einerseits schüttet die Zirbeldrüse das Schlafhormon Melantonin in der Pubertät ein bis zwei Stunden später aus als bei Erwachsenen, andererseits schlafen sie morgens daher länger.

Viele Entwicklungen im Präfrontalhirn die mit der veränderten seelischen Befindlichkeit zusammenhängen, sind bei manchen Jugendlichen erst nach dem 20. Lebensjahr abgeschlossen. Reifungsprozesse im Gehirn etwa sind auch für die Fähigkeit verantwortlich, Folgen und Risiken von Aktionen realistisch einschätzen zu können, sowie Emotionen und Argumentationen kontrollieren zu können.

Körperwahrnehmung und psychische Probleme

Aufgrund der hormonellen Kaskaden werden Jugendliche in der Pubertät nicht nur schwieriger, sondern können auch Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten entwickeln. So manifestieren sich typischerweise im Jugendalter Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1, Schilddrüsenerkrankungen, gewisse Rheuma- und Epilepsieformen, Depressionen, Essstörungen, Drogenabhängigkeit oder Schizophrenie. Auch psychische Störungen können sich aufgrund des Zusammenspiels von Pubertätshormonen entwickeln.

So etwa hängt es mit dem Umbauprozess im Gehirn zusammen, wenn Jugendliche eine gestörte Körperwahrnehmung entwickeln. Selbstentfremdung ist ebenfalls ein Stichwort, der Jugendliche durch die Pubertät begleitet. Die neue Körperlichkeit, aber auch die Beziehung zur Umwelt, all dies ist eine Erklärung für das vielfach irrationale Verhalten von Jugendlichen. Eltern sollten, trotz schwieriger Umstände, die Beziehung zum Kind nie aufgeben, gerade jetzt braucht es ein festes Fundament.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Mag. Dr. Gerlinde Grübl-Schößwender

Sozial- u. Heilpädagogin, Dipl. Erwachsenenbildnerin

Praxis für Heilpädagogik, Lebens- und Sozialberatung, Coaching

Website

Quellen

Mehr zum Thema