Psychiater sollen Häftlinge betreuen

Versorgungsmangel im Maßnahmenvollzug

In die Affäre um einen psychisch kranken Häftling im Maßnahmenvollzug in der Justizanstalt Krems-Stein bieten die österreichischen Psychiater ihre Hilfe an.

Die Mängel in der Versorgung dieser Insassen sind laut der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) nicht neu. Es sei höchste Zeit, die Fachleute ernst zu nehmen, hieß es am Dienstag, 27. Mai in einer Stellungnahme. Der Präsident der Gesellschaft, Georg Psota, auch Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD), sein Vorgänger in der Fachgesellschaft, Christian Haring, Regine Prunnlechner als Vorsitzende der Sektion für Gerichtspsychiatrie und Christian Geretsegger von der Sektion für "Unterbringung und Rechte in der Psychiatrie" wiesen in der der APA übermittelten Erklärung darauf hin, dass die "aktuelle Berichterstattung zum Thema Maßnahmenvollzug" zu Recht "beträchtliche Mängel auf diesem Gebiet in Österreich" aufzeige.

Einbindung von Fachleuten gefordert

Doch neu sind die Missstände offenbar nicht. "Namhafte Psychiater mit umfangreichen Fachkenntnissen auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie haben in den letzten Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass sich eine zunehmend ungünstige und den Anforderungen eines modernen, humanen, fachlich vertretbaren und vernunftgemäßen Maßnahmenvollzuges zuwiderlaufende Situation entwickelt", stellten die Experten fest.
Wolle man das Problem angehen, sei die Einbindung von Fachleuten notwendig: "Die Verbesserung vergleichbar unwürdiger Situationen ist ohne psychiatrische Expertise nicht möglich." Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP), der "sich dankenswerter Weise diesem Thema widmen" wolle, biete man Expertise - speziell vonseiten der forensischen Psychiatrie - an. Die ÖGPP, sei allerdings auch "im Sinne einer Forderung der Meinung, dass es höchst an der Zeit ist, die Fachleute ernst zu nehmen, mit einzubeziehen und gemeinsam Lösungen für eine bessere forensisch-psychiatrische Versorgung zugunsten der vielen Betroffenen zu entwickeln." 

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Quellen