Prozess gegen französischen Arzt wegen Sterbehilfe

Unheilbar Kranke getötet

Pau (AFP) - In Frankreich muss sich seit Mittwoch ein Notarzt wegen der Tötung von sieben todkranken Patienten vor Gericht verantworten. Dem Franzosen droht lebenslange Haft wegen "Vergiftung besonders verletzlicher Personen."

Die Anklage wirft dem 53-jährigen vor, im Krankenhaus der südfranzösischen Stadt Bayonne fünf Männern und zwei Frauen ohne Absprache mit den anderen Ärzten Medikamente verabreicht zu haben, die den Tod der Patienten beschleunigten.

Der Angeklagte sagte zum Auftakt des Prozesses in der südwestfranzösischen Stadt Pau, er habe mit seinen im Sterben liegenden Patienten Dinge erlebt, die ihn als Arzt geprägt hätten. Dass er nun als "Krimineller, Mörder, Giftmörder" vor Gericht stehe, empfinde er als "gewalttätig". Kein Angehöriger der Verstorbenen hatte gegen den Arzt Anzeige erstattet. Die Frau eines der Toten stellte sich hinter den Mediziner. Sie habe den Arzt "angefleht", das Leiden ihres Mannes zu beenden, nachdem Morphium nicht mehr geholfen habe. "Ich erwarte, dass er freigesprochen wird."

Der Prozess, der bis zum 27. Juni dauern soll, hat die Debatte über Sterbehilfe in Frankreich neu angeheizt. Derzeit wird über eine Reform eines Gesetzes aus dem Jahre 2005 diskutiert, das die Rechte von todkranken Patienten am Ende ihres Lebens regelt. Dieses Gesetz ermöglicht zwar hohe Dosen von Schmerzmitteln, selbst wenn diese die Lebenszeit verkürzen können. Es verbietet aber aktive Sterbehilfe, wie sie beispielsweise in Belgien erlaubt ist.

Bei dem Prozess in Pau gehe es um ein "schlechtes Gesetz", das die Probleme von Patienten im Endstadium nicht lösen könne, erklärte die französische Gesellschaft für das Recht auf ein Sterben in Würde (ADMD). Die Vereinigung Alliance Vita, die den konservativen Gegnern der Homo-Ehe nahesteht, kündigte ihrerseits eine "breite Mobilisierung" an, sollte das französische Parlament die aktive Sterbehilfe erlauben.

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