10 häufige Fragen zur Pollenallergie

Hilfe bei Pollenallergie: Allergiker putzt sich die Nase
Allergiker sollten an pollenstarken Tagen nicht zu lange im Freien sein. (Frank - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Pollenallergie

Was kann man tun, wenn Blütenstaub von Gräsern und Bäumen das Leben beschwerlich macht? Experten haben die 10 häufigsten Fragen während einer Publikumsdiskussion beantwortet.

Frage 1: Sind die Pollen 2016 besonders aktiv?

Die Birke wird dieses Jahr etwas früher zu blühen beginnen. Abhängig vom Wetter der nächsten Woche müssen AllergikerInnen ab Mitte / Ende März mit ersten Belastungen rechnen. Die Pollenmenge wird 2016 über dem üblichen Schnitt liegen. Wie AllergikerInnen darauf reagieren, hängt allerdings davon ab, wie die Saison beginnt und verläuft.  "Wird es kontinuierlich wärmer, startet die Saison zwar früh, dafür aber gemäßigt“, erklärt Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien. „Erleben wir weiterhin starke Temperaturschwankungen, beginnt der Pollenflug sehr plötzlich oder steigt die Pollenmenge während der Flugzeit immer wieder sprunghaft an, ist zwar der Beginn hinausgezögert, die Belastungen werden jedoch bedeutend stärker erlebt als bei einem langsam ansteigenden Pollenflug.“

Frage 2: Wie lässt sich die Pollenkonzentration in der eigenen Wohnumgebung besser einschätzen?

Dafür gibt es sehr gute Hilfsmittel wie beispielsweise die Homepage des Pollenwarndienstes mit personalisierten Informationen und einer Pollenflugprognose, eine neue Pollenapp oder auch die Teletext-Nachrichten.

Frage 3: Warum ist es wichtig, die Höhe der Pollenkonzentration zu kennen?

All diese Informationsquellen können vor Belastungsgipfeln warnen, somit fällt es leichter beispielsweise Freizeitaktivitäten auf den Pollenflug abzustimmen. Allergiker sollten an pollenstarken Tagen nicht zu lange im Freien sein, besonders wenn es sonnig und windig ist. Um die Belastung zu reduzieren, hilft es auch, nach dem Heimkommen die Kleidung zu wechseln, zu duschen und sich die Haare zu waschen. Pollenfilter im Auto, dünnmaschige Gitter an den Fenster und Stoßlüften am Morgen dämmen die Pollenkonzentration in der unmittelbaren Umgebung auch ein.

Frage 4: Werden die Pollen immer aggressiver?

Wiener Wissenschafter haben die Pollenhäufigkeit von Birke, Gräsern, Ölbaumgewächsen und Korbblütlern von 1990 bis 2009 beobachtet und keine signifikanten Änderungen festgestellt. So sind die Birkenpollen noch immer die häufigsten Allergieauslöser unter den Pflanzen, gefolgt von den Gräserpollen. Allerdings kann Umweltverschmutzung die Wirkung der Pollen auf das Immunsystem verstärken, etwa, wenn sie mit Dieselpartikel in Kontakt kommen. Nicht nur die Allergene in Pollen, sondern auch bestimmte Pflanzenfettstoffe können das Immunsystem negativ beeinflussen.

Frage 5: Was löst eine Allergie aus?

Es sind nicht die Pollen oder das Tier an sich, die eine Allergie hervorrufen, der Körper reagiert auf den Kontakt mit einem bestimmten Eiweiß überempfindlich, egal ob es nun im Labor hergestellt wird oder in der Natur vorkommt. Der Organismus bildet gegen dieses Allergen (z.B. Pollen) Antikörper, es kommt zu den typischen Symptomen wie laufende Nase oder juckende, gerötete Augen. Wann und in welche Intensität, ist je nach Person unterschiedlich.

Frage 6: Warum muss eine Allergie behandelt werden?

Die allergische Erkrankung kann sich quasi von der Nase in die Lunge verlagern: Jeder 2. bis 3. Heuschnupfenbetroffene kann Asthma entwickeln, daher sollte die Behandlung frühzeitig einsetzen. Eine Möglichkeit ist etwa die Immuntherapie gegen Gräserpollen, sie kann 8 von 10 Patienten helfen. Diese Behandlung wird mindestens 4 Monate vor der erwarteten Pollensaison gestartet. Die Allergene werden dabei in abgeschwächter Konzentration verabreicht, damit sich der Körper allmählich daran gewöhnt. Somit können die Beschwerden einer Allergie deutlich reduziert werden.

Frage 7: Werden Allergien automatisch weitervererbt?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder mit einer 30 % Wahrscheinlichkeit eine Allergie entwickeln, wenn ein Elternteil Heuschnupfen oder Neurodermitis aufweist. Sind beide Eltern Allergiker, trifft es auch das Kind mit einer 70 % Wahrscheinlichkeit. Wissenschafter haben zwar festgestellt, dass Störungen in bestimmten Genen die Allergieneigung erhöhen, ob die Allergie beim Kind dann tatsächlich ausbricht, lässt sich aber nicht eindeutig voraussagen.

Frage 8: Wie lässt sich die Allergieneigung bei Kindern eindämmen?

Es gibt keine (Diät)Empfehlungen in der Schwangerschaft, die das Allergierisiko beim Kind senken könnten. Während einer herkömmlichen Geburt werden Kinder mit den Bakterien der Mutter konfrontiert, das ist auch ein gewisses Training für das Immunsystem, beim Kaiserschnitt fehlt Babys der Kontakt mit den Keimen. Babys sollten gestillt und ab dem 4. Monat schrittweise mit kleinen Portionen an Normalkost gewöhnt werden. Wichtig ist auch Kontakt mit Schmutz (in Maßen): Kinder die indirekt mit zu viel Desinfektionsmittel in Kontakt kommen, neigen in dieser "steril" geputzten Umgebung deutlich mehr zu Allergien.

Frage 9: Kann sich eine Pollenallergie bei Kindern "auswachsen"?

Es kommt sehr selten vor, dass eine Pollenallergie bei Kindern mit zunehmendem Alter einfach verschwindet, viel mehr wird eine bestimmte Form der Allergie z.B. gegen Birken schwächer und andere Ausprägungen wie eine Beifußallergie oder eine Kuhmilchallergie treten auf. Die Bereitschaft im Körper ist einfach vorhanden, sehr sensibel auf verschiedene Allergene zu reagieren.

Frage 10: Sind neue Wirkstoffe bei einer Kreuzallergie in Sicht?

Mittlerweile lässt sich das Protein, das Birkenallergikern zu schaffen macht, künstlich herstellen. Da Birkenallergiker auch häufig unter einer Kreuzallergie beim Genuss eines Apfels leiden - es kommt zu Kribbeln am Gaumen, Kratzen im Hals, zum Jucken der Ohren - gibt es nun am Institut für Pathophysiologie der MedUni Wien erste Pilotstudien, dass die Immuntherapie, die gegen Birkenallergie eingesetzt wird, auch bei einer Apfelallergie greift. Das Protein, dass die Birkenallergie auslöst ist jenem ähnlich, das in Äpfel vorkommt, daher reagiert das Immunsystem dann bei Birkenallergikern auch beim Verzehr von Äpfeln so sensibel.

Quellen

  • Podiumsdiskussion: "Pollenallergie im Fokus" ,MedUni Wien in Kooperation mit der IGAV
  • Pressekonferenz: Start in die Pollensaison 2016, IGAV, Med Uni Wien, Österr. Pollenwarndienst, März 2016

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